Weihnachtsmarkt in Winkelhausen: 6. Dezember

6-12-1315. Oktober

„Wo sind wir denn jetzt gelandet?“, fragte Thomas.

Beide Kinder sahen sich in einem Zimmer um. Kleidungsstücke lagen auf dem Fußboden, neben dem Bett lag ein Stapel Computerzeitschriften und an der Wand klebte ein Fußball-Poster. Es waren drei Jungen, so um die 15-16 Jahre, in dem Zimmer. Einer lag auf dem Bett und blätterte in einer der Computerzeitschriften, einer lümmelte sich in einem Sessel herum und der dritte saß an einem Schreibtisch und tippte auf einer Computertastatur.

Auf einmal rief der Junge am Computer: „Yes! Isch bin drin!“

Sogleich kam Leben in den Jungen auf dem Stuhl. „Im Ernst? Hast du die Kindersicherung geknackt?“

„Jawoll! Ich bin der Superhacker! Soll ich mal „Heiße Miezen“ in die Google-Bildersuche eingeben?“

„Mensch Max, lass den Mist!“, rief jetzt der Junge auf dem Bett. „Wenn meine Eltern das ‚raus kriegen, dann hat es sich ausgehackt für uns.“

„Deine Eltern sind nicht da“, sagte der mit Max angesprochene.

„Aber Carolin, und die ist die größte Petze unter der Sonne. Sie müsste sowieso gleich hier auftauchen, wenn sie nicht schon längst am Schlüsselloch lauscht.“

„Ich finde es ohnehin eine Zumutung, dass wir auf sie aufpassen müssen. Wir sind eine Hacker-Zelle und kein Babysitter-Verein“, erklärte Max.

„Wenn wir nicht auf sie aufpassen, dürfen wir uns nicht hier treffen. Meine Mutter hat sich da ganz klar ausgedrückt. He, Kevin, was machst du da?“

Der Junge aus dem Sessel hatte sich leise an die Tür herangepirscht. Jetzt riss er sie mit einem Ruck auf. Ein kleines Mädchen segelte in das Zimmer hinein und landete unsanft auf dem Fußboden. Sie schien um die sechs Jahre alt zu sein. Sie verzog das Gesicht und fing an zu weinen. „Das sag ich alles Mama!“

Kevin sah sie spöttisch an und sagte völlig ungerührt: „Nein, tust du nicht. Denn dann müsstest du auch sagen, dass du am Schlüsselloch gelauscht hast. Ganz schön dämlich übrigens, sich dabei an der Türklinke festzuhalten. Dabei kann man böse Unfälle erleben.“

Die Kleine schniefte weiter. Ihr Bruder ging zu ihr und hob sie vom Boden auf. „Kevin hat vollkommen recht, du bist selber schuld. Hast du dir weh getan?“

Anscheinend war alles in Ordnung mit ihr. Auf die Frage, was sie denn von den Jungs wollte, druckste sie ein wenig herum. „Mama hat gesagt, du sollst uns in Ruhe lassen. Sie hat dir extra erlaubt, ein Computerspiel zu spielen. Also, was ist denn so wichtig?“

„Ich komme bei Shrek nicht weiter. Ihr seid doch so tolle Computerfreaks, könnt ihr mir nicht helfen?“ Sie guckte die Jungen mit großen Augen von unten herauf an.

„Süße, dein Charme verfängt bei uns nicht“, sagte Max. „Und gegen deinen „Littlest-Pet-Shop-Blick“ bin ich immun. Ich habe auch eine kleine Schwester. Mit deinem Shrek-Spiel musst du alleine klarkommen. Gemogelt wird nicht.“

„Das sagst du nur, weil ihr das nicht könnt. Ihr seid gar keine Hacker!“

„Sind wir wohl!“

„Ach ja? Und wo ist dann das Computerspiel, das Peter mir zum Geburtstag versprochen hat? Da warte ich schon seit dem Sommer darauf! Ihr könnt gar nichts.“

„Zufällig arbeiten wir gerade an einem Computerspiel für den Weihnachtsmarkt, Fräulein „Ich-weiß-ja-so-gut-Bescheid“. Ich wette mit dir, dass wir das bis dahin fertig bekommen.“

„O.K. Wenn ihr gewinnt, lasse ich euch in Zukunft in Ruhe und erzähle niemandem, was ihr macht. Wenn ich gewinne, müsst ihr mir immer mit den Computerspielen helfen.“

Und Carolin und Max besiegelten die Wette mit einem Handschlag.

Als Carolin das Zimmer verlassen hatte, sah Peter seinen Freund entgeistert an.

„Sag mal Max, bist du eigentlich von allen guten Geistern verlassen? Computerspiel für den Weihnachtsmarkt. Wie kommst du denn auf so etwas?“

„Ich musste deiner neunmal klugen Schwester doch den Mund stopfen.“

„Weißt du eigentlich, wie kompliziert es ist, ein Computerspiel zu entwerfen? Ich beiße mir schon seit dem Sommer daran die Zähne aus. Und wir haben noch nicht mal eine Spielidee. Und überhaupt, Weihnachtsmarkt. Was soll man denn da mit einem Computerspiel.“

Jetzt mischte Kevin sich ein. „Meckern nützt jetzt auch nicht. Wir hängen alle mit drin. Wenn wir deine kleine Schwester nicht bis in alle Ewigkeit am Hals haben wollen, müssen wir liefern. Und sei ehrlich. Besonders intensiv hast du ja nicht an deinem Spiel gearbeitet.

Außerdem ist die Idee mit dem Weihnachtsmarkt gar nicht so dumm. Meine Mutter liegt mir andauernd in den Ohren, dass ich nicht nur am Computer sitzen, sondern auch mal was Soziales tun soll. Mit dem Spiel schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe. Wir brennen es auf eine CD und verkaufen es für den guten Zweck.“

„Genau“, sagte Max. „Kann man dein Spiel, also das, was du schon geschafft hast, nicht weiter verwenden, wenn man die Grafik etwas weihnachtlich aufpeppt?“

„Welche Grafik? Ich hatte die Idee, dass kleine Männchen Äpfel aufsammeln und in einen Korb packen. Ich kann gerade mal ein Strichmännchen über den Bildschirm bewegen.“

„Das ist doch super. Aus den Männchen machen wir Wichtel und aus den Äpfeln machen wir bunte Pakete, die der Weihnachtsmann vom Schlitten verloren hat. Das Ganze wird auf Zeit gespielt, damit alle Kinder zu Weihnachten Geschenke bekommen. Niedlich und gewaltfrei.“

„Genau“, sagte Kevin. „Und sie müssen nicht nur einfach aufsammeln, sondern im verschneiten Wald suchen.“

„Sonst noch ’nen Wunsch? Und wer entwirft die Grafik dafür? Von uns kann keiner so gut zeichnen.“

„Wir nicht. Aber ich weiß jemanden, der das für uns machen wird“, erklärte Max.

„Und wer?“

„Connie!“.

„Connie? Du meinst doch nicht etwa Kunst-Kurs-Connie? Connie-Rembrandt-Friedrich? Wie willst du denn die dazu bringen, mit uns zusammenzuarbeiten?“ Kevin war völlig perplex.

„Sie schuldet mir was. Ich habe vor ein paar Wochen ihr Zeichenprogramm von diversen Viren befreit und sie hat mir ewige Dankbarkeit geschworen.“

„Gut, das Problem wäre gelöst. Und den Rest schaffen wir schon. Bis zum ersten Advent sind es noch sechs Wochen. Notfalls holen wir uns Hilfe aus dem Internet. Kannst du gleich morgen mit Connie reden?“

„Geht nicht“, antwortete Max. „Morgen ist Sonntag und Connie ist am Wochenende nicht im Internat sondern bei ihren Eltern. Aber am Montag spreche ich sie in der Schule an.“

„Gut“, sagte Peter. „Dann sollten wir keine Zeit verlieren und an die Arbeit gehen.“

 

„Wow, das ist ja so was von cool!“, sagte Thomas. „Ein Computerspiel! Werden sie es schaffen?“

„Das wirst du noch erfahren“, antwortete der Weihnachtsmann. „Erst mal sehen wir uns an, was am Montag in der Schule los ist.“

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