Eine Hose ist schneller genäht als gekauft

…das habe ich zumindest vor meinen Kollegen behauptet. Wenn man eine Schnell-Näherin ist und einen angepassten Schnitt hat, stimmt das auch fast. Ich brauchte zum Wochenende dringend eine anständige schwarze Hose, und in meinem Schrank befanden sich nur zwei total abgerockte Jeans. Das hat einen Grund: Habe ich schon mal erwähnt, dass ich schwarz nur ungerne trage? Ich sehe darin meistens aus wie „Leiche auf Urlaub“. Am schlimmsten ist Schwarz, wenn es mir ohnehin nicht so gut geht, dann zieht einen jeder Blick in den Spiegel noch weiter runter. Ist Euch schon mal aufgefallen,wieviele Spiegel überall herumhängen?MMM4.3 B1

Ich habe mich für einen bewährten Schnitt, nämlich Burda 09/2017#121, entschieden, die habe ich schon mal genäht und angepasst. Ein bisschen langsamer als Einkaufen war das Nähen schon, glaube ich, sicher bin ich nicht. Wenn ich früher Hosen gekauft habe, war das ein elendes Herumgerenne und Anprobieren, bis ich etwas gefunden habe, das

  1. mir passt
  2. mir gefällt
  3. ich mir leisten kann.

Leider musste ich trotz Stoff-Diät neu kaufen, schwarz ist nicht viel vorhanden in meinem Lager (siehe oben)Der Stoff ist ein Stretch-Gabardine mit über 50% Woll-Anteil, und weil der auf der bloßen Haut kratzt, habe ich die Hose zur Hälfte mit Wirkfutter gefüttert. Dadurch zeichnet sich auch die Unterwäsche nicht ab. Leider gab es keine Anleitung zum Abfüttern, also habe ich die Länge des Futters an der alten Hose abgemessen. Will heißen, ich habe die Hose angezogen und eine Stecknadel kurz unterhalb des Knies in das Hosenbein gepiekt und diese Stelle dann auf dem Schnitt markiert. Dummerweise habe ich dabei gestanden, und wenn ich sitze, dann rutscht der Rollsaum des Futters über das Knie und drückt sich durch. Stört mich allerdings nur ganz unerheblich.

Fast den gleichen Stoff habe ich bereits vor zwei Jahren zu einem Kleid verarbeitet (tatsächlich dachte ich auch, es wäre der Gleiche), und deshalb habe ich einen Teil des Bundes aus dem alten Stoff gemacht, damit der neue Stoffrest größer ist als der alte und ich bei dem Rock, den ich daraus geplant habe, mehr Auswahl bei den Schnitten habe. – Tja, das versteht wohl auch nur ein anderer Näh-Nerd.

Der neue Stoff ist aber ein bisschen feiner gewebt und glänzt ein bisschen, das fällt aber nur auf, wenn man ganz genau hinguckt (beim Bügeln oder Handsäumen oder so).

Heute, am MeMadeMittwoch zeige ich die Hose aber in leger (das kann sie nämlich auch). MMM4.3 B2

Und weil das Posieren vor einer Ziegelwand irgendwie doof ist, gibt es jetzt eine Foto-Story:

MMM4.3 B3
Mal sehen, ob der mich aushält
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Oops
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Vielleicht mit mehr Kraft
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Try again, fail better
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Das bleibt jetzt so!
  • Schnitt: Burda 09/2017#121 (hier ist der erstgeborene Zwilling)
  • Wieder nähen? Ist bereits Nummer 2
  • Stoff: Stretch-Gabardine aus Wolle und Polyester , Anteile weiß ich nicht genau, vom örtlichen Händler, Wirkfutter von Hüco

Ein letzter Tipp zur Verarbeitung von Wirkfutter, bevor ich zum MMM abgebe: Wirkfutter lässt sich besser verarbeiten, wenn man es nicht vorwäscht, die Appretur aus der Fabrik verhindert das Aufrollen an den Schnittkanten. Ich habe die Futterhose erst genäht und an allen Kanten gekettelt und dann gewaschen und dann eingesetzt.

15 Kommentare

  1. Eine sehr schöne schwarze Hose! Und eine tolle Foto-Story 🙂 Mittlerweile würde ich für mich definitiv sagen, dass das Nähen nach bewährtem Schnitt schneller geht als das Einkaufen. Liebe Grüße!

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  2. Eine schwarze Hose ist immer ein gutes Basic-toll geworden.
    Ich stimme auch zu, dass ich eine Hose nach erprobtem Schnitt schneller genäht, als gekauft habe und man muss auch keinen Kompromiss hinsichtlich gewünschtem Stoff und Schnitt machen.
    LG von Susanne

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  3. Ob das Nähen der Hose wirklich schneller ist als das Kaufen, weiß ich nicht…jedenfalls ist diese genähte Hose von Dir mit Sicherheit schicker als die meisten Kaufhosen! Der Schnitt steht Dir wirklich gut und hat eine super Paßform an Dir. Deine Aversion gegen schwarz kann ich übrigens gut nachvollziehen- ich trage schwarz auch nur zu Konzerten oder zu den traurigen Anlässen. Sehr schöne Bilderstrecke hast Du gemacht!
    LG Barbara

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    • Vielen Dank! Im Prinzip hast Du recht, ich habe mehr als einen Tag an der Hose genäht, besonders, weil ich sehr viel mit der Hand genäht habe, aber beim Kauf hätte ich meine Ansprüche ganz gehörig ‚runterschrauben müssen.

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  4. Wow, klasse deine Hose! Ich traue mich bisher nur an Jersey-Pumphosen und Leggins, deswegen bewundere ich immer alle, die so tolle Hosen nähen können.
    Liebe Grüße, Katharina

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    • Liebe Katharina,
      vielen Dank. Hosennähen ist gar nicht so schlimm, man muss nur einmal einen Schnitt gründlich anpassen. Es hilft, wenn man mal eine gut passende Hose vor dem Entsorgen zerlegt. Dann weiß man, wie eine Hose funktioniert. Und man kann dann vergleichen, an welcher Stelle die Hosenteile anders sind, als bei einem Schnittmuster. Ich zum Beispiel habe schmale Hüften und einen runden Po. Daher muss ich an den Seitennähten immer etwas wegnehmen, an der hinteren Mittelnaht etwas zugeben und wiederum oben in der Taille ziemlich viel abnähen. Dadurch kommt dann aber die Taillenlinie hinten zu weit runter, also wird die rückwärtige Hose in der Mitte nach oben verlängert. Im Grunde setze ich bei einer Hose an der stärksten Stelle des Pos einen vierzackigen Stern ein. Aufgrund meiner Anatomie schlägt der Stoff direkt unter dem Po dann gerne mal Falten. Ein bisschen kann ich ausgleichen, indem ich das rückwärtige Hosenteil an der inneren Beinnaht etwas oberhalb des Knies bis zum Schritt kräftig dehne und in Form bügele. Mit den restlichen Falten muss ich dann leben.
      Wenn Du Dir etwas anderes als Leggins und Pumphosen nähen willst, dann fang am besten mit einer relativ weiten Hose an, dann musst Du erstmal nur an der Taille und der Schrittnaht herumdoktern. Und ich würde immer einen Stoff mit mindstens 10% Elastizität wählen, der aber gut zurückspringt, der verzeiht nochmal eine ganze Menge.
      LG, Stefanie

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  5. Definitiv! Schneller genäht als gekauft. Umso eine so gute passende Hose zu finden, hättest unzählige anprobieren und eine Menge Frustationstoleranz und Humor vor Umkleidespiegeln mitbringen müssen. Wirklich schön Stefanie! Sieht überhaupt nicht nach „Leiche auf Urlaub“ aus, sondern klassisch elegant. Liebe Grüße, Manuela

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  6. Tolle Hose! Hosen kaufen ist wirklich eine Tortur – bei Jeans geht es noch, aber andere Hosen sind bei mir wirklich schnelle genäht als gekauft. Ein Schnitt der gut passt ist Gold wert, so wie hier bei Dir, große Klasse. Und mit dem Streifenpulli wirkt das Outfit schön frisch und gar nicht kränklich. Bei Schwarz immer ein Tuch in Lieblingsfarbe tragen, das hilft. Ich füttere meine Hosen auch stets, meist mit Viskose-Stretch-Futter. Wenn ich genügend Stoff habe, dann nähe ich die Futterhose bis Mitte Wade, ist schön warm und immer angenehm auf der Haut. LG Kuestensocke

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    • Ja, das mit dem längeren Futter mache ich beim nächsten Mal. Es trägt sich so toll! Schon das Anziehen ist Luxus pur. Für mich sind Jeans ein Alptraum. Von den großen Markenherstellern passt mir gar nichts, die stehen immer hinten kilometerweit ab. Aber da habe ich ja meinen angepassten Jeans-Schnitt. Und wenn man weiß, worauf es ankommt oder mit dem angepassten Schnitt vergleichen kann, dann kommt man auch mit neuen Schnitten gut klar, finde ich.
      LG, Stefanie

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