Mohnblumen-Clara und Cranberry Field – MMM am 1.6.2022

Heute bin ich seit längerem mal wieder beim MMM dabei. Vielen Dank an alle, die mit ihren Beiträgen und ihrem Einsatz für die Organisation und Moderation diese schöne Plattform am Leben halten.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich nicht mehr an die Nähmaschine komme.

Arbeit, Sport, Garten, alles wichtige Dinge, die nicht viel Zeit für anders übrig lassen. Die Nähzeit ist leider die erste, die dann gestrichen wird.

Hm, ganz objektiv habe ich ja auch genug Klamotten, obwohl jetzt so nach und nach einige Sachen erste Anzeichen von Zerfall zeigen. Inzwischen habe ich mich von dem Gedanken, mich ausschließlich selbst einzukleiden, verabschiedet, und einen Schwung Unterwäsche nachgekauft. Kostbare Nähzeit sollte man vielleicht doch nicht an Schlüpfer und Unterhemden verschwenden.

Was landet also an Projekten unter der Nähmaschine? Nicht wirklich überraschend: Das, was tatsächlich im Schrank nicht so reichlich vorhanden ist aber vermehrt benötigt wird: Active wear, also Sportklamotten. Das war in den letzten Monaten mein Hauptthema, und das wird wohl auch noch eine Weile so bleiben.

Letzte Woche habe ich beschlossen, dass ich endlich meinen schönen Mohnblumen-Lycra anschneide und nicht noch weitere Schnitte ausprobiere oder über die ideale Stoffaufteilung herumgrübele. Der Plan war eine Leggins mit Taschen für ein Handy in einem Seitenstreifen. Passend zu dem Lycra von Takoy habe ich mir mit Hilfe der Stoffproben von BS Stoffe einen grauen Lycra bestellt, aus dem ich die Streifen zugeschnitten habe. Der Schnitt ist die Clara von Jalie, die ich hier bereits aus dem Haifisch/Piranha-Lycra genäht habe. Da der Schnitt nicht einfach in der Mitte zerschnitten werden kann, weil die innere Beinnaht etwas nach vorne verlegt ist, habe ich die Teilungslinie mit Hilfe der Haifischleggins festgelegt. Letzendlich hätte der graue Streifen allerdings doch etwas breiter sein dürfen und auch etwas weiter nach hinten verlegt werden können. Beim nächsten Modell mache ich das wohl anders. Ich habe die Hose in Grüße 38 genäht, das ist zwei Größen größer, als meinen Maßen entsprechen würde, Jalie hat aber Zwischengrößen, also habe ich eine Größe 36 gemessen.

Der Schnitt erfordert 60% Stretch in beide Richtungen, das hat mein Stoff aber nicht so wirklich, vor allem in Längsrichtung habe ich nur 30-40% und daher sitzt die Hose auch etwas spack. Aber für Yoga reicht es trotzdem, also bin ich doch sehr zufrieden. Allerdings werde ich die Elastizität meiner Stoffe in Zukunft doch besser kontrollieren. Ich habe bis auf den Zwickel und die Taschen alles mit der OVI genäht. Dabei habe ich die Fadenspannung ein kleines bisschen erhöht und in die beiden Greifer Bauschgarn gefädelt. Bei meinen beiden ersten Leggins sind die Nähte nicht so stabil und ziehen sich etwas auseinander. Mit dem Bauschgarn ist das deutlich besser geworden. Außerdem habe ich die rückwärtige Mittelnaht, die Ansatznaht des Bundes und die Seitennähte mit einer dreifädigen Reverse-Covernaht mit Bauschgarn im Untergreifer gecovert. Auf der Rückseite sieht man auf der Nahtzugabe die drei Stepplinien und auf der Vorderseite die Bauschgarn-Raupe. Ich finde, das gibt dem ganzen einen schönen RTW-Look und erhöht natürlich auch die Stabilität der Nähte.

Die Anleitung von Jalie ist auf englisch und französisch, aber sehr leicht verständlich, weil gut bebildert. Das Einsetzen des Zwickels ist ein bisschen tricky, da habe ich auch alles geheftet. Überhaupt habe ich mir angewöhnt, bei diesen elastischen Sachen, die auf der Ovi genäht werden, eher zu heften, als zu stecken, denn letzteres geht nur bedingt bei der Overlock-Nähmaschine. Ich habe im Zweifel das Buch „Sewing Activewear“ von Johanna Lundström zu Rate gezogen, die empfiehlt das Heften ebenfalls. Tatsächlich dauert Heften mit großen Stichen kaum länger als enges Stecken von Stecknadeln.

Tatsächlich habe ich aber nicht nur genäht. Ein Urlaub und zwei Familienfeste erforderten zwei Autoreisen quer durch die Republik, das sind jede Menge Stunden Strickzeit für mich. Und so habe ich die vor eineinhalb Jahren begonnenen Cranberry-Field-Cardigan von Drops zuende gestrickt.

Ich habe die Ärmel ein paar mal aufgetrennt und neu gestrickt, weil ich extralange Ärmel haben wollte und die Ärmel zu weit waren, und dann, weil die Wolle nicht gereicht hat und ich zwei Knäuel nachbestellen musste. Natürlich hatte das Weiß eine leichte Abweichung, also habe ich die Ärmel bis zum Unterarm aufgetrennt und dann die beiden verschiedenen Wollchargen reihenweise im Wechsel verstrickt. Bei dem Perlmuster, in dem die Ärmel gestrickt werden, fällt das zum Glück nicht so auf. Ich habe mit Drops Karisma gestrickt. Meine Maschenprobe fiel etwas größer aus, deshalb habe ich eine S gestrickt, um nicht umrechnen zu müssen. Den Maßen nach ist eine M dabei herausgekommen. Ich wollte eine eher locker sitzende Jacke, passt also.

Das Muster ist recht einfach nachzustricken. Ich habe eine tiefe Abneigung gegen das Zusammennähen von Gestricktem, daher habe ich Vorderteile und Rücken zusammen gestrickt und die Arbeit an den Ärmellöchern geteilt. Das erfordert ein bisschen Gehirnakrobatik im Vorfeld, lohnt sich aber. Wie bei vielen Drops-Anleitungen wird die Knopfleiste gleich mit angestrickt, das mag ich sehr, weil ich das Aufnehmender Maschen an den Kanten hasse wie die Pest. Ich bekomme das selten so gleichmäßig hin, dass die Blende keine Wellen schlägt oder alles zusammenzieht.

Jetzt noch die Gretchenfragen:

Würdest Du das Muster noch einmal nähen / stricken?

Die Hose mit ein paar weiteren Modifikationen auf jeden Fall, die Jacke nicht. Ich stricke selten bis gar nicht das gleiche Modell zweimal, ist mir zu langweilig und außerdem gibt es noch so viele schöne Sachen zu stricken.

Leggins: Clara von Jalie mit einem eingesetzten Seitenstreifen, der im Schnitt nicht vorkommt. Der Bund wurde um 3cm verkürzt, die Hose oben um die selbe Länge verlängert. Wegen zu wenig Stretch im Stoff ist die Hose nur 7/8 lang.

Jacke: Cranberry Field von Drops Design. Die Ärmel wurden statt ¾ lang ganz lang gearbeitet. Wolle: Drops Karisma. Bei meiner Strickweise wurde aus einer S eine Größe M in der Weite und L in der Länge, ich trage sonst Größe 36.

Und jetzt gebe ich ab an die Mittwochsparade der gut gekleideten Frauen (und Männer?)

8 Kommentare

  1. Oha, mit der Strickjacke hast du dir aber viel Arbeit gemacht, aber wenn sie jetzt so ist, wie du es dir gewünscht hast, ist ja alles gut; schön sieht deine Musterjacke aus.
    Das Stricken in Einzelteilen scheint ja sowieso aus der Mode zu sein; ich habe den Eindruck, es gibt fast nur noch Anleitungen, die das Stricken in einem Stück ermöglichen.
    Und deine Legginsexperimente verfolge ich mit Interesse.
    LG von Susanne

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    • Vielen Dank, liebe Susanne.
      Ich vermeide die Seitennähte nicht nur, weil ich zu faul zum zusammennähen bin, sondern auch, weil dann die Vorderteile und das Rückenteil wirklich symmetrisch werden und weil eine Seitennäht auch immer etwas aufträgt. Wenn man so langsam strickt wie ich, kann sich das Maschenbild auch schon mal im Lauf der Monate verändern. So bleibt es wenigstens über das Strickstück gleichmäßig verteilt.
      Mir ist aufgefallen, dass es viele Anleitungen von oben nach unten zu stricken gibt, aber zumindest bei denen, die ich bislang gestrickt habe, gefallen mir die Ausschnitte nicht so sehr. Einen klassischer Raglan von unten mit V-Ausschnitt mag ich da lieber. Allerdings strickt man den ja auch an einem Strück.
      Bei den Leggins habe ich noch einen Schnitt in Petto, der wird als nächstes genäht, und dann will ich auch mal einen Schnitt-Vergleich schreiben.
      LG, Stefanie

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  2. Mir geht es ähnlich. Ich realisiere gerade für mich, nicht nur die Zeit, sondern auch die eigenen Kräfte sind begrenzt, weshalb man für sich überlegen muss, wofür man sie einsetzt. Schöne Sportklamotten sind, finde ich, eine gute Investion. Denn schön und praktisch gekleidet, sportelt es sich gleich viel leichter. Da ich durch die Pandemie zuhause allein geturnt habe, hatte ich nicht so den Bedarf bzw. habe meine Sachen aufgetragen. Aber ich habe mir gerade eine neue 10er Karte fürs Yoga zugelegt, was die Sache natürlich ändert! Da brauche ich dann vielleicht eine neue Leggins und Deine Posts dazu werden mir helfen. Danke fürs Zeigen. Herzliche Grüße Manuela

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    • Herzlich gerne. Es macht wirklich viel mehr Spaß, in schönen Sachen Sport zu machen als in der 08/15 Kleidung von der Stange, auch wenn ich mir da schon gerne ein paar Color-Blocking abschaue.
      Momentan schwächele ich beim Yoga ein bisschen, nur im Anschluss an das Krafttraining und Radfahren gibt ein paar Dehnungseinheiten, aber das wird sich wieder einpendeln.
      LG, Stefanie

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  3. Vielen Dank für die genaue Schnittbesprechung der Leggins, denn um das Thema Sportbekleidung schleiche ich auch schon eine Weile herum. Bis jetzt mache ich Pilates in Kaufkleidung, aber die zeigt jetzt schon starke Abnutzungserscheinungen und muss irgendwann ersetzt werden. Dein Stoff ist wirklich ein Traum, und wie gut, daß Du mit dem grauen Streifen kombiniert hast, das macht ein ruhigeres Gesamtbild.
    Die Jacke ist ja wirklich ein Kunstwerk, die wirst Du sicher noch viele Jahre gerne tragen!
    Liebe Grüße Barbara

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    • Vilen Dank für Dein Lob.
      Den Streifen habe ich mir bei Kaufkleidung abgeguckt, genauer bei der Yoga-Youtuberin, der ich folge. Mir helfen die bunten Sachen, wenn ich mal ein Motivationstief habe. Sie machen mir richtig Lust auf Sport. Aktuell habe ich die Jessica-Leggins von Jalie im Zuschnitt, wenn die fertig uns getestet ist, gibt es mal einen Vergleichspost.
      Die Jacke hat ein sehr dankbares Muster, es sieht viel schwerer aus, als es zu stricken ist. Einzig das Perlmuster in den Ärmeln dauert halt länger als glatt rechts. Sie ist tatsäclich ein Stück, das mir wirklich gefehlt hat und obendrein ganz schön warm, also bestens für frische Sommermorgende und -abende, aber auch für den Winter über Blusen geeignet.

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  4. Eine Leggings mit Tasche fürs Handy in der Seitennaht ist eine tolle Idee! Und auch, die beiden unterschiedlichen Farbpartien abwechselnd zu verstricken. Zwei tolle Teile, die du noch dazu brauchen kannst – perfekt!
    Ich persönlich würde die Jacke nicht noch einmal stricken, was aber mehr daran liegt, dass ich lieber glatte Jacken habe als welche mit Muster. Und lieber mit Rundhals- als mit V-Ausschnitt. Aber grundsätzlich, wenn ein (Schmitt- oder Strick-)Muster funktioniert und mir gefällt finde ich spricht alles dafür, von der Sorte noch weitere Teile zu machen.

    Liebe Grüße, Gabi

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