Karo-Hose von der AnNäherung – MMM am 4.4.2026

„Du nähst aber viel mit Karos“, diesen oder einen ähnlichen Satz höre ich öfters auf der diesjährigen AnNäherung in Bielefeld. Äähm – eigentlich nicht, oder? Aktuell befinden sich in meinem Kleiderschrank nur zwei karierte Kleider. Tatsächlich habe ich im Laufe meiner Nähkarriere nicht allzu viele Karo-Kleider genäht, aber die meisten davon auf AnNäherungen in Bielefeld.

Das „Burgfräuleinkleid“ 2015, den Bürzelrock aus einem Stoff vom Tauschtisch 2017, der Vogue-Patternhack 2018 , das Weihnachtkleid von 2023, das 2024 fertig wurde und im letzten Jahr das Weihnachtskleid aus 2024.

Jepp, der Gedanke, dass ich vorwiegend Karos nähe, drängt sich auf.


Dieses Mal habe ich eine Hose genäht, die erste Karo-Hose meines Lebens. Der Schnitt „Dee“ stammt aus der La Maison Victor, aus welcher weiß ich nicht, da ich ihn als Download bekommen habe. Als ich den Schnitt das erste Mal gesehen habe, war ich ganz begeistert. Ich habe jahrelang nach einem geeigneten Stoff mit einem schönen, symetrischen Karo und ausreichend Elasthan gesucht und schließlich nach meiner Farbberatung in Leipzig diesen schönen roten gefunden. (Und dabei völlig vergessen, dass ich mir bereits zwei Jahre vorher die gleiche Stoffqualität in schwarz-weiß-kariert gekauft habe. Leute, ich werde echt nicht jünger!)

Darüber, dass Karos zuschneiden eine echte Pest ist, brauche ich hier nicht zu reden. Ich habe Stunden damit zugebracht, nicht nur die Seitennähte, sondern auch die Hüftpassentaschen und den Bund im Muster passend hinzubekommen. Hat sich aber gelohnt!

In Bielefeld habe ich dann auf meiner kleinen, neu angeschafften Vintage-Elna Lotus SP genäht und das hätte beinahe in einem Fiasko geendet. Egal, wie gut und eng ich gesteckt habe, jedes Mal hatte ich nach dem Nähen einen halben bis einen Milimeter Versatz, der gut sichtbar war. Als ich gerade beschlossen hatte, dass Heften keine Option ist, wenn zu Hause eine Nähmaschine mit Obertransport steht, von der ich weiß, dass sie alle Arten von Streifen und Karos perfekt passend aufeinander näht, hat mir Heide mit einigem guten Zureden ihren Obertransport ausgeliehen.

Das Teil war der komplette Gamechanger und am Samstag konnte ich mir in Bielefeld sogar einen eigenen kaufen.

Die Karo-Verarbeitung hat dann mit diesem Extra-Equipment sehr gut geklappt. Knopf und Knopflöcher und die Säume habe ich dann zu Hause genäht. Die Säume sind übrigens das einzige, das ich an dem Hosenschnitt auszusetzen habe. Ich musste bei dem Schnitt fast nichts anpassen, eine Seltenheit bei mir, nur in der rückwärtigen Mitte und an den Seitennähten zwischen Taille und Hüfte habe ich jeweils einen Zentimeter herausgenommen und in der rückwärtigen Mitte an der Oberkante einen Zentimeter zugegeben. Das ist bei mir meistens nötig, weil meine Hüfte von vorne eher schmal ist und die Hüftweite im wesentlichen an meinem Gesäß stattfindet. Was ich dort an Volumen mehr brauche, steht dann beim Bund im Rücken und an den Seitennähten ab.

Ich habe sogar ein passendes rotes Shirt im Schrank gefunden.

Aber die Verarbeitung der Saumaufschläge geht gar nicht! Der Schnitt wird mit einem Karostoff präsentiert. Die Hosenaufschläge sind ein extra Schnittteil, das unten an den Saum genäht wird. Das ist durchaus sinnvoll, denn so ist es viel einfacher, die Hosenlänge festzulengen, wie ich selber feststellen konnte. Wie kann man aber diese Hosenaufschläge als einen durchgehenden Streifen entwerfen, wenn doch klar ist, dass dann die Karos nur bei einer Hälfte des Hosenbeins zum Muster passen? Das ist doch völlig unbefriedigend! Man macht sich beim Zuschnitt total rund, steckt, näht, trennt zig mal um dann am Ende Saumaufschläge anzunähen, die gar nicht auf das Muster passen können!

Ich habe bei der roten Hose die Aufschläge an das Hosenbein angeschnitten und dann die Saumlänge mit Hilfe von Birgit festgelegt. Das Annähen hat dann noch ein bisschen Nachdenken erfordert. Letzten Endes habe ich die untere Hosenbeinkante 1cm umgeschlagen und dann 4cm oberhalb der festgelegten Hosenbeinlänge auf der Innenseite des Hosenbeins festgesteppt. Dann habe ich den Saum ausgebügelt und den Aufschlag hochgeschlagen, so dass mir die Länge gefiel. An den Seitennähten habe ich ihn dann im Nahtschatten mit einer kurzen Naht fixiert und in der vorderen und hinteren Mitte des Hosenbeins unsichtbar mit ein paar Handstichen.

Für Bilder im Freien ist es bei mir viel zu kalt an diesem heutigen MeMadeMittwoch. Jeanette zeigt auf dem MMM-Blog eine tolle Rock-Jacken-Kombination, und bei ihr scheint es deutlich wärmer zu sein.

Über meine Elna Lotus und die Reparatur, die ich bei ihr vornehmen musste, werde ich demnächst noch einmal genauer berichten, genau wie über die AnNäherung und all die vielen Näh- und Material-Hacks, die wir dort entwickelt und zusammengetragen haben.

Nachdem der Start beim Nähen eher Ach du Schreck war, ist mit dem neuen Obertransport die Arbeit echt WOW gewesen, weshalb ich das entsprechende Feld in Antetannis Jahresbingo ankreuzen darf.

Noch ein Hinweis in eigener Sache: In diesem Februar beseitigen Miriam (Mein Lebensspiel) und ich so viele UFO’s, wie wir schaffen können und berichten darüber auf unseren Blogs. Alle, die ebenfalls zum Start in das Jahr ihre Altlasten loswerden wollen, können sich bei dieser Aktion beteiligen. Es gibt eine Linkparty, die den ganzen Februar über geöffnet ist. Dort könnt Ihr über Eure UFO’s berichten. Das Bild zur Aktion könnt Ihr gerne auf Euren Blog / zu Instagram mitnehmen.

12 Kommentare

  1. Ich weiß dem Obertransporteur inzwischen auch sehr zu schätzen, obwohl ich bis vor 3 Jahren nicht wusste, dass es so etwas gibt. Die neue Nähmaschine bringt so ein Teil ja im Zubehör gleich mit. Dagegen musste ich für melden 25 Jahre alte Privileg länger suchen.

    Aber Karos verweigerte ich trotzdem, eben wegen der Musteranpassung an den Nähten. Das ist die aber trotz Hindernissen gut gelungen!

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  2. Karoanpassung ist echt langwierig, aber es ist dir perfekt gelungen. Da ist es dann doppelt ärgerlich, dass die Maschine beim zusammennähen verschiebt. Da bin ich echt froh, dass meine Reisemaschine, eine 38 Jahre alte Pfaff, bereits einen zuschaltbaren Obertransport hatte. Diese Art von Versatz kenne ich eher von meiner 7 Jahre alten Bernina… Und wie gut dass du vor Ort einen Obertransport für deine neue alte Maschine erstehen konntest. So stand der Fertigstellung nichts mehr im Wege, und wir können eine gelungene Karohose bewundern. Das Karo selbst, Musterverteilung und Farben, war ein guter Fund, ich glaube dir dass du länger gesucht hast dafür.

    Liebe Grüße, heike

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    • Vielen Dank für Dein Lob.
      Meine alte Pfaff wiegt leider 11,6 kg und passt nur hochkant in den Koffer. Das macht sie nicht wirklich bahnreisetauglich. Ich bin aber froh, dass ich durch den neuen Fuß eine absolut vollwertige Maschine geewonnen habe.
      Öiebe Grüße, Stefanie

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  3. Liebe Stefanie,

    da ist sie ja, deine neue Hose. Die Länge und der Aufschlag sind richtig toll. Deine Genauigkeit und das zigfache Auftrennen bewundere ich, so viel Geduld habe ich nicht. Viel Freude beim Tragen.

    LG, Heike

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    • Ach was, Du arbeitest genauso sorgfältig. Wir wissen doch beide, dass wir mehr Freude an guter Handwerksarbeit haben. Außerdem habt Ihr mich alle so toll unterstützt!
      LG, Stefanie

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  4. Ich kann mich nicht erinnern, jemals etwas aus der LMV genäht und meinen Obertransporteur benutzt zu haben. Wenn ich Deine neue Hose sehe, sollte ich beides wohl mal ändern. Très chic! Ich liebe ja Karos, wenn da nur nicht der Zuschnitt wäre. Du sagst es… Liebe Grüße Manuela

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    • Die LMV ist leider eigestellt, aber viele Schnitte kannst Du hier herunterladen
      https://www.femmesdaujourdhui.be/patronscouture/
      Es ist eine ziemliche Datenkrake, aber man kann sämtliche Cookies ablehnen. Ansonsten bekommt man sie nur 2dn Hand. Ein paar Hefte habe ich auch und könnte sie Dir gerne leihen.
      Ich nähe praktisch alles mit Obertransport, aber besonders bei rutschigen Stoffen mag ich gar nicht mehr darauf verzichten. War eine wesentliche Kaufentscheidung für die Pfaff.
      Liebe Grüße, Stefanie

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  5. Respekt! Um Karos mache ich bis jetzt einen ganz großen Bogen… Selbst Streifen lassen mich in Schweiß ausbrechen…

    Aber deine Hose ist super geworden, die viele Arbeit hat sich auf jeden Fall gelohnt!
    LG Miriam

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    • Eigentlich sind beide nicht so schwer zu nähen, man muss nur sehr genau stecken (da verrate ich demnächst einen Trick). Und ein Obertransport sowie ein verringerbarer Nähfußdruck sind sehr hilfreich. Ohne das hilft vermutlich nur heften. Aber klar, man braucht locker dreimal so lange für eine Naht.
      Die Hose ist superbequem und ich trage sie gerade in Dauerschleife.
      LG, Stefanie

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  6. Wohooo! Die Hose ist super geworden, sitzt perfekt, und die Mühe beim Zuschneiden und Austüfteln, dass die Karos exakt aufeinander treffen, hat sich sehr gelohnt. Der Obertransportfuß ist mein liebster Nähfuß, ich lasse ihn fast alles an der Maschine und wechsle fast nur noch, wenn ich den Reißverschlussfuß benötige.
    Liebe Grüße
    Anita

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