Fashion Style 6/2019 Kleid 3

Ich wollte ja eigentlich schon beim MMM über dieses Kleid schreiben, Entschuldigung an alle, die von meinem Eintrag in der Linky-Liste irregeführt wurden.

Aber es zeichnete sich ab, dass das ein längerere Post wird, also habe ich ihn verschoben.

Als ich das gepunktete Kleid in der letzten Fashion Style vor dem zeitweisen Verschwinden der Zeitschrift entdeckte, war ich total begeistert. Dieses Kleid musste ich haben, und zwar genauso, wie es in der Zeitschrift abgebildet war.

Ich fuhr also nach Berlin zum Stoff shoppen und fand den gepunkteten Viskose-Jersey mit etwas Elasthan bei Hüco. Im Schnitt ist für die Ärmel und die Saumrüsche ein gepunkteter Tüll vorgesehen, den habe ich aber nicht bekommen. Also habe ich mich für einen Chiffon entschieden, war leider die falsche Wahl. Der Stoff sollte unbedingt elastisch sein, das ist der Tüll, der Chiffon leider nicht.

Weil der verwendete Jersey recht leicht ist, habe ich mich entschieden, den Rock vollständig mit einem leichten Stetchfutter zu doppeln.

Auf den ersten sieht das Kleid ja ganz O.K. aus. Aber wenn man anfängt, sich zu bewegen, offenbaren sich Konstruktionsmängel, die man in der Zeitschrift so nicht sehen konnte.

Das vordere Rockteil hat an der Seitennaht eine kleine, ca. 4cm lange Raffung. Möglicherweise liegt es an meinen sehr weichen Jersey, aber diese Raffung rutscht nach unten und betont den Bauch auf eine sehr unvorteilhafte Weise. Ich könnte auch im vierten Monat schwanger sein. Weil das mehr an Stoff komplett nach unten rutscht, hat das Kleid auch eine schräge Saumlinie, die ich völlig inakzeptabel finde. Auf dem Foto von der Seitenansicht sieht man, dass die Träger nach 3 Tagen tragen auch nicht mehr wirklich anliegen. Dieses Problem ist aber ganz leicht zu lösen:

Wie man hier sehen kann, sind die Ärmel zwischen zwei Trägerteile gefasst, und an der Kante der Träger ist eine Paspel. In diese Paspel kann man ein schmales Gummiband einziehen, ohne echte Spannung, nur so straff, dass es ein ausleihern verhindert. Übrigens wird erst die Paspel zwischen die Träger gefasst, und dann wird der Ärmel angesetzt und die Futterseite des Trägers von Hand angesäumt. Vorne wird das Vorderteil bei den Trägern zwischengefasst und die Unterkanten der Ärmel, die hinten ja quasi das obere Rückenteil bilden, werden beim unteren Rückenteil zwischen Oberstoff und Futter ( das aus dem Oberstoff genäht wird) zwischengefasst.

Ihr meint, das klingt kompliziert? Dann lest erstmal die Originalanleitung! Um das Wort „Zwischenfassen“ zu vermeiden, werden unfassbare Satzkonstruktionen bemüht. Die Fashion Style hat sich hier eindeutig übertroffen. Dummerweise ist die Verarbeitung des Oberteils aber tatsächlich ziemlich tricky. Man kann nicht einfach mal drauflos nähen.

Ich habe die Anleitung einmal gelesen. Dann ein zweites Mal. Beim dritten Mal habe ich mir einen Schreibblock und die Schnittteile geschnappt und meine eigene Anleitung aufgeschrieben, mit der ich dann auch gut arbeiten konnte. Ein bisschen muss man schummeln, ein bisschen muss man mit der Hand nähen, aber am Ende hatte ich eine wirklich saubere Innenverarbeitung ( Foto davon gibt es später).

Wenn man das Bild oben sieht, wird auch klar, warum der durchsichtige Stoff elastisch sein sollte: Die gesamte Breite des Rückens ist bei meinem Modell fest, und das schränkt die Beweglichkeit und den Komfort doch ganz schön ein. Ich habe auch gleich einen Tupfentüll nachgekauft, um die Ärmel auszutauschen, der örtliche Stoffladen hatte, was ich in Berlin nicht gefunden habe. Aber ich scheue die Auftrennarbeit und das erneute annähen dieser Ärmel, und das Kleid trägt sich auch so ganz gut.

Was ich auf keinen Fall lassen werde, ist dieses unmögliche Rockvorderteil.

Hier habe ich den überschüssigen Stoff mal abgesteckt, ich bin der Ansicht, dass das Kleid dadurch enorm gewinnt. Und diese Änderung ist auch überschaubar: Zuerst am Schnittmuster die vier Zentimeter herausnehmen und die Seitennaht nachzeichnen. Dann Rockteil und Futter abtrennen, die Seitennähte bis zur Raffung auftrennen, entsprechend dem geänderten Schnittmuster abschneiden und wieder alles zusammenfügen. Sollte unprobematisch sein.

Ansonsten ist der Schnitt nämlich wirklich schön. Ich mag den weiten Herzförmigen Ausschnitt, und die Paspel, die das Brustteil an den Seiten abtrennt ( was man auf dem Foto leider kaum sieht), und das in den Träger übergehende Seitenteil sind sehr schmeichelhaft.

Im Grunde gefällt mir auch der Chiffon, den ich verwendet habe, viel besser als der Tupfentüll, weil die kleinen weißen Punkte auf dem dunklen Grund viel zarter wirken. Mit dem Gummiband in der Paspel werden die Träger auch besser sitzen. Ich hatte sie etwas eingekürzt, leider kann ich das nicht rückgängig machen, weil ich die Enden abgeschnitten habe.

A propos Anpassen: Geht so gut wie gar nicht. Es gibt praktisch keinen Zeitpunkt während des Nähens, an dem man anpassen könnte. Ich habe das Brustteil anprobiert, bevor ich die Ärmel eingesetzt habe, und an der Stelle an beiden Seiten ungefähr einen Zentimeter weggenommen. Und ich habe die Träger so am Rückenteil angenäht, dass die innere Kante mit der Paspel etwas kürzer wurde. Hätte ich von vorneherein ein Gummiband in die Paspel gezogen, wäre das nicht nötig gewesen und das untere Rückenteil würde in der Mitte nicht so hochziehen. Ansonsten habe ich die Größe genäht, die zu meinen Maßen passt.

Würde ich den Schnitt noch einmal nähen? Nope, das Kleid ist zwar schön, aber nochmal kämpfe ich mich nicht durch diese Anleitung.

Der Schnitt wird in der FS auch als Badeanzug verwurstet, wenn man das machen möchte, würde ich mindestens eine Nummer kleiner nähen und unbedingt Gummiband in beide Seiten der Träger einziehen. Und ich würde immer diese Raffung weglassen!

2 Kommentare

  1. Oha, das scheint ja ein tückischer Schnitt zu sein.
    Gut, dass du so hartnäckig bist; manch anderer hätte das Kleid nach den festgestellten Mängeln wohl entsorgt.
    Aber du hast recht; im Prinzip ist es ein tolles Kleid und du scheinst ja genau zu wissen, wie du was anpassen musst.
    LG von Susanne

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    • Das Schlimme ist auch gar nicht der Schnitt, auch wenn er sicher kein Anfängerschnitt ist. Das eigentliche Problem ist tatsächlich diese fürchterliche Anleitung. Aber ja, ich liebe dieses Kleid schon jetzt, wenn erst das Vorderteil fertig ist, werde ich es im nächsten Sommer sicher ganz viel tragen.

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