„Du nähst aber viel mit Karos“, diesen oder einen ähnlichen Satz höre ich öfters auf der diesjährigen AnNäherung in Bielefeld. Äähm – eigentlich nicht, oder? Aktuell befinden sich in meinem Kleiderschrank nur zwei karierte Kleider. Tatsächlich habe ich im Laufe meiner Nähkarriere nicht allzu viele Karo-Kleider genäht, aber die meisten davon auf AnNäherungen in Bielefeld.





Das „Burgfräuleinkleid“ 2015, den Bürzelrock aus einem Stoff vom Tauschtisch 2017, der Vogue-Patternhack 2018 , das Weihnachtkleid von 2023, das 2024 fertig wurde und im letzten Jahr das Weihnachtskleid aus 2024.
Jepp, der Gedanke, dass ich vorwiegend Karos nähe, drängt sich auf.
Dieses Mal habe ich eine Hose genäht, die erste Karo-Hose meines Lebens. Der Schnitt „Dee“ stammt aus der La Maison Victor, aus welcher weiß ich nicht, da ich ihn als Download bekommen habe. Als ich den Schnitt das erste Mal gesehen habe, war ich ganz begeistert. Ich habe jahrelang nach einem geeigneten Stoff mit einem schönen, symetrischen Karo und ausreichend Elasthan gesucht und schließlich nach meiner Farbberatung in Leipzig diesen schönen roten gefunden. (Und dabei völlig vergessen, dass ich mir bereits zwei Jahre vorher die gleiche Stoffqualität in schwarz-weiß-kariert gekauft habe. Leute, ich werde echt nicht jünger!)

Darüber, dass Karos zuschneiden eine echte Pest ist, brauche ich hier nicht zu reden. Ich habe Stunden damit zugebracht, nicht nur die Seitennähte, sondern auch die Hüftpassentaschen und den Bund im Muster passend hinzubekommen. Hat sich aber gelohnt!
In Bielefeld habe ich dann auf meiner kleinen, neu angeschafften Vintage-Elna Lotus SP genäht und das hätte beinahe in einem Fiasko geendet. Egal, wie gut und eng ich gesteckt habe, jedes Mal hatte ich nach dem Nähen einen halben bis einen Milimeter Versatz, der gut sichtbar war. Als ich gerade beschlossen hatte, dass Heften keine Option ist, wenn zu Hause eine Nähmaschine mit Obertransport steht, von der ich weiß, dass sie alle Arten von Streifen und Karos perfekt passend aufeinander näht, hat mir Heide mit einigem guten Zureden ihren Obertransport ausgeliehen.

Das Teil war der komplette Gamechanger und am Samstag konnte ich mir in Bielefeld sogar einen eigenen kaufen.
Die Karo-Verarbeitung hat dann mit diesem Extra-Equipment sehr gut geklappt. Knopf und Knopflöcher und die Säume habe ich dann zu Hause genäht. Die Säume sind übrigens das einzige, das ich an dem Hosenschnitt auszusetzen habe. Ich musste bei dem Schnitt fast nichts anpassen, eine Seltenheit bei mir, nur in der rückwärtigen Mitte und an den Seitennähten zwischen Taille und Hüfte habe ich jeweils einen Zentimeter herausgenommen und in der rückwärtigen Mitte an der Oberkante einen Zentimeter zugegeben. Das ist bei mir meistens nötig, weil meine Hüfte von vorne eher schmal ist und die Hüftweite im wesentlichen an meinem Gesäß stattfindet. Was ich dort an Volumen mehr brauche, steht dann beim Bund im Rücken und an den Seitennähten ab.


Ich habe sogar ein passendes rotes Shirt im Schrank gefunden.
Aber die Verarbeitung der Saumaufschläge geht gar nicht! Der Schnitt wird mit einem Karostoff präsentiert. Die Hosenaufschläge sind ein extra Schnittteil, das unten an den Saum genäht wird. Das ist durchaus sinnvoll, denn so ist es viel einfacher, die Hosenlänge festzulengen, wie ich selber feststellen konnte. Wie kann man aber diese Hosenaufschläge als einen durchgehenden Streifen entwerfen, wenn doch klar ist, dass dann die Karos nur bei einer Hälfte des Hosenbeins zum Muster passen? Das ist doch völlig unbefriedigend! Man macht sich beim Zuschnitt total rund, steckt, näht, trennt zig mal um dann am Ende Saumaufschläge anzunähen, die gar nicht auf das Muster passen können!
Ich habe bei der roten Hose die Aufschläge an das Hosenbein angeschnitten und dann die Saumlänge mit Hilfe von Birgit festgelegt. Das Annähen hat dann noch ein bisschen Nachdenken erfordert. Letzten Endes habe ich die untere Hosenbeinkante 1cm umgeschlagen und dann 4cm oberhalb der festgelegten Hosenbeinlänge auf der Innenseite des Hosenbeins festgesteppt. Dann habe ich den Saum ausgebügelt und den Aufschlag hochgeschlagen, so dass mir die Länge gefiel. An den Seitennähten habe ich ihn dann im Nahtschatten mit einer kurzen Naht fixiert und in der vorderen und hinteren Mitte des Hosenbeins unsichtbar mit ein paar Handstichen.


Für Bilder im Freien ist es bei mir viel zu kalt an diesem heutigen MeMadeMittwoch. Jeanette zeigt auf dem MMM-Blog eine tolle Rock-Jacken-Kombination, und bei ihr scheint es deutlich wärmer zu sein.
Über meine Elna Lotus und die Reparatur, die ich bei ihr vornehmen musste, werde ich demnächst noch einmal genauer berichten, genau wie über die AnNäherung und all die vielen Näh- und Material-Hacks, die wir dort entwickelt und zusammengetragen haben.

Nachdem der Start beim Nähen eher Ach du Schreck war, ist mit dem neuen Obertransport die Arbeit echt WOW gewesen, weshalb ich das entsprechende Feld in Antetannis Jahresbingo ankreuzen darf.

Noch ein Hinweis in eigener Sache: In diesem Februar beseitigen Miriam (Mein Lebensspiel) und ich so viele UFO’s, wie wir schaffen können und berichten darüber auf unseren Blogs. Alle, die ebenfalls zum Start in das Jahr ihre Altlasten loswerden wollen, können sich bei dieser Aktion beteiligen. Es gibt eine Linkparty, die den ganzen Februar über geöffnet ist. Dort könnt Ihr über Eure UFO’s berichten. Das Bild zur Aktion könnt Ihr gerne auf Euren Blog / zu Instagram mitnehmen.


