Weihnachtskleid Sew-Along 2016

Auf dem MMM-Blog wird wieder eine wunderbare Näh-Tradition gepflegt: Der Weihnachtskleid-Sew-Along, kurz WKSA jährt sich nun schon zum 5.Mal.

Zweimal war ich bislang auch schon dabei,

links das Kleid vom letzten Jahr, rechts das Kleid von 2013, das aber erst im Januar 2014 fertig wurde. Inzwischen ist Kleid 2013 in seine Bestandteile aufgelöst, in OP-Kittelgrün umgefärbt (sollte eigentlich petrol werden) und wartet darauf, noch eine Chance zu bekommen. Eigentlich sollte ich endlich kurzen Prozess damit machen, aber nach all der Zeit und kreativen Energie, die diese Teil schon verschlungen hat, weigere ich mich einfach, daraus ein TFT zu machen. Kleid 2015 habe ich eher selten getragen, irgendwie ist en für den Alltag doch etwas zu fein,, die Farbe ist auch nicht ideal für mich und mir fehlt die geeignete Jacke, um es warm genug zu machen. Zum Glück habe ich im Sommer ein passendes Tuch gestrickt, also kann dieses Kleid vielleicht doch noch öfter aus dem Schrank.

Dieses Jahr sollte ich gar nicht mitmachen, zu viele Projekte stehen noch bis Weihnachten an, aber ich habe eine Woche frei, und das macht mich leichtsinnig. Schnittmuster habe ich eine Menge zur Auswahl, und praktischerweise auch schon die entsprechenden Stoffe (vorgewaschen, yeah!).

dsc_0078Da wäre zunächst einmal 119A aus Burda 4/16. Würde ich mit langen Ärmeln versehen. Mir gefallen die vielen Schnittteile und der asymetrische Ausschnitt. Hier zeige ich die SW Version, in uni sieht man von den Teilungsnähten leider nichts. Der Stoff ist ein petrol-farbener Romanit von Stoff uns Stil.

dsc_0086dsc_0087Schnitt zwei ist 124B aus Burda 6/16. Die Langarmversion sieht allerdings ein bisschen wie ein Sack aus, das sollte einem vielleicht zu denken geben. Vermutlich braucht das Kleid den Gürtel, den ich dazu nähen würde. Der BW-Stoff wurde als Tischdecke verkauft, als Vorhang benutzt und warte nun , umgefärbt, darauf, eine neue Bestimmung zu bekommen. Er ist zwar etwas dicker, aber so locker gewebt, dass er für diesen Schnitt gehen sollte.dsc_0085Das hier ist mein Favorit, der Stoff, ein Bettlaken von IKEA war eine echter Fall von „Liebe auf den ersten Blick“. Er ist recht leicht, aber ein dunkelblaues Bettlaken zum doppeln liegt schon bereit. Ich würde die Stoffe miteinander versteppen, indem ich einige der Paisly-Strukturen umnähe, in der Hoffnung, dass sich nicht bei späteren Wäschen verzieht. Ein auswaschbarer Sprühkleber zum fixieren der Lagen liegt schon bereit. Das Kleid, 116B aus Burda 2/14 hat einen für meinen Geschmack etwas zu offenherzigen Ausschnitt, der dürfte noch 3-4cm nach oben wandern.

dsc_0088Und dann gibt es ja auch noch diesen schönen Stoff. Das Kleid von dem Vogue-Muster ist schon fest geplant, aber meine Familie hat mir von einer karierten Jacke abgeraten. Da ich ebenfalls schon eigene Zweifel hatte, höre ich besser auf sie und habe genug Stoff für ein weiteres Kleid.

colette-dahlia-08a-500x500Dahlia von Colette gefällt mir schon lange. Ich habe aber nicht vor, den Schnitt zu kaufen, meine erste Erfahrung mit Colette-Schnitten war eher nicht so positiv. Der Schnitt ist relativ einfach und müsste gut selber zu entwerfen sein. Im Zweifelsfalle nehme ich Old School Teacher von Ottobre und verändere ihn entsprechend.

Wer die Wahl hat, hat die Qual! Alle diese Kleider werden irgendwann genäht werden, nur welches zu Weihnachten getragen werden soll, steht noch nicht fest.

Auf dem MMM-Blog treffen sich die anderen Teilnehmerinnen des Sew-Alongs mit lauter tollen Schnitten. Wer weiß, vielleicht finde ich ja noch einen weiteren Schnitt zur Auswahl.

Wintermantel-Sew Along 2. Treffen Fortschritt?

Nein, von Fortschritten kann bei meiner Caban-Jacke eigentlich nicht die Rede sein. Ein Schnitt in den Finger hat mich zuerst erfolgreich von allen Arbeiten abgehalten und dann musste ich für eine Geburtstagsgeschenk fremdnähen. Außerdem habe ich mich ewig nicht zwischen Thinsulate und einer Klimamebran entscheiden können, um meinen Wollstoff, der mir irgendwie zu dünn für eine Winterjacke vorkommt, wärmetechnisch aufzurüsten.

Dann habe ich Karins Post aus dem Winterjacken- Sew Along 2015 noch einmal genauer gelesen und mir ist eine weitere Membran mit einer dünnen Wattierung ins Auge gefallen, die ich gerade eben bestellt habe. Ab Donnerstag nächster Woche habe ich durch geschicketes Tauschen mit einer Kollegin drei freie Tage, da ist Nachmittags, wenn es so früh dunkel wird, massenhaft Zeit zum Nähen.dsc_0070

Immerhin habe ich ein „Probemodell“ aus Baufolie gebastelt. Ich habe es ja nicht so mit Probeteilen, aber da ich bei diesem Schnitt von Anfang an Zweifel wegen der Größe hatte, habe ich alle Schnittteile bis auf die Besätze und Ärmel doppelt aus der Folie zugeschnitten und mit Maskiertape zusammengeklebt. Ich habe gleich von vorne herein an den Seitennähten je 3cm zugegeben, damit der um 3cm erweiterte Ärmel auch hineinpasst. So wie es aussieht, wird das nicht ganz reichen, also habe ich unmittelbar unter der Achsel 4cm im Ärmel zugegeben, die bis zum Saum auf 3cm auslaufen. In den Seitennähten werde ich die 4cm bis zur Taille auf 3cm auslaufen lassen. Außerdem bekommt der Rücken insgesamt 2cm in der Mittelnaht dazu, damit nichts an den Schulten spannt. An der Brust brauche ich nichts zuzugeben, den Brustumfang einer Größe 38, die ich auskopiert habe, erreiche ich ohnehin nicht.

Den Ärmel habe ich übrigens im Unterärmel erweitert. Dazu habe ich eine Parallele zum Fadenlauf durch die Ansatzmarkierung für die Seitennaht gezogen, an der Stelle das Schnittteil durchgeschnitten und einen Keil mit oben 4cm und unten 3cm Breite eingeklebt. Nach der Anprobe habe ich das Schnittteil nochmal gezeichnet, durch das Washi-Tape war mir das Ganze zu unübersichtlich.

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erweiterter Ärmel

Wenn meine Thermo-Einlage da ist, werde ich zuschneiden und dann den Wollstoff und die Einlage mit der Ovi an den Kanten zusammennähen. Versäubern ist zwar nicht nötig bei dem Velours, aber so halten die Stoffe zusammen und ich kann sie wie eine Lage verarbeiten.

Wie weit die anderen Teilnehmerinnen gekommen sind kann man hier nachlesen.

 

MMM am 26.10. Ich bin die, die gerne Rot trägt

Zu allererst möchte ich mich für das Interesse an meinem Beitrag von letzter Woche bedanken. Die Kommentare haben mir Stoff zum Nachdenken und auch Bestätigung geliefert. Ich habe festgestellt, dass mein Bedürfnis nach etwas schickerer Kleidung von meiner Tagesform abhängt: Bin ich fit, ausgeschlafen und nicht  gestresst, habe ich Lust, meinen inneren Zustand auch außen zu präsentieren. Dann fühle ich mich in meinen selbstgenähten Sachen wohl.

Wenn es mir nicht so gut geht, will ich mich am liebsten in Komfort-Kleidung verkriechen. Aber eigentlich sind das gerade die Momente, in denen eine schöne Verpackung den Tag leichter macht. Wenn einen das Spiegelbild nicht zusätzlich runterzieht, ist das immer ein Gewinn.burda-116-092015-2

Wenn es um Kleidung geht, dann stellt sich die Frage: Warum ziehe ich etwas an? Die Antwort ist äußerst simpel, dabei aber essentiell: Um nicht zu frieren! Für Menschen wie mich bedeutet das aber: Keine kurzen Ärmel im Winter, und wenn doch, dann muss das Kleid oder die Bluse auch mit einer Jacke darüber gut aussehen. Das Kleid von heute hat einen ziemlich weiten Ausschnitt, aber eine Jacke darüber wäre nicht schön (zumindest keine von meinen Jacken!) Also gab  es heute ein Tuch um den Hals.burda-116-092015-9  Das Kleid hat noch einen blauen Zwilling, bei dem habe ich den Ausschnitt weniger weit genäht, aber ich wollte Rot tragen. Als Kind habe ich mal in einem Buch über Farben gelesen, dass Rot mutig macht. Nicht dass ich heute besonders viel Mut gebraucht hätte, aber Rot hebt auch die Laune. Wenn ich Vorträge halten muss, trage ich gerne mein rotes Kostüm. Damit kann ich spielend leicht zwanzig Leuten , die eigentlich in ihrer Mittagspause oder zu Hause sein wollen, Sachen erzählen, die sie alle schon wissen, aber einmal im Jahr hören müssen. Das Rot versorgt mich mit ausreichend Selbstbewusstsein. Das wäre ein weiterer Aspekt, weshalb wir bestimmte Kleidungsstücke ansziehen: Manchmal schlüpft man nicht nur in ein Kostüm sondern man zieht sich Selbstbewusstsein und Professionalität an. Das liegt an der Rückkoppelung, die von unserem Gegenüber kommt. Wir sehen selbstbewusst und professionell aus, also hält uns auch unser Gegenüber dafür, und in der Folge verhalten wir uns auch so.

Und auch wenn wir alle diese Mechanismen kennen, funktionieren sie bei uns selber trotzdem ganz genau so. Wenn uns aus dem Spiegel ein strahlendes Gesicht mit rosigen Wangen entgegenlächelt, dann steigt die Laune, die beginnende Erkältung ist nicht mehr so schlimm und die kurze Nacht fällt auch nicht mehr so stark ins Gewicht. Der innere Mensch nähert sich dem äußeren an, die Frau,die ich bin wird zu der Frau, für die ich nähe.

Nicht desto trotz fehlen in meinem Schrank ein Haufen Kombinationskleidungsstücke zu den genähten Teilen, damit ich nicht immer nur eine Kombination tragen muss. Ich habe also meinen Brot-und-Butter Plan hervorgesucht, und werde ihn nach und nach abarbeiten.burda-116-092015-5

Beim MeMadeMittwoch präsentiert Petra nicht nur ein schickes und bequemes Outfit sondern verrät ihre Methode, wie sie Menschen mit Komplimenten zu ihrer Kleidung ein gutes Gefühl gibt.

Kleid: Burda 116-092015

 

Da schießen sie aus dem Boden

Heute bin ich zum ersten Mal nach langer Pause wieder ins Fitness-Studio gefahren, und schon wurde ich belohnt: Am Straßenrand waren die schönsten Fliegenpilze. Der Regen treibt sie aus dem Boden.

Auf dem Nachhauseweg habe ich dann angehalten und fotografiert:

Wie aus dem Märchenbuch!

Herbstjacken-Knit-Along

Ups, da habe ich doch echt den Termin für den 2. Zwischenstand verpasst. Zum Glück ist das Link-Tool noch offen.

Mit meiner Jacke bin ich nicht sehr viel weiter gekommen. Da ich kein Garn mehr mit der selben Farbpartie nachbekommen kann, habe ich mich entschlossen, das Bündchen unten aufzuribbeln und oben damit den Jacken-Körper (heißt das so? Egal, Ihr wisst, was gemeint ist) fertig zu stricken.

Am Wochenende vor zwei Wochen habe ich drei Tage auf der Bahn verbracht, dabei habe ich bis ans Ende der Wolle gestrickt. Dann wollte ich das Bündchen von unten auftrennen, so wie ich das auch Frau Lila und Gelb geraten habe. Tja, was soll ich sagen? Man sollte nur Tipps geben, die man selber ausprobiert hat. Man kann ein Strickzeug nicht von unten aus auftrennen. Schweinepeinlich, das! Ich habe also den Faden der  letzten Reihe des Bünchens an der Kante durchgeschnitten und dann den Faden herausgezogen, sehr zum Amüsement der Mitreisenden. Ich wollte natürlich den Faden nicht durchschneiden und habe am Ende gefühlte 3 Meter Garn durch die einzelnen Maschen gezogen und war über zwei Stunden damit beschäftigt.

3 cm Bündchen habe ich gleich aufgerollt und beiseite gelegt für die Knopfleisten und den Halsausschnitt, den Rest habe ich gleich wieder verstrickt. Ursprünglich hatte das Bündchen entsprechend der Anleitung 18 Maschen mehr. Die habe ich gleich einbehalten und obendrein auch noch jede 10. Masche abgenommen. Das dürfte ein Gewinn von zwei bis drei Reihen sein.zwischenstand-23-10Jetzt habe ich noch insgesamt 3 Knäuel für die Ärmel, die ich auch schmaler als vorgesehen stricken werde. Sollte davon noch etwas übrig bleiben, wird das Taillenbündchen etwas länger.

Nach diesem Wochenende auf der Bahn hatte ich Pech. Dienstag vor zwei Wochen habe ich erst Holz gehackt, dann im Garten gearbeitet und dann wollte ich noch schnell eine Kürbissuppe kochen. Bei dem steinharten Hokaido-Kürbis habe ich noch höllisch beim Schnippeln aufgepasst, bei den Möhren durfte der linke Zeigefinger (nicht schlimm, fast nur Haut) dran glauben . Inzwischen ist alles wieder angewachsen, aber mit einen dicken Fingerverband kann ich nicht so gut stricken. Hinreihen gehen ja noch, aber bei den linken Maschen lege ich mir den Faden immer mit dem Zeigefinger  vor die Nadel, und das war dann doch problematisch. Nächstes Wochenende habe ich wieder drei Tage Bahnfahrt vor mir, dann wird die Jacke sicher fertig.

Sylvia möchte heute wissen, wie wir unsere Stricksachen zusammennähen. Ich habe das immer klassisch mit normalen Rückstichen und dem Strickgarn gemacht, beim Heidi-Jäckchen habe ich , weil ich die Steeks ja schon mit der Nähmaschine abgesteppt hatte, die Nähte zum Teil auch mit der Maschine genäht.

Zu Teil habe ich aber auch zusammengehäkelt. Ich mache das aber etwas anders als Sylvia, die, wenn ich das richtig gesehen habe, nur eine Öse der Kett-Masche aufnimmt. Ich nehme beide Ösen auf, habe dann also 4 Schlaufen auf der Häkelnadel, oder ich häkele sogar noch weiter im Strickstück, also in der Masche nach der Randmasche eine Art Kettstich. Ich habe das Garn unter der Arbeit, hole eine Schlaufe hoch und ziehe sie durch die Masche, die ich auf der Häkelnadel habe. Ich habe leider kein Bild davon, weil man das kaum sehen kann. Der Vorteil dieser Methode ist, dass man eine elastische Naht erhält, die man mühelos aufziehen kann, wenn man das Strickstück wieder auftrennen will.

Bei Sylvia treffen sich seit einer Woche alle diejenigen, die den Termin nicht verschlafen haben.

MMM am 19.10.: Wer bin ich, und ist das die selbe Frau, für die ich auch nähe?

Heute trage ich eine Kombination, die ich so seit drei Jahren immer wieder trage. Die ich auch hier schon mehrfach gezeigt habe.  Die Frau von Welt umwickelt den zerschnittenen Finger dazu natürlich mit farblich passendem Fingerflex. Es sind immer die Kleinigkeiten!mmm-19-10-16

Der Rock (Norma aus Ottobre 5/2010) ist eins der echten „Bread and Butter“ -Teile, von denen ich immer noch nicht genug zu haben glaube. Aber stimmt das überhaupt? In letzter Zeit habe ich vermehrt Kaufkleidung getragen, irgendwie war mir die Auswahl bei den eigenen Sachen zu gering. Aber ich ertappte mich dabei, dass ich meine beiden mindestens fünf oder sechs Jahre alten Jeans in Dauerschleife mit immer den selben fünf oder sechs alten Shirts trug. Der Schrank ist voll, aber im Grunde beschränke ich mich auf 10 bis 12 Teile, die ich nicht einmal untereinander unterschiedlich kombiniere. Pulli A zu Rock 1, T-Shirt B zu Hose 2. Nicht wirklich kreativ. Kann ich auch mit den selbst genähten Sachen haben. So wie heute. Bekannt, vertraut, sicher.

Natürlich gibt es auch objektive Gründe für diese Art der Beschränkung. Ich habe viele Einzelstücke, und wenige „Allrounder“, Ober- und Unterteile, die zu allem im Schrank passen. Auf meiner Nähliste stehen viele „missing links“, aber seit Monaten komme ich nicht zum Nähen. Ich bin frustriert.

Trotzdem erklärt das nicht meine merkwürdige Abneigung, selber genähtes zu tragen. Vielleicht sind die neuen Sachen zu formell, nicht ganz so bequem oder kuschelig wie die alten. Früher habe ich grundsätzlich Komfort dem Chic vorgezogen. Fleece-Pulli statt Bluse oder T-Shirt und Strickjacke.  Aber eigentlich passt das nicht mehr zu meiner Selbstwahrnehmung. Trotzdem fühlen sich die neuen Kleider fremd an. Möglicherweise deshalb, weil sie genau das sind: Kleider. In denen man sich auch ein bisschen zurecht gemacht fühlt. Etwas, dass mir das Gefühl von „Aufwand betreiben“ gibt, obwohl es objektiv genau so viel Aufwand bedeutet, in eine Strumpfhose zu schlüpfen und ein Kleid überzustülpen, wie eine Jeans  und einen Pulli anzuziehen. Im Gegenteil, denn für letzteres braucht man ja noch extra Strümpfe. Bin ich wohlmöglich doch der „Jeans-und-Fleece-Pulli“-Typ? Benähe ich die Frau, die ich gerne wäre an Stelle der Frau, die ich bin? Un wenn ja, warum?

Ich frage mich, ob das anderen auch so geht. Hat sich Euer Stil geändert, seit Ihr selber näht? Oder Eure Selbstwahrnehmung? Für wen näht Ihr? Für die Frau, die Ihr immer wart oder für die, die Ihr gerne währt? Und wie wohl fühlt Ihr Euch dann in Eurer selbstgenähten Kleidung?

Am heutigen MeMade Mittwoch stellen viele Frauen ihre selbstgenähte Kleidung vor. Vielleicht stellt sich die eine oder andere die selben Fragen leise oder auch laut.

Wintermantel-Sew-Along 2016 Teil 2 Stoff- und Schnittauswahl

Es gibt beim MeMadeMittwoch wieder einen Wintermantel-Sew-Along. Dieses Jahr sind Nina und Karin unsere freundlichen Gastgeberinnen. Und ich klinke mich als Quereinsteigerin ein, um endlich eine neue Winterjacke zu nähen.

Es ist kaum zu fassen, wie viele Anläufe ich schon genommen habe, um meine alte Jacke zu ersetzen.

alte Cabanjacke

alte Cabanjacke

Das hier ist, glaube ich, der dritte. Beim Herbstjacken-Sew-Along 2014 war ich schon mit diesem Stoff und diesem Schnitt am Start. Damals hatte ich den Stoff bereits seit 2 Jahren im Lager.

Stoffauswahl Wintermantel

Stoff- und Schnitt-Auswahl 2014

In all der Zeit haben sich meine Schnittvorlieben nicht wirklich geändert, und alle die neuen Schnitte, die in der letzten Zeit auf den Markt gekommen sind, konnten mich nicht wirklich reizen.

Das erste Treffen für das Wintermantel-S-A habe ich verpasst, aber da der Stoff feststand und der Schnitt eigentlich ja auch, zeige ich meine diesjährige Entscheidung.auswahl-der-schnitmusterGewonnen hat Burda 104-09-2015, die Caban-Jacke oben links. Der große Kragen, der mir vor 2 Jahren bei einem ähnlichen Modell in der Ottobre nicht gefiel, war dieses Mal Grund für die Entscheidung, außerdem der schmale Schnitt, die doppelte Knopfreihe und, im vergleich zu Modell daneben, der höher geschlossenen Ausschnitt. Im Winter habe ich es nicht so gerne so weit offen. Knackpunkt an diesem Schnitt ist allerdings, dass der wohlmöglich etwas zu schmal ist. Ich habe also sicherheitshalber nachgemessen. In der  Größe 38, die ich nähen will, sind die Ärmel auf Höhe der Achseln ca. 35cm weit, da müssen noch 2-3 cm dazu.  Ich werde diese Zentimeter einfach in der unteren Mitte des Ärmels zugeben und, damit das Armloch passt, ebenfalls in den Seitennähten.  Dadurch gewinne ich insgesamt 4-6cm in der Gesamtweite, das kann die Jacke gut vertragen. Wenn es mir zu viel sein sollte, kann ich immer noch an den Seitennähten unterhalb der Brust etwas herausnehmen.

Mein Stoff ist ein roter Woll-Velours vom holländischen Stoffmarkt. Das Futter stammt ebenfalls von da. Ich habe noch schwarzes Steppfutter, das hoffentlich kein Michelin-Männchen aus mir machen wird und überlege,ansonsten alternativ eine Thermo-Membrane oder Thinsulate mit dem Velours doppelagig zu verarbeiten. Die Jacke soll ja wirklich warm werden.

Die anderen Teilnehmerinnen haben sich jetzt auch entschieden und sind zum Teil schon ganz schön weit mit iheren Mänteln. Sie treffen sich zum zweiten Mal auf dem MMM-Blog.

Ach ja, und dann gibt es ja noch die Frage mit der Einlage (sag, wie hältst Du’s mit der Religion). Eine echte Gretchenfrage, das stimmt. Ich bebügele immer alles, was im Schnitt angegeben ist, und im Zweifel sogar noch etwas mehr, also Vorderteil, Hals- und Arm-Ausschnitte, Saumkanten, Kragen…,bei langen Mänteln oder schweren Stoffen sogar den halben Rücken. Ich nehme dafür die Vlieseline mit diagonalen Vertärkungsfäden, die ist leicht, macht den Stoff nicht steif aber stabil. Damit mein Bügelbrett nicht verklebt, schneide ich die Einlage etwas kleiner zu, als den Stoff, aber auf jeden Fall über die Naht hinaus. Und im Ernstfall lege ich Backpapier unter und oben drauf, dann gleitet das Bügeleisen besser und es gibt keine Schweinerei.

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Eine neue Rabatte für den Garten

Unser Garten hat eine sehr vernachlässigte Staudenrabatte, die dringend eine koplette Runderneuerung braucht. Seit zwei Jahren schon sage ich mir immer wieder: „Diese Rabatte mussgejätet werden“. Aber wie das so mit guten Vorsätzen ist, sie scheitern meist an Notwendigkeiten wie Essen kochen, Wäsche waschen, Gemüsegarten pflegen.

Dass ich jetzt die Zeit dazu finde, verdanke ich meinem Miss Marple. Also eingentlich meinem Magen, der mich im Sommerurlaub so derart ausgeknockt hat, dass ich nur auf der Couch sitzen und Videos schauen konnte. Unter anderem 22 Stunden Miss Marple von der BBC. In einer Folge sagt sie: „…Das ist wie mit Unkraut im Garten. Wenn man eine Ecke stehen lässt, muss man am Ende das ganze Beet umgraben.“ Dieser Satzt hat direkt zu mir gesprochen und sich mit kleinen Widerhaken in meinem Bewusstsein festgekrallt. grosse-staudenrabatte-4Von weitem betrachtet, sieht es ja nicht ganz so schlimm aus, aber aus der Nähe…grosse-staudenrabatte-5…sieht man das ganze Elend! Ungepflegt, und die Tatsache, dass  nicht allzuviel Unkraut wächst, liegt nicht etwa an sporadischem Jäten, sondern vielmehr an einem totalen Mangel an Wasser und Dünger!

Jetzt habe ich eine Woche Urlaub, den, der im Sommer wegen Krankheit weggefallen ist, und ich habe mit der Rabatte angefangen. Am letzten Wochenende waren wir schon in der Karl-Foerster-Staudengärtnerei und haben einige Stauden gekauft. Am liebsten hätte ich ja gleich den Spaten genommen und losgegraben, aber nur ein Idiot wütet planlos mit dem Spaten in einem bestehenden Beet. Alle andern beginnen mit einem Plan. („Allways remember that plan comes before work in the dictionary, and for good reason“ wie ich einmal in einem Kalender las)staudenrabatte-ist-zustandIch verbrachte also einen schönen Vormittag mit einer Bestandsaufnahme und dann damit, einen neuen Plan für die Rabatte zu zeichnen, wobei die neuen Stauden noch nicht verteilt sind und ebenfalls noch nicht eingezeichnet ist, welche Staude umziehen darf. staudenrabatte-planIn den 14 Jahren seit Anlage der Rabatte hat sich die Licht/Schatten-Situation geändert, der Apfelbaum wirft einen deutlichen Schatten (rosa eingefärbt). Ursprünglich bestand die Rabatte aus zwei gewundenen Beeten, mit einem Weg dazwischen. Er sollte dazu verleiten, zwischen den Beeten herumzuwandeln. Der Weg wurde so gut wie nie begangen und die Taglilien haben ihn fast zur Gänze übewuchert. Zwei Rosen haben das Zeitliche gesegnet, zwei stehen inzwischen im Schatten und werden von der Kletterrose Bobbie James bedrängt. Die werden auf den ehemaligen Weg bzw. in den neu umzugrabenden Bereich umziehen. Die Haselnuss-Stäucher am Ende der Rabatte sind auch gewachsen und versperren den Durchgang, daher wird die neue Rabatte ein Stück kürzer werden. Die neuen Grenzen sind rot eingezeichnet.grosse-staudenrabatte-2Unverändert bleibt die Ecke mit dem Brunnen (vorne bis zur inzwischen rotlaubigen Pfingstrose) Hier, direkt an der Terrasse, an meinem Lieblings-Sitzplatz, habe ich immer wieder Unkraut gezupft, das sieht gut aus.

Übermäßig weit bin ich noch nicht gekommen:grosse-staudenrabatte-6Der Gartenschlauch dient als Markierung der neuen Beetgrenzen und ich habe auch schon etwas Rasen abgestochen und links gelagert, die Soden sollen die Beetstreifen, die wegfallen, gleich mit neuem Rasen bedecken. Man kann in der Mitte ein Loch erkennen, der heutige Regen soll die Lehmerde unter der Mutterbodenschicht aufweichen, damit ich die Rose „Schneewittchen“ dorthin umsiedeln kann.

Heute Morgen kam ich nicht so in die Gänge, und als ich schließlich ausgebummelt hatte, kam der Regen. Und obwohl ich nicht so die Deko-Liesel bin, zeige ich heute mal den Türkranz, den ich an Stelle des Staudenbeetes aufgehübscht habe. Den Kranz und die Herzchen habe ich aus meiner ersten Weidenernte geflochten.herbst-tuerdeko-2Ich hoffe, er lebt länger als sein Vorgänger, der wurde vor ein paar Jahren zu Halloween von der Dorfjugend angezündet, wir waren an dem Abend nicht da…
Ein mieser Steich, zu der Zeit hatten wir noch einen Weidenbogen um die Tür, der leicht hätte Feuer fangen können. Besser nicht dran denken! Aber ich habe eine Deko vermisst und will mich jetzt beim Heimkommen freuen.

Herbstjacken- Strick-Along 1. Zwischenstand

Gestern wurde zum ersten Zwischenstand im Herbstjacken-Stricken aufgerufen. Mein Beitrag dazu kommt erst heute, gestern war viel zu tun.

1-zwischenstandBis ich anfing, die anderen Strickerinnen zu besuchen, fand ich, dass ich ganz gut was geschafft hätte. Jetzt kommt mir das nicht so vor. Allerding sieht man hier beide Vorderteile und das Rückenteil zusammengestrickt. Ich habe ein sehr mulmiges Gefühl, was die Wolle angeht. Von den vorhandenen 7 Knäuel Wolle habe ich vor zwei Reihen das 4. angefangen. Und ich bin gerade einmal 1cm vor den Ärmelausschnitten. Obwohl die Jacke einen V-Ausschnitt bekommt, habe ich schwere Bedenken, dass ich auskomme. Drops gibt sowohl für Größe S (meine Größe) als auch M 350g Wolle von dieser Qualität an, aber ich sehe mich schon das Bündchen von unten auftrennen, um oben den Körper fertig zu stellen. Vermutlich werde ich erst einmal das 4. Knäuel alle stricken und dann die Ärmel machen. Dann sehe ich ja, was noch übrig bleibt. Eine Knopfleiste muss auch noch dabei herausspringen, denn die angstrickte aus der Anleitung gefällt mir nicht.Ich glaube ohnehin nicht, dass es ein großer Verlust ist, wenn ich das Bündchen etwas kürzer mache, im Gegenteil, ich bin nicht so sicher, ob es mir so breit überhaupt gefällt.

Eben habe ich noch einmal auf der Seite von Drops nachgesehen, und siehe da, die Original Baumwollw „Safran“ hat 40m mehr auf dem Knäuel als meine Recycling-Baumwolle. Verflixt! Warum geben  die denn nicht in der Anleitung die Lauflänge an sondern nur die Garngruppe?! Ich bin sehr gespannt, wie lang meine Ärmel am Ende werden!

Sylvia hat Fragen an uns zum Thema Stricken. Ich mag so etwas immer gerne lesen, also sind hier meine Antworten.

1. Wie lange strickst du schon ?
Ich habe keine Ahnung, ich glaube, ich habe es mit 12 oder so gelernt.
2. Wer hat dir das Stricken beigebracht ?
Ich habe das Stricken aus einem Buch gelernt. Ich äußerte wohl den Wunsch, es zu lernen, da gab mir meine Mutter dieses Heft.stricken-lernen-kollageIch versagte schon beim Anschlagen der Maschen und geriet mit meiner Mutter in Streit darüber. Vermutlich nörgelte ich herum und sie verlor die Geduld. Ich zog mich wutschnaubend in den Fahrradschuppen im Garten zurück, entschlossen, diese Kunst zu beherrschen oder beim Versuch dazu zu sterben. Nach einer halben Stunde kam ich triumphierend mit der ersten gestrickten Reihe heraus. Das war vermutlich der Beginn des „Praktische-Fertigkeiten-aus-Büchern-Lernens“, das ich seither mache.
In den 80-er Jahren habe ich viel gestrickt, besonders in der Schule durften wir das bei den meisten Lehrern, so lange wir dem Unterricht folgen konnten. Später fand ich nähen interssanter, weil schneller, und der Strick-Boom hörte auch auf. Selbstgestricktes war nicht mehr in Mode. Wieder angefangen habe ich, als die Kinder kamen, aber sie wuchsen schneller, als ihre Socken oder ähnliches, und für mich stricke ich, wenn man mal von Handschuhen absieht, erst seit zwei oder drei  Jahren wieder.
3. Kannst du dich an dein erstes Strickstück erinnern und was war es ?
Als ersten strickte ich eine Hose und einen Pulli für eine selbstgenähte Puppe.
4. Wie alt ist das älteste Strickstück, welches du noch besitzt? Hast du ein Foto davon?
Das älteste noch existierende Strickstück sind diese Handschuhe, die ich 1986 auf einer Klassenfahrt strickte.altestes-strickstuck Inzwischen sind sie aber zu Schuhputzlappen herabdegradiert worden. Wie man sehen kann, sind die Herzchen mit unterschiedlicher Wolle gestrickt, denn auf der Reise hatte ich die weiße Wolle vergessen und eine Klassenkammeradin half mir aus.
Der Pulli auf dem Foto entstand 1984, den gibt es aber nicht mehr. der-erste-pulliIch habe ihn in einem verregneten Dänemark-Urlaub gestrickt. Mein Vater las uns den geammten Herrn der Ringe vor und wir Frauen der Familie stickten dazu. Damit ist die Frage   5. Wird bei dir in der Familie gestrickt ? auch schon beantwortet. Meine Mutter und meine Schwestern stricken/strickten, aber meine Kinder nicht.
6. Strickst du nur für dich oder auch für Andere ?
Nein, ich schaffe es ja nicht einmal alles zu stricke, das ich gerne haben möchte.
7.Wie reagiert deine Umgebung auf dein Hobby ?
Ich stricke überall, wo ich Wartezeiten habe, beim Arzt, in der Bahn, auch schon mal beim Anstehen vor dem Museum (lohnt sich!). Außer dem einen oder anderen neugierigen Blick, reagiert kaum jemand darauf. Den meisten ist es egal.
8. Hast du Lieblingswolle oder Lieblingsnadeln ?
Ich habe das Woll-Lager meiner Mutter geerbt, als sie aufgehört hat zu stricken, dazu noch Wolle von meiner Schwester, und ein paar Reste von mir. Die muss ich erst einmal aufbrauchen. Wenn ich Wolle kaufe, dann inzwischen meistens bei Lanade.
Allerdings hat bei uns in der Nähe ein Lädchen für Alpaka-Sachen aufgemacht, und dort gibt wunderschöne, superweiche Alpaka-Wolle, die ich gerne einmal verstricken möchte.
Ich stricke am liebsten mit den einfachen Rundstricknadeln aus beschichtetem Aluminium die ich habe. Nur für mein Lace-Tuch waren sie zu dick an der Spitze, da habe ich das erste Mal Knit-Pro-Nadeln gekauft ( mit der Option, sie noch anspitzen zu können). Diese Nadeln sind toll, und ich finde es besonder schick, auf einem zusätzlichen Seil Teile des Strickstückes stilllegen zu können, ohne hinterher mühsam die Maschen irgendwo herunter zu pulen.
Die anderen, die Herbstjacken stricken und Fragen beantworten, treffen sich heute bei Sylvia – Frauenoberbekleidung.

Sommerpost: Making of Paradies Teil 2: Linoldruck , Stempeln und Milchtütendruck

In meinem zweiten Teil des Making Of Paradies geht es im Grunde genommen um ein einziges Druckverfahren: den Hochdruck.

Man schneidet aus einer Druckplatte ein Motiv, wobei man die Stellen, die auf dem Papier weiß bleiben sollen, entfernt. Beim Milchtütendruck werden dabei die Vertiefungen nicht geschnitten, sondern geprägt.

Linoldruck auf Papier habe ich das letzte Mal vor über 35 Jahren in der Schule gemacht. Der Kampf mit den harten, übel riechenden Platten ist mir so gut im Gedächtnis geblieben, dass ich lange Zeit nichts davon wissen wollte. Dann aber wollte ich einen Rock mit Ginkgo-Blättern bedrucken, und entdeckte modernes „Soft-Linoleum“. Dieses Material hat nichts mit Fußbodenbelägen zu tun und lässt sich kinderleicht bearbeiten. Ideal für ein kompliziertes Motiv wie ein Paradiesvogel.pardiesvogelentwuerfeHabe ich bereits erwähnt, das Zeichnen auch nicht gerade zu meinen Talenten gehört? Der Paradiesvogel im linken Bild ist mehr oder weniger zoologisch korrekt aus dem Grzimek abgemalt, als Linoldruck-Vorlage eher ungeeignet. Der Vogel rechts im Bild stammt aus dem Malbuch „Mein verzauberter Garten“ von Johanna Basford. Er gefiel mir besser und war die perfekte Linoldruck-Vorlage. Das ist vielleicht nur Kunsthandwerk, aber zwischen „Kunst“ und „Kunsthandwerk“ differenzieren ohnehin nur die Deutschen.linoldruck-und-stempelschnitzenLinks im Bild sind auch die ersten Stempel aus Stempelgummi, die ich für die Blumenkollage verwendet habe. linolschnitt-testabzugDie ersten Probeabzüge: Ins Buch hat es das freundliche Schwarz geschafft.paradiesvogel

Bevor ich die Seiten für die Paradiesbücher gedruckt habe, habe ich die Milchtütendrucke gemacht. Diese Drucktechnik macht echt Spaß. Es geht schnell und ist echt simpel. Vorlage mit Butterbrotpapier durchzeichnen, spiegelverkehrt mit dem Kuli auf den Milchkarton ( in meinem Fall Pizzatomaten, besseres Format) durchdrücken, fertig. Dann den Karton großzügig mit Linoldruckfarbe einfärben, auf das Papier legen, mit der Kuchenrolle ein paar Mal drüberrollen, und schwuppdiwupp sind 20 gute Wegweiser ins Paradies fertig. wegweiserIch habe eine hohe Anzahl gedruckt, denn Linoldruck und auch der Milchkartondruck sind Risikodrucke. Wobei das Risiko, einen Linoldruck zu verderben, viel höher ist. Ich wollte keinesfalls einen gelungenen Abzug von dem Paradiesvogel mit einem schlechten Milchtütendruck verderben. Beim Stempeln und Druck mit Pflanzen kann man nicht viel falsch machen, daher kamen diese Drucke als letztes dran.

Stempel schneiden aus Stempelgummi ist kinderleicht. Und weil das Material mit 7mm auch recht dick ist, braucht man kleine Stempel nicht einmal auf ein Stück Holz als Träger zu kleben, man kann sie gut mit den Fingern greifen. Wer öfters Stempel schneiden will, sollte aber über gutes Linolschnitt-Werkzeug nachdenken. Das einfache Messer-Set, das ihr oben auf dem Bild seht, stammt aus dem Bastelgeschäft und ist nicht wirklich scharf. Ich habe es mit einem Schleifstein ein bisschen nachgeschärft, aber zumindest für die beiden Klingen, die ich am häufigsten benutzt habe, werde ich wohl in gute Messer investieren. Man kann sie einzeln kaufen, und obwohl sie teurer sind als das ganze Set, ist es vermutlich eine gute Investition, denn diese Messer kann man schärfen (lassen) und dann halten sie sehr lange.tomaten-und-aepfelAuf dieser Doppelseite sind gleich zwei Sorten Paradiesäpfel zu finden.

Die Tomaten sind mit einem Korken gestempelt, das Blatt ist von einer Tomate (wenn schon, denn schon) und die Stiele sind nachträglich dazugemalt. Die Äpfelchen wollte ich ursprünglich mit echten Äpfeln vom Juni-Fruchtfall stempeln, die wurden aber gar nicht schön, daher habe ich einen Stempel geschnitten. Eingefärbt wurde mit roter und gelber Linoldruck-Farbe.

feigenblatt-stempelFeigenblätter, oben links und unten rechts mit dem einfachen Stempelkissen gestempelt, oben rechts und unten links mit Linolfarbe. paradiesgartenHier habe ich bunte Stempelkissen mit Wasserfarben aufgefrischt und die Stängel mit dem Fasermaler gezeichnet.

Als letztes kommen noch die Umschläge:

paradies-briefumschlaege

Die schönsten Stempel liefert uns Mutter Natur. Die feine Äderung eines Salbei-Blattes oder eine filigrane Grasrispe kann man nicht schnitzen. Je fluffiger das Pflanzenmaterial ist, desto gründlicher muss es von allen Seiten mit Farbe berollt werden, denn sonst drehen sich die Blätter auf die ungefärbte Seite und der Druck wird nichts. Ich lege alle Blätter, die ich drucken will, komplett auf das Papier, decke dann alles mit einem sauberen Gefrierbeutel ab und steiche ein paar Mal darüber, um einen guten Abdruck zu erhalten. Dann werden die Blätter herunter gepult und der Druck ist fertig.  Auch diese Technik lässt sich gut auf Textilien anwenden.

Leider habe ich keinen der fertigen Umschläge fotografiert, daher kann man nicht sehen, dass ich beim Drucken ein Rechteck mit einem Steifen Haftnotizzettel maskiert habe (rechter Umschlag), um dann noch einmal das „Paradies“-Schild von dem oberen Foto hineinzustempeln. Mit dem Fasermaler habe ich noch einen Stiel gemacht, auf dem das ganze steht.

Mir hat die Sommerpost viel Spaß gemacht, auch wenn ich den damit verbundenen Zeitaufwand komplett unterschätzt habe. Dass ich vierzehn Tage lang in jeder freien Minute mit schnitzen, Stempeln und Drucken beschäftigt sein würde, hätte ich mir nicht träumen lassen. Den Frauen aus meiner Gruppe ist es ähnlich ergangen, aber ich fühle mich durch die wunderschönen Blätter, die ich erhalten habe, mehr als entschädigt für meine Mühen, vielmehr fühle ich mich reich beschenkt. Wenn die Erntezeit vorbei ist, der Garten im Winterschlaf liegt und meine Garderobe wieder aufgestockt ist, habe ich sicherlich auch die Muße, endlich mein eigenes Buch vom Paradies zu binden.

Alle anderen Beiträge zur Sommerpost sind hier zu finden. Und noch einmal danke an Tabea und Michaela für die Organisation dieser Aktion.

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