Schlagwort-Archive: Geschichte für Kinder

Weihnachtsmarkt in Winkelhausen: 14. Dezember

14-12-13Als Ludwig am späten Vormittag des folgenden Tages in die Redaktion kam, empfing ihn der Chefredakteur mit einem Bündel von Zetteln.

„Da sind Sie ja endlich!“, rief er. „Was glauben Sie, was das ist?“ Er wartete gar nicht auf eine Antwort. „Das sind alles Reaktionen auf Ihren Artikel. Lauter Leute, die von Ihrem Bericht aufgerüttelt worden sind und den Obdachlosen helfen wollen. Das Telefon steht schon den ganzen Vormittag nicht still. Wir brauchen jemanden, der die Hilfsangebote koordiniert. Das machen Sie!“

„Ich?“, fragt Ludwig. Er fühlte sich überrumpelt.

„Natürlich Sie. Es war Ihr Artikel.“

Ludwig setzte sich an seinen Arbeitsplatz und begann die Zettel zu sortieren. Mehrere Leute boten Isomatten und Schlafsäcke an. Ein Umzugsunternehmen hatte noch Platz in einer Lagerhalle und bot sie zum Übernachten an. Eine Großküche wollte zum Selbstkostenpreis eine warme Mahlzeit am Tag kochen und zu den Leuten bringen. Und viele Leute wollten Kleider oder Geld spenden. Ludwig kümmerte sich um alles. Er arbeitet viele Tage bis spät in die Nacht um alles zu organisieren. Nie hätte er gedacht, was für ein Aufwand an Bürokratie nötig war, nur um ein paar Menschen zu helfen.

Es war einige Monate später. Der Winter war vorbei. Aus der spontanen Hilfsaktion für Obdachlose war ein Verein geworden, der sich auch um andere soziale Projekte kümmerte. Im Moment versuchte der Verein ein Haus mit Garten anzumieten, um Unterstände für Menschen mit Angst vor geschlossenen Räumen anbieten zu können. Außerdem wollten sie den Leuten die Möglichkeit zur Gartenarbeit zu geben, weil das eine gute Therapiemethode war für Menschen, die schlimme Wunden an der Seele hatten.

„Wir brauchen einen Artikel darüber in der Zeitung“, sagten Ludwigs Mitstreiter zu ihm. „Etwas, das an die Herzen der Leute rührt, so wie dein Bericht vor Weihnachten.“

Ludwig setzte sich an seinen Schreibtisch. Er machte den Computer an. Er starrte auf den leeren Bildschirm, aus dem Fenster, auf die Wand. Er stand auf und kochte Kaffee. Er setzte sich wieder an den Computer. Nichts. Keine einzige Idee tauchte in seinem Kopf auf.

Da erinnerte er sich an den Bleistift. Vielleicht konnte der ihm helfen.

Beim letzten Mal war der Strom ausgefallen gewesen. Ludwig schaltete also alle Lampen und den Computer aus. Er holte die Campinglampe und einen Schreibblock und nahm erwartungsvoll den Bleistift zur Hand. Er schloss die Augen. Nichts passierte. Ach ja, beim letzten Mal hatte er einen karierten Block gehabt. Aber auch mit einem karierten Block passierte nichts. Doch als Ludwig sich restlos albern vorkam und gerade aufgeben wollte, begann seine Hand zu zucken. Der Stift begann mitten auf der Seite. Er schrieb aber nicht, sondern zog gerade Linien. Ludwig öffnete die Augen und sah zu, was auf seinem Blatt geschah. Der Bleistift malte hin und her, nach rechts, nach links, nach oben, nach unten. Schließlich machte er einen schwungvollen Bogen nach rechts, malte noch zwei Zacken und kam mit einem letzten Bogen nach links zurück zu seinem Ausgangspunkt. Dann begann die Zeichnung in allen Regenbogenfarben zu schimmern.

„Was will mir dieser Stern jetzt sagen?“, fragte Ludwig laut in seine leere Wohnung hinein.

Er überlegte eine Weile.

Stern, Sternschnuppe, Komet, leuchtender Stern, Stern von Bethlehem. Das war es! Das war der Stern von Bethlehem, der die heiligen drei Könige zu Jesus geführt hatte. Die drei Könige hatten eine lange, gefahrvolle Reise unternommen, um einem kleinen Baby ihre Gaben in einen Stall zu bringen. Einem Baby, von dem sie glaubten, dass es die Welt zum Besseren wenden würde.

Auf einmal waren die Worte da. Ludwig schrieb: „Kurz vor Weihnachten habe ich über Obdachlose berichtet und die Bürger antworteten mit einer großen Welle von Hilfsbereitschaft. Aus dieser Welle ist etwas viel größeres geworden. Menschen haben sich gefunden, um für andere unsere Stadt zu einem besseren und lebenswerteren Ort zu machen. Wenn uns das gelingt, wenn wir alle diesen weiten Weg gemeinsam bis zum Ende gehen, dann ist jeden Tag ein bisschen Weihnachten für jeden von uns.“

Annegret hatte geendet. „Vielleicht ist der Schluss ja ein bisschen zu rührseelig“, sagte sie dann, als keiner etwas sagen wollte.

Die anderen schüttelten die Köpfe. „Die nehmen wir, genauso, wie sie ist.“

Klara seufzte. „Das Buch hätte ich schrecklich gerne. Gibt es noch mehr Geschichten?“

„Abwarten“, sagte der Weihnachtsmann, „Schau’n wir mal, wo wir als nächstes landen.

Weihnachtsmarkt in Winkelhausen: 13. Dezember

13-12-1315. Oktober

Sie waren wieder in dem Klassenzimmer. Annegret las, die anderen hörten gespannt zu.

„Ludwig wachte am nächsten Morgen ziemlich verkatert auf. Er erinnerte sich an einen Stromausfall. Währenddessen musste er eingeschlafen sein, denn er erinnerte sich an einen verwirrenden Traum, in dem ein Bleistift, der von alleine schrieb, vorkam. Bloß gut, dass er rechtzeitig aufgewacht war, um den Bericht für die Zeitung zu schreiben und abzusenden. Allerdings ließ ihm der Traum keine Ruhe. Er war so real gewesen. In Zukunft trinkst du besser gar nichts mehr auf solchen Veranstaltungen, wenn dich schon ein Glas Sekt dermaßen aus den Schuhen haut, dachte er bei sich. Dann ging er mit seinem Kaffeebecher in sein Arbeitszimmer. Er brauchte heute nicht in die Redaktion zu fahren. Er hatte Außendienst, das hieß, dass er irgendwo in der Stadt recherchieren musste und seinen Auftrag per e-Mail bekam. Als er jedoch an seinen Schreibtisch trat, stockte ihm der Atem. Da lag, mit Bleistift geschrieben, ein Bericht über die Obdachlosen unter der Autobahnbrücke. Das gab es doch nicht. Also war dieser wirre Traum wahr gewesen. Ludwig beschloss, der Sache auf den Grund zu gehen. In seiner Mail bekam er den Auftrag, am Nachmittag über den Weihnachtsmarkt zu schreiben und vormittags sich nach einer Story umzusehen.

Alles klar, dachte er, Obdachlose sind auch eine gute Story, vorausgesetzt, dass es sie wirklich gibt.

Es gab sie. Unter der Autobahnbrücke fand er sie alle, wie es der Bleistift beschrieben hatte. Menschen, die aus verschieden Gründen auf der Straße lebten und nicht in die Notunterkünfte gehen wollten oder konnten.

Martha, deren Haus abgebrannt war . Sie konnte sich nicht in geschlossenen Räumen aufhalten.

Tom, der Martha nicht allein lassen wollte.

Julia, die immer wieder laut schreien musste, niemand wusste, warum.

„Sie muss etwas schreckliches erlebt haben“, flüsterte Martha, „immer wieder hat sie Alpträume.“

Dann war da Markus, der immer wieder trank. „Weißt du, wenn ich trinke, ist diese beschissene Welt wieder schön“, nuschelte er und bot Ludwig etwas aus seiner Flasche an.

Und Ella, die die Nähe von Menschen nicht ertragen konnte. Selbst in dieser kleinen Gruppe hielt sie sich abseits.

Sie alle wirkten vernachlässigt und ungepflegt. Es waren Menschen, nach denen sich kaum jemand umdrehte,  ja, die man nach Möglichkeit übersah. Aber Ludwig hatte noch nie so viele erschütternde Schicksale auf einem Haufen gesehen. Sie taten ihm leid und gleichzeitig bewunderte er ihre Gemeinschaft, in der sie ihr Schicksal teilten und einander ohne Vorurteile annahmen. Er beschloss, dass die Geschichte aus dem Bleistift in die Zeitung musste.

„Das ist gar nicht dein üblicher Stil“, sagte der Chefredakteur, „aber die Geschichte ist gut. Wir werden sie ungekürzt abdrucken.“

Annegret brach ab. Alles schwieg. Dann sagte der der junge Mann mit der Diplomarbeit:

„Ich wusste nicht, dass so tolle Geschichten in Dir stecken! Das ist einfach Boah! Aber das kann doch jetzt nicht alles gewesen sein! Ich dachte, der Abend verändert Ludwigs Leben. Was passiert denn als nächstes?“

Annegret wurde über und über rot. „Ich hatte Angst, dass es schon zu lang ist. Aber ich habe noch mehr geschrieben.“

„Vorlesen, vorlesen, vorlesen!“, riefen alle.

Weihnachtsmarkt in Winkelhausen: 6. Dezember

6-12-1315. Oktober

„Wo sind wir denn jetzt gelandet?“, fragte Thomas.

Beide Kinder sahen sich in einem Zimmer um. Kleidungsstücke lagen auf dem Fußboden, neben dem Bett lag ein Stapel Computerzeitschriften und an der Wand klebte ein Fußball-Poster. Es waren drei Jungen, so um die 15-16 Jahre, in dem Zimmer. Einer lag auf dem Bett und blätterte in einer der Computerzeitschriften, einer lümmelte sich in einem Sessel herum und der dritte saß an einem Schreibtisch und tippte auf einer Computertastatur.

Auf einmal rief der Junge am Computer: „Yes! Isch bin drin!“

Sogleich kam Leben in den Jungen auf dem Stuhl. „Im Ernst? Hast du die Kindersicherung geknackt?“

„Jawoll! Ich bin der Superhacker! Soll ich mal „Heiße Miezen“ in die Google-Bildersuche eingeben?“

„Mensch Max, lass den Mist!“, rief jetzt der Junge auf dem Bett. „Wenn meine Eltern das ‚raus kriegen, dann hat es sich ausgehackt für uns.“

„Deine Eltern sind nicht da“, sagte der mit Max angesprochene.

„Aber Carolin, und die ist die größte Petze unter der Sonne. Sie müsste sowieso gleich hier auftauchen, wenn sie nicht schon längst am Schlüsselloch lauscht.“

„Ich finde es ohnehin eine Zumutung, dass wir auf sie aufpassen müssen. Wir sind eine Hacker-Zelle und kein Babysitter-Verein“, erklärte Max.

„Wenn wir nicht auf sie aufpassen, dürfen wir uns nicht hier treffen. Meine Mutter hat sich da ganz klar ausgedrückt. He, Kevin, was machst du da?“

Der Junge aus dem Sessel hatte sich leise an die Tür herangepirscht. Jetzt riss er sie mit einem Ruck auf. Ein kleines Mädchen segelte in das Zimmer hinein und landete unsanft auf dem Fußboden. Sie schien um die sechs Jahre alt zu sein. Sie verzog das Gesicht und fing an zu weinen. „Das sag ich alles Mama!“

Kevin sah sie spöttisch an und sagte völlig ungerührt: „Nein, tust du nicht. Denn dann müsstest du auch sagen, dass du am Schlüsselloch gelauscht hast. Ganz schön dämlich übrigens, sich dabei an der Türklinke festzuhalten. Dabei kann man böse Unfälle erleben.“

Die Kleine schniefte weiter. Ihr Bruder ging zu ihr und hob sie vom Boden auf. „Kevin hat vollkommen recht, du bist selber schuld. Hast du dir weh getan?“

Anscheinend war alles in Ordnung mit ihr. Auf die Frage, was sie denn von den Jungs wollte, druckste sie ein wenig herum. „Mama hat gesagt, du sollst uns in Ruhe lassen. Sie hat dir extra erlaubt, ein Computerspiel zu spielen. Also, was ist denn so wichtig?“

„Ich komme bei Shrek nicht weiter. Ihr seid doch so tolle Computerfreaks, könnt ihr mir nicht helfen?“ Sie guckte die Jungen mit großen Augen von unten herauf an.

„Süße, dein Charme verfängt bei uns nicht“, sagte Max. „Und gegen deinen „Littlest-Pet-Shop-Blick“ bin ich immun. Ich habe auch eine kleine Schwester. Mit deinem Shrek-Spiel musst du alleine klarkommen. Gemogelt wird nicht.“

„Das sagst du nur, weil ihr das nicht könnt. Ihr seid gar keine Hacker!“

„Sind wir wohl!“

„Ach ja? Und wo ist dann das Computerspiel, das Peter mir zum Geburtstag versprochen hat? Da warte ich schon seit dem Sommer darauf! Ihr könnt gar nichts.“

„Zufällig arbeiten wir gerade an einem Computerspiel für den Weihnachtsmarkt, Fräulein „Ich-weiß-ja-so-gut-Bescheid“. Ich wette mit dir, dass wir das bis dahin fertig bekommen.“

„O.K. Wenn ihr gewinnt, lasse ich euch in Zukunft in Ruhe und erzähle niemandem, was ihr macht. Wenn ich gewinne, müsst ihr mir immer mit den Computerspielen helfen.“

Und Carolin und Max besiegelten die Wette mit einem Handschlag.

Als Carolin das Zimmer verlassen hatte, sah Peter seinen Freund entgeistert an.

„Sag mal Max, bist du eigentlich von allen guten Geistern verlassen? Computerspiel für den Weihnachtsmarkt. Wie kommst du denn auf so etwas?“

„Ich musste deiner neunmal klugen Schwester doch den Mund stopfen.“

„Weißt du eigentlich, wie kompliziert es ist, ein Computerspiel zu entwerfen? Ich beiße mir schon seit dem Sommer daran die Zähne aus. Und wir haben noch nicht mal eine Spielidee. Und überhaupt, Weihnachtsmarkt. Was soll man denn da mit einem Computerspiel.“

Jetzt mischte Kevin sich ein. „Meckern nützt jetzt auch nicht. Wir hängen alle mit drin. Wenn wir deine kleine Schwester nicht bis in alle Ewigkeit am Hals haben wollen, müssen wir liefern. Und sei ehrlich. Besonders intensiv hast du ja nicht an deinem Spiel gearbeitet.

Außerdem ist die Idee mit dem Weihnachtsmarkt gar nicht so dumm. Meine Mutter liegt mir andauernd in den Ohren, dass ich nicht nur am Computer sitzen, sondern auch mal was Soziales tun soll. Mit dem Spiel schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe. Wir brennen es auf eine CD und verkaufen es für den guten Zweck.“

„Genau“, sagte Max. „Kann man dein Spiel, also das, was du schon geschafft hast, nicht weiter verwenden, wenn man die Grafik etwas weihnachtlich aufpeppt?“

„Welche Grafik? Ich hatte die Idee, dass kleine Männchen Äpfel aufsammeln und in einen Korb packen. Ich kann gerade mal ein Strichmännchen über den Bildschirm bewegen.“

„Das ist doch super. Aus den Männchen machen wir Wichtel und aus den Äpfeln machen wir bunte Pakete, die der Weihnachtsmann vom Schlitten verloren hat. Das Ganze wird auf Zeit gespielt, damit alle Kinder zu Weihnachten Geschenke bekommen. Niedlich und gewaltfrei.“

„Genau“, sagte Kevin. „Und sie müssen nicht nur einfach aufsammeln, sondern im verschneiten Wald suchen.“

„Sonst noch ’nen Wunsch? Und wer entwirft die Grafik dafür? Von uns kann keiner so gut zeichnen.“

„Wir nicht. Aber ich weiß jemanden, der das für uns machen wird“, erklärte Max.

„Und wer?“

„Connie!“.

„Connie? Du meinst doch nicht etwa Kunst-Kurs-Connie? Connie-Rembrandt-Friedrich? Wie willst du denn die dazu bringen, mit uns zusammenzuarbeiten?“ Kevin war völlig perplex.

„Sie schuldet mir was. Ich habe vor ein paar Wochen ihr Zeichenprogramm von diversen Viren befreit und sie hat mir ewige Dankbarkeit geschworen.“

„Gut, das Problem wäre gelöst. Und den Rest schaffen wir schon. Bis zum ersten Advent sind es noch sechs Wochen. Notfalls holen wir uns Hilfe aus dem Internet. Kannst du gleich morgen mit Connie reden?“

„Geht nicht“, antwortete Max. „Morgen ist Sonntag und Connie ist am Wochenende nicht im Internat sondern bei ihren Eltern. Aber am Montag spreche ich sie in der Schule an.“

„Gut“, sagte Peter. „Dann sollten wir keine Zeit verlieren und an die Arbeit gehen.“

 

„Wow, das ist ja so was von cool!“, sagte Thomas. „Ein Computerspiel! Werden sie es schaffen?“

„Das wirst du noch erfahren“, antwortete der Weihnachtsmann. „Erst mal sehen wir uns an, was am Montag in der Schule los ist.“

Weihnachten in Winkelhausen: 5. Dezember

5-12-1314. November

 

Die Montagsgruppe der Winkelhausener Patchwork-Gilde traf sich heute bei Rosemarie Müller. Der Esstisch im Wohnzimmer war ausgezogen worden. Jetzt hatten fünf Frauen aller Altersgruppen ihre Nähmaschinen dort aufgebaut und waren eifrig dabei, kleine Stoffstücke aneinander zu nähen. Dabei unterhielten sie sich vergnügt.Es klingelte.

 

„Das wird Marianne sein.“ Rosemarie Müller erhob sich und ging zur Tür. Man hörte Stimmen im Eingagnsflur und dann stand Marianne Jäger in der Tür.

 

„Schaut mal, wen ich euch mitgebracht habe.“ Sie schob eine ältere Frau ins Zimmer. „Für alle, die sie nicht kennen: Das ist Elke Schneider. Sie heißt nicht nur Schneider, sie ist auch eine Schneiderin. Elke möchte für den Weihnachtsmarkt mitnähen.“

 

„Allerdings keine Flickendecken“, sagte nun Frau Schneider. „Ich dachte mehr an Puppenkleider. Frau Jäger – Marianne – lud mich ein, bei ihnen mit zu nähen. Sie sagte, in Gesellschaft nähte es sich viel netter. Ich habe etwas mitgebracht.“ Aus einem Korb zog sie eine kleine Puppe. Sie trug eine bestickte Latzhose mit passender Bluse. Die anderen Frauen gaben bewundernde Kommentare von sich.

 

„Ist das nicht eine entsetzliche Fummelarbeit?“, fragte eine jüngere Frau. „ich wollte immer schon etwas für die Puppen meiner Mädchen nähen, aber ich habe mich nie daran getraut. Außerdem habe ich gar keine Schnittmuster.“

 

„Also, wenn man ein paar Tricks kennt, ist das nicht schlimmer, als ihre kleinen Drei- und Vierecke zusammenzunähen, eher sogar leichter, glaube ich. Ich zeige ihnen das gerne. Und die Schnittmuster sind einfache Basisschnitte. Mein Neffe hat sie mir in den Computer gescannt, und ich kann einfach die Größe, die ich brauche, ausdrucken.“

 

„Also, stellen sie ihre Nähmaschine auf den Tisch. Zuschneiden ist in der Küche“, erklärte Rosemarie.

 

Als Elke und die jüngere Frau in der Küche verschwunden waren, wandte sie sich an Marianne. „Wie hast du es nur geschafft, sie mitzubringen ? Seit ihr Mann tot ist, habe ich Elke so oft in den Ohren gelegen, sich uns anzuschließen, aber sie wollte nie.“

 

„Sie kam auf mich zu. Sie sagte aber gleich, dass Patchwork nichts für sie sei. Irgenwie kann sie mit der Idee, große Stoffe in kleine Schnipsel zu zerschneiden, um dann wieder ein großes Stück Stoff zusammenzunähen, nicht allzuviel anfangen. Aber das macht ja nichts, die Puppenkleider sind bezaubernd.“ Die beiden gingen an die Arbeit.

 

In der Küche wurden indessen eine lange Hose und eine kleine Jacke zugeschnitten. Jana, die jüngere Frau, ließ sich die Stoffreste geben und zerschnitt sie zu lauter kleinen Dreicken.

 

Als Frau Schneider am Ende des Nachmittages mit Jacke und Hose fertig war, hielt Jana ihr eine kleine Umhängetasche, genau passsend zur Puppenkleidung, hin. „Das Muster heißt Kinder bekommen Flügel. Ich dachte mir, das könnte passen.“

Eine andere Frau hatte eine kleine Decke für ein Puppenbett gefertigt.

 

„Im Fussballverein basteln sie Puppenmöbel, dafür ist sie gedacht. Das Muster heißt übrigens Geburtstagskuchen.“

 

Klara war ganz aufgeregt. „Das ist ja meine Puppe! Also sie hat diese süßen Kleider genäht. Macht sie noch mehr?“

 

„Ja. Und nicht nur sie. Diese Patchwork-Gilde, was soviel heißt, wie Patchwork-Club, ist sehr groß. Fast jeden Tag trifft sich eine kleine Gruppe in einer Wohnung. Es gibt sogar einen Mann dabei. Einige von ihnen werden Puppenkleider und kleine Decken für den Markt machen, andere machen Kissen und Topflappen und eine große Gruppe näht gemeinsam ein paar ganz große Decken. Das schönste hier ist aber, das Frau Schneider wieder unter Leute kommt und eine Aufgabe hat.

 

Aber kommt mit, es gibt noch viel mehr zu sehen.“

 

Weihnachtmarkt in Winkelhausen: 4.Dezember

4-12-1315 . Oktober

Wo sind wir jetzt?“ fragte Thomas.

Wir sind im Vereinsheim des Fußballvereins SV 86 . Es ist Samstag, der 15. Oktober. Die Spieler lassen das Training für einen Weihnachtsmarkteinsatz ausfallen.“

Klara und Thomas sahen sich in einem großen Raum um. Überall standen Tische herum, an denen eifrig gearbeitet wurde. Sägen kreischten, Feilen kratzten. Holzstaub lag in der Luft und es roch nach frischer Farbe. Die Kinder bemerkten, dass nicht nur Erwachsene in dem Raum arbeiteten. Auch Jungen und Mädchen in ihrem Alter standen an den Tischen. Interessiert gingen sie näher.

Hier, halt das mal,“ sagte ein Mädchen in Thomas Richtung. Der erschrak. Konnte das Mädchen ihn sehen? Aber nein, sie sprach zu einem Jungen, der hinter ihm stand. Eilig trat er beiseite. Der angesprochene Junge nahm zwei Holzbrettchen, die das Mädchen ihm reichte.

So?“

Ja, genau Kante auf Kante“. Das Mädchen nahm einen Akkuschrauber und wollte los bohren.

Du hältst den Bohrer schief“, sagte der Junge. Das Mädchen verzog das Gesicht.

Jetzt machen wir das schon seit zwei Stunden, und noch immer kriege ich keine geraden Löcher hin!“

Du musst deine Nase über die Stelle halten, wo das Loch hin soll. Ja, genau so.“

Danke. Wie gut, dass wir uns helfen.“

Klaro. Die Sachen sollen ja auch richtig gut werden.“

Ein Mann trat auf die Kinder zu. „Was machen die Schubladen?“

Wir sind gerade bei Nummer 6“, sagte das Mädchen stolz. Sie wies auf einen Stapel flacher Holzkästen. „Die hier kannst du schon mitnehmen.“

Ich möchte gern sehe, wie sie im Schrank aussehen“ , sagte der Junge.

Ich auch. Geh schon mal und nimm ein paar Schubladen mit, ich mache das hier fertig und komme nach.“

Eine Frau trat an den Tisch. „Ihr beiden hattet noch gar keinen Kuchen und Punsch! Nicht nur die ganze Zeit arbeiten, auch ein bisschen feiern!“

Klara und Thomas folgten dem Jungen an einen anderen Tisch. Die Schubladen gehörten zu einem Puppenschrank.

Nächste Woche wird angemalt“, sagte der Mann. „Ihr Kinder habt fabelhafte Arbeit geleistet.“

Bei einem kleinen Rundgang durch den Saal stellten Klara und Thomas fest, dass hier nur Puppenmöbel gebaut wurden: Betten, Schränke, Tische und Stühle.

Die ganze Vereinsjugend arbeitet mit“, sagte der Weihnachtsmann. „Wirklich jeder. Die Kleinen haben geschmirgelt oder frisch geklebte Teile aneinander gepresst. Für jenen wird hier eine Aufgabe gefunden, und sei sie noch so klein. Aber kommt weiter. Es gibt noch viel mehr zu sehen.“

Adventskalender 2012: Als der Weihnachtsmann verhaftet wurde

Adventskalender 2012:
Als der Weihnachtsmann verhaftet wurde

Adventkalender für Kinder

Adventkalender für Kinder

Adventskalender 2013: 3.Dezember

3-12-1312 . Oktober

Es war Mittwoch Abend. Die Männer vom Kegelclub saßen in ihrem Stammlokal an dem großen Ecktisch, der jeden Mittwochabend für sie reserviert war. An der Wand über dem Tisch hingen die Auszeichnungen, die sie sich erkegelt hatten. Es waren eine Menge, denn sie waren gute Kegler. Jetzt drehte sich das Gespräch aber nicht darum, wie man im nächsten Jahr wieder Kreismeister werden konnte.

Am Nachbartisch saß der Weihnachtsmann mit Klara und Thomas. Die Kinder spitzten die Ohren.

Ein Mann fragte gerade: „Und, habt ihr denn schon eine Idee, was wir für den Weihnachtsmarkt machen können? Letzte Woche haben wir beschlossen, dass wir mitmachen“, den letzten Satz sagte er zu einem Mann, der in der Ecke saß. „Du warst ja krank.“

Klaus hat mich schon informiert. Und ich habe sogar eine Idee. Schaut mal.“ Damit reichte er ein Foto herum. „Das ist ein Stuhl, den ich letztes Jahr für meinen Enkel gemacht habe. Die Lehne ist ein Löwe, aber man kann ganz einfach ein anderes Tier darauf malen. Ich dachte, wenn alle, die mit der Stichsäge umgehen können, die Teile zusägen, könnten die anderen sie zusammensetzen und anmalen. Vielleicht kann ja der Bernd die Tiere vorzeichnen.“

Bernd ist Hobbymaler . Er hat das Bild über dem Stammtisch gemalt“ erklärte der Weihnachtsmann den Kindern. Die Kinder bestaunten das lebendige Bild von Männern, die kegelten.

Die Kegler murmelten beifällig. Sie waren von der Idee sehr angetan.

Es gab einige Vorschläge, die in die ebenfalls in die Richtung Kinderspielzeug gingen. Schließlich einigte man sich auf Stühle, Schaukelpferde und Kinderschaukeln, die vorne einen Tierkopf mit Griffen zum Festhalten hatten.

Und was mache ich meinen zwei linken Händen mit fünf Daumen?“, fragte ein Mann, der sich an der Diskussion kaum beteiligt hatte. „Dass ich nicht an eine Säge gehe, versteht sich von selbst. Aber wenn ich eure liebevoll ausgesägten Drache-,Tiger-, Pferde-, oder Was-auch-immer-Köpfe anmale, will bestimmt kein Kind mehr damit spielen. Und mit Lack sollte man mich auch nicht allein lassen. Ihr seid ja alles Handwerker, aber ich als Klavierlehrer, was kann ich denn da schon machen? Habt ihr nicht irgendeine Trottelarbeit für mich, damit ich mir nicht völlig nutzlos vorkomme?“

Ich wüsste da spontan gleich zwei Sachen“, sagte ein Mann. „Erstens muss alles Holz geschmirgelt werden“…

Lautes Gelächter unterbrach ihn und Sprüche wie: „Das mach gefälligst selbst, du Faulpelz!“

Der Mann lachte. „Man kann es ja mal versuchen. Aber wir alle brauchen hübsch gestaltete Kärtchen für die Sachen, wo Handarbeit und ungiftige Farbe und alles das Zeug drauf steht, was Eltern so wissen wollen. Das wäre doch ein guter Job für dich.“

Wir haben genug gesehen. Es gibt noch mehr“, sagte der Weihnachtmann und verließ mit den Kindern das Lokal.

Adventkalender für Kinder

Adventkalender für Kinder

Adventskalender 2012

Adventskalender 2012.

So hat alles angefangen: 1. Dezember

So hat alles angefangen:
1. Dezember

Adventkalender für Kinder: 2. Dezember

2-12-131. Oktober

Klara und Tomas fanden sich in einem großen Raum wieder. Um einen Tisch herum saßen 15 Männer und Frauen. Sie nahmen keine Notiz vom plötzlichen Auftauchen der Kinder. Der Weihnachtsmann trat zu ihnen.

„Sie können euch nicht sehen oder hören.“

„Wo sind wir hier?“, fragte Klara.

„In Winkelhausen, das ist ein kleiner Ort in der Nähe von Hannover“, antwortete der Weihnachtsmann. „Ihr seid bei der Gemeinderatsitzung am 1.Oktober dieses Jahres. Aber still jetzt und hört zu!“

Ein Mann am Kopfende des Tisches sah von einem Stapel Papier auf und sagte: „Wenn dann keiner mehr etwas hat, wären wir mit der heutigen Sitzung fertig.“

Ein anderer Mann hob den Kopf. „Ich hätte da noch etwas. Unsere Kirchengemeinde hat seit einigen Monaten diese Partnerschaft mit einer kleinen Stadt bei Tschernobyl. Der Ort ist nicht nahe genug am Reaktor, um allgemeine Aufmerksamkeit zu erhalten, aber er hat damals bei der Katastrophe genug Strahlung abbekommen. Es gibt eine Schule und eine Kinderklinik, die hauptsächlich krebskranke Kinder betreut. Beide sind erbärmlich schlecht ausgestattet. Unsere Gemeinde möchte zu ihren Gunsten einen Weihnachtsmarkt veranstalten. Wir dachten an den ersten Advent und bräuchten dafür eine Genehmigung.“

„Da sehe ich kein Problem“, sagte der Mann am Kopfende des Tisches. „Ist jemand anderer Ansicht?“

„Also grundsätzlich ist das ja eine gute Idee“; meldete sich ein anderer Mann zu Wort. „Aber ich hätte da noch etwas anzumerken.“

Der Vertreter der Kirchengemeinde seufzte. „Das hätte ich mir ja denken können. Was ist ihr Problem?“

Der andere Mann grinste spöttisch. „Ich finde, eine solche Aktion sollte man nicht nur euch Christen überlassen. Was, wenn auch ein paar Ungläubige wie ich zu Weihnachten etwas Gutes tun wollen? Wir sollten diesen Weihnachtsmarkt machen, und jeder, der möchte, kann mitmachen. Das ganze bewerben wir ein bisschen, sie wissen schon, Presse, regionales Fernsehen, lokaler Rundfunk, und schon haben wir eine gute Werbung für den ganzen Ort. Und wenn das ganze etwas größer wird, als sie es geplant haben, kommt auch mehr für ihre Kinder zusammen.“

Sogleich begannen alle, durcheinander zu reden.

„Die Frauen vom Patchwork-Club machen sicher mit“, sagte eine ältere Dame.

„Wir vom Kegelclub auch“, sagte ein junger Mann.

„Ich werde die Grundschulkinder einbinden“, sagte eine Frau. „Und den Direktor vom Internat spreche ich auch an.“

Es kamen noch einige  andere Vorschläge. Schließlich sagte der Mann vom Kopfende des Tisches: „Anscheinend sind wir uns da alle einig. Fürs Protokoll: Wir veranstalten am ersten Advent einen Weihnachtsmarkt zu Gunsten dieser Kinder bei Tschernobyl. Jeder ist aufgerufen, mitzumachen. Wir veröffentlichen das im Amtsblatt und geben es noch mal an die Vereine. Alles klar? Dann ist die heutige Sitzung beendet.

„Was passiert jetzt?“, wollte Thomas wissen. „Einiges“, antwortet der Weihnachtsmann.“Kommt mit, ich zeige es euch.“

So hat alles angefangen: 1. Dezember

So hat alles angefangen:
1. Dezember

Adventkalender 2012

Adventkalender 2012

Adventkalender für Kinder

Adventkalender für Kinder

Adventskalender 2013 : 1. Dezember

1-12-13Heiligabend

Es war Heiligabend. In der Familie Schuster wurde beschert. Der zehnjährige  Thomas packte das Geschenk seiner Großeltern aus. Die Schachtel war groß und schwer. Er wunderte sich. Was um alles in der Welt hatten die Großeltern denn in das Paket gesteckt? Er hatte sich Mario cart für den Nintendo gewünscht. Das war doch nicht so groß und schwer! Bestimmt hatte Oma ein paar Steine dazu gepackt, um ihn zu verwirren. Das Einwickelpapier fiel zu Boden, er hob den Deckel der Schachtel –  vor ihm lag eine kleine Lok. Sie war aus Holz, wunderschön geschnitzt und bunt bemalt. Dazu gab es einige Wagons, Bäume, Häuser und Schienen. Alles war bildschön gearbeitet – aber es war kein Nintendo-Spiel. Thomas packte Stück für Stück aus, vielleicht war das Spiel ja zuallerunterst. Aber da war nichts.

„Und? Gefällt dir dein Geschenk?“, fragte der Großvater mit leuchtenden Augen. „Wir haben sie auf einem ganz außergewöhnlichen Weihnachtsmarkt gefunden. Ein Mann in meinem Alter hat sie gemacht. Ich wünschte, du hättest sehen können, was es da alles gab.“

Thomas war wütend. Normalerweise wäre er begeistert gewesen, denn er liebte Eisenbahnen. Aber was war denn wohl der Sinn von Weihnachten, wenn man nicht mal das bekam, was man sich gewünscht hatte?!

„Nein“, sagte er. „Ich wollte Mario cart und keine dämliche Eisenbahn für Kleinkinder. Das da kannst du behalten.“

Die Großeltern sahen betroffen aus, Thomas Eltern waren entsetzt und Thomas wurde ins Bett geschickt.

Ein paar Straßen weiter wohnte Familie Schneider. Auch hier wurden Geschenke ausgepackt. Klara, ebenfalls zehn Jahre alt, packte das Geschenk von ihrer Tante aus. Aus dem Paket zog sie Puppenkleider. Einen Regenmantel mit Hut und Stiefeln aus kariertem Wachstuch, bunte Leggins, fetzige Jeans und, und, und. Eine komplette Garderobe lag am Ende vor ihr. Zuunterst lag noch eine weitere Schachtel im Paket. Aha, das war wohl die Barbie-Feenprinzessin, die sie sich gewünscht hatte. Aber was sollten denn bloß alle diese Kleider? Für eine Barbie waren sie viel zu groß. Eilig öffnete Klara die Schachtel – und zog eine Puppe heraus. Sie hatte ein gemaltes Gesicht, braune Haut und helle Haare. Sie sah völlig anders aus, als alle Puppen, die Klara je gesehen hatte.

„Ich war auf einem phantastischen Weihnachtsmarkt, da gab es alle diese schönen Kleider. Sie waren auf einer Puppe wie dieser hier ausgestellt, und da fiel mir meine alte Sasha-Puppe ein. Ich habe sie bekommen, da war ich so alt wie du. Sie war meine Lieblingspuppe, aber jetzt sollst Du sie haben.“

„Das ist aber keine Barbie-Feenprinzessin!“, schrie Klara. „Du kannst deine olle Puppe gern behalten.“ Damit warf sie die Puppe ihrer Tante vor die Füße.

Klara musste nicht ins Bett geschickt werden, sie ging von selber und sah nicht, wie ihre Tante die Puppe aufsammelte, ihr über das Haar strich und sie auf den Gabentisch setzte.

In der Nacht passierte etwas sehr Merkwürdiges. Sowohl bei Klara als auch bei Thomas stand plötzlich der Weihnachtsmann vor dem Bett, und zu beiden Kindern sagte er dasselbe:

„Du hast Menschen, die dir eine Freude machen wollten, verletzt und beleidigt. Du verdienst ein solches Geschenk gar nicht. Aber das Schlimmste ist, dass du nicht begriffen hast, was Weihnachten eigentlich bedeutet. Also muss ich dir das beibringen. Komm mit!

Adventkalender 2012

Adventkalender für Kinder

Adventskalender für Kinder

Adventkalender 2012Auch in diesem Jahr gibt es wieder eine fortlaufende Adventskalender-Geschichte auf meinem Blog, dieses Mal für etwas jüngere Kinder. Sie ist ein bisschen „Heile Welt“ und wurde für die Grundschulklasse meiner Töchter geschrieben. Im großen und ganzen geht es darum, dass  zwei verwöhnte Kinder, die liebevolle Arbeit und den damit verbundenen Wert nicht schätzen können, begreifen, dass es bei Weihnachten eben nicht um Geschenke geht, sondern um Liebe und um den Einsatz füreinander. Es ist die Geschichte eines Weihnachtsmarktes in einer kleinen Stadt, der am Ende alle Bewohner beschäftigt.

Wem das zu süß ist, mag gerne mal im Blog-Archiv nachschauen. Die Geschichte vom letzten Jahr, die für ältere Grundschulkinder gedacht ist, steht noch drin. Wer sie vorliest, sollte aber damit einverstanden sein, dass am Ende nach guter Pipi-Langstrumpf-Manier (vgl. Pipi und die Seeräuber) die Bösen sich mit Weihnachtschnaps abfüllen und dann gegenseitig verprügeln.

Am ersten Dezember geht es los.

Adventskalender für Kinder: 24.Dezember

Während also der Weihnachtsmann und der arme Arne es sich so gut es ging auf dem schimmeligen Stroh im engen Verlies bequem machten, liefen am Nordpol die Vorbereitungen für eine Rettung des Weihnachtsmannes auf höchsten Touren.

Eisbart hatte am späten Vormittag, als der kurze Polartag am hellsten war, mit dem alten Schlitten und den jungen Rentieren einen Erkundungsflug über die Trollgebiete gemacht. Bald war er auf den notgelandeten  Schlitten gestoßen und aus den Spuren, die er im Schnee sah, konnte er sich ohne allzu große Schwierigkeiten die Ereignisse aus der Sturmnacht zusammenreimen.

Zurück am Nordpol rief er die Wichtel zusammen.

„Wir werden den Weihnachtsmann befreien. Wir verwenden die gleichen Methoden, wie damals, als wir an den Nordpol geflohen sind und als wir den Weihnachtsmann bei den Menschen befreit haben. Was damals geklappt hat wird auch heute funktionieren.

Die wesentlichen Merkmale von Trollen sind ihre Gier und ihre Dummheit. Wir manchen also folgendes…“

Es war später Nachmittag, als eine Trollpatrouille  auf den Hundeschlitten stieß. Die Hunde bellten, und das Gebell verstärkte die Kopfschmerzen der verkaterten Trolle. Sie näherten sich dem Schlitten vorsichtig von hinten, und ihre schlechte Laune hob sich schlagartig, als sie sahen, was auf dem Schlitten war: Ein junges Wichtelmädchen und ein großes, hölzernes Fass. Das Fass enthielt zweifellos besten Wichtelschnaps, und mit dem Mädchen konnte man sicherlich eine Menge Spaß haben. Die Hunde bellten aufgeregt und das Mädchen drehte sich um. Sie stieß einen Angstschrei aus und ließ die Hunde losrennen. Beim Anfahren gab es einen Ruck, und das Fass fiel vom Schlitten. Die Hunde waren schnell und die Trolle zögerten. Lohnte sich eine Verfolgung? Die schmerzenden Köpfe und das Fass, das da so einladend im Schnee lag, entschieden die Frage. Sie nahmen das Fass und brachten es zur Festhalle. Auf die Idee, dass das Wichtelmädchen etwas mit den Gefangenen zu tun haben könnte, kamen sie nicht.

Svea kam zufrieden beim alten Rentierschlitten und den anderen Wichteln an. Der erste Teil des Plans war gut gelaufen. Das lose auf dem Schlitten befestigte Fass hatte sie leicht mit einem Fußtritt herunter befördert  und die Trolle hatten diesen Köder bereitwillig geschluckt. Zwei weitere Wichtel stiegen zu ihr auf den Hundeschlitten. Gemeinsam würden sie zu dem neuen Schlitten fahren, der in einiger Entfernung stand und nach den Rentieren suchen. Den Spuren nach hatten die Trolle sie nicht mitgenommen, also ging man davon aus, dass Arne sie in den Wald getrieben hatte, bevor man ihn und den Weihnachtsmann gefangen genommen hatte.

Die anderen Wichtel schlossen zu den beiden Kundschaftern auf, die den Trollen in sicherer Entfernung gefolgt waren. Das einzige Risiko an dem Plan war, dass die Patrouille möglicherweise das Fass alleine austrinken würde. Am Langhaus angekommen, erfuhren sie aber, dass es ganz brav abgeliefert worden war. Also begannen sie mit der Vorbereitung des zweiten Teils des Planes.

Im Langhaus diskutierten die Trolle, ob man den Schnaps trinken sollte. Ein alter Troll hatte nämlich Bedenken.

„Schnaps von den Wichteln ist gefährlich. Denkt nur daran, wie sie uns damals ausgetrickst habe, als sie verschwunden sind“, zeterte er.

Die anderen Trolle konnten sich aber nicht daran erinnern, es war viel zu lange her. Die meisten von ihnen hatten ja zu der Zeit nicht einmal gelebt. Also beschloss man, das Fass zu leeren und nicht auf den alten Troll zu hören.

Als das Gegröle lauter wurde, wussten die Wichtel, dass die Trolle sich über den Schnaps hergemacht hatten. Es wurde Zeit für den zweiten Teil der Befreiungsaktion.

Ein gewaltiger Knall ließ das Langhaus erbeben. Er scheuchte die Trolle aus ihrer weinseeligen  Feierlaune und weckte Arne und den Weihnachtsmann aus ihrem schmerzenden Schlaf. Draußen begann es zu zischen, pfeifen und zu heulen.

Das sind unsrer Leute“, flüsterte Arne. „Das ist Wichtelfeuerwerk.“ Er hätte genauso gut schreien können, bei dem Tumult, der draußen vor ihrer Tür einsetzte, achtete ohnehin keiner auf die Gefangenen. Plötzlich rüttelte es an ihrer Tür.

„Arne, seid ihr da drinnen?“ Es war Eisbarts Stimme. Sekunden später öffnete sich die Tür und sie waren frei. Arne konnte kaum laufen und auch der Weihnachtsmann musste gestützt werden. Trotzdem erreichten sie relativ schnell die Tür. Vor ihnen standen alle Trolle uns starrten mit offenen Mündern in den Himmel, an dem ein atemberaubendes Feuerwerk zu sehen war. Farbig Blumen und Schmetterlinge glühten in der dunklen Nacht und Raketen versprühten ihren Sternenregen.

Die Wichtel schlichen sich an der Wand entlang um das Haus herum. Als sie um die Ecke bogen, wurden Rauchbomben gezündet, damit man sie nicht sehen konnte. Eine überflüssige Maßnahme, denn die Trolle waren so gebannt von dem Schauspiel am Himmel, dass sie direkt vor ihnen  hätten vorbeispazieren können, ohne dass man sie bemerkt hätte. Die Flucht mit den beiden Schlitten war dann nur noch ein Kinderspiel. Svea lenkte den alten Schlitten mit Arne, den Wichteln,  den Hunden und dem Hundeschlitten zum Nordpol zurück und Eisbart brachte den Weihnachtmann mit den Geschenken einmal mehr zu den Menschen.

Ende

Allen meinen Lesern, die auch heute geduldig auf das Ende der Geschichte gewartet haben wünsche ich Frohe Weihnachten.