Kraut: Das Wetter ist grau, und meine Laune auch

Es ist halb drei, als ich von der Arbeit nach Hause komme. Das Wetter ist ekelig, windig und regnerisch, aber keineswegs schlecht genug, um nicht in den Garten zu gehen. In den Rabatten an der Straße und an der Einfahrt blühen tapfer ein paar Krokusse und Schneeglöckchen, aber man sieht sie kaum, sie verschwinden im Unkraut. Ich müsste da dringend mal ausjäten.

Aber ich bin irgendwie unmotiviert. Ich weiß genau, ich muss nur die Energie aufbringen und hinausgehen, dann wird es besser, doch heute will das nicht so recht klappen, ich bin einfach müde. Vermutlich waren die Lehmschaufelei, das knackige Training gestern und die recht kurzen Nächte etwas zuviel. (Merke: Wer sich vor dem Training mit Coffein dopt, darf sich nicht wundern, wenn er es übertreibt und dann Muskelkater hat!)

Also arrangiere ich zuerst einmal die Rosen, die ich mir mitgebracht habe, in einer Vase. Dabei frage ich mich, wieviele arme Schweine sich in den Gewächshäusern der Rosenproduzenten in Afrika mit Pestiziden vergiften mussten, damit ich mitten im Winter Rosen in mein Wohnzimmer stellen kann. Ich hätte besser Tulpen aus Holland genommen. Dann trödele ich beim Mittagessen, lese einen Krimi zuende und beschließe, für eine Stunde ins Bett zu gehen. Draußen pfeift der Wind ums Haus, gelegentlich prasselt eine Handvoll Regentropfen auf die Dachflächenfenster. Ich beobachte meinen Atem und döse irgendwann ein.

Als der Wecker klingelt, geht es mir besser. Ich lasse einen Kaffee direkt in einen To-Go-Becher laufen und gehe schnurstracks hinaus. Und sofort beginnt der Garten, seine ganz eigene Magie zu wirken. Ich genieße die frische Luft, den Wind, das Gefühl, draußen zu sein, bin auf einmal mit mir selbst im Reinen. Ich habe noch eine Stunde Tageslicht vor mir, die verschwende ich mit Sicherheit nicht an die Rabatten. Die brauchen vermutlich sechsmal so lang und ich will ein Erfolgserlebnis. Also nehme mich mir die neue Blumenrabatte vor.

Zuerst streue ich großzügig Holzkohle auf die Erde. Mein Kater Luna beobachtet mich aus sicherer Entfernung, was in Anbetracht seines weißen Fells keine schlechte Idee ist. Vielleicht ist er ja doch nicht so dumm, wie ich immer glaube. Dann beginne ich, die obere, umgegrabene Schicht in eine bereitstehende Schubkarre zu schaufeln und am anderen Ende des Beetes abzukippen. Nach kürzester Zeit muss ich meine Gartenjacke ablegen. Der alte Seemannspulli, den ich darunter trage, und der an den Ärmelbündchen schon ganz ausgefranst ist, hat in dreißig Jahren des Gebrauchs genau den Verfilzungsgrad erreicht, dass er schon relativ winddicht aber immer noch elastisch ist, perfekt für diese Sorte Arbeit bei diesem Wetter.

Nach einer halben Stunde habe ich einen Streifen von einem halben Meter Breite freigelegt. Darauf kommen ein paar Schaufeln Lehm, noch mehr Holzkohle, und dann wird umgegraben. Es ist Knochenarbeit, denn die Erde ist steinig und verdichtet. Kein Wunder, dass der Rasen auf diesem Boden aufgegeben hat. Inzwischen hat ein leichter Sprühregen eingesetzt, aber ich bin entschlossen, weiter zu machen. Eine weitere halbe Stunde später hat der Regen zugenommen, meine Haare sind nass, in der Schubkarre steht eine kleine Pfütze, aber ich bin fertig. Eine Stunde für einen halben Meter! Ich weiß nicht, wie lang dieses neue Staudenbeet ist, aber heute will ich das auch gar nicht wissen! In den kommenden Tagen und Wochen wird jeweils die obere Schicht Erde auf den bereits umgegrabenen Streifen geschaufelt und der freigelegte Streifen mit Lehm und Holzkohle verbessert und umgegraben werden. Die Zeit drängt, der Frühling kündigt sich schon an. Die Stauden sollten bald umgepflanzt werden, und wie immer im Frühjahr muss alles gleichzeitig geschehen.

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