12-tel Blick: Der Gemüsegarten im März und April

Nachdem uns der Winter den Januar und den Februar in seinem frostigen Griff gehalten hat, war der März ungewöhnlich warm. Und sofort hatte das Unkraut nichts eiligeres zu tun, als zu wachsen. Zugegeben, wie jedes Jahr habe ich keinen wirklich aufgeräumten Garten in den Winter entlassen und mich auch mit den klassischen Winterarbeiten wie Brombeerhecke und Johannisbeersträucher schneiden sehr zurückgehalten. Aber eitel wie ich bin, wollte ich keinen völlig verunkrauteten Gemüsegarten präsentieren. Und natürlich hat man auch gewisse Verpflichtungen, wenn man an der Straße eine 15m lange Blumenrabatte anstelle von ein paar Sträuchern und Gras präsentiert.

Ich hatte ursprünglich geplant, meinen Gemüsegarten zu halbieren, ich fand, dass mir die Arbeit mit dem Anbau der Ernte etwas über den Kopf wächst. Außerdem ist unser Haushalt geschrumpft und ich brauche eigentlich nicht so viel Anbaufläche, weil ich ja keine komplette Selbstversorgung betreibe. Aber dann kam der Krieg im nahen Osten, und es sieht so aus, als ob die Düngerversorgung weltweit ziemlich prekär werden wird.

Ohne Dünger wächst nichts auf den Äckern. Punkt. Das Haber-Bosch-Verfahren zur Ammoniak-Synthese Anfang des 20. Jahrhunderts hat durch die danach folgende Großherstellung von synthetischen Stickstoffdüngern die heutige Landwirtschaft überhaupt erst möglich gemacht und ist essentiell dafür, dass der Großteil dieser Welt ausreichend zu Essen hat. Soviel Kühe, Schweine und Hühner gibt es gar nicht, um ausreichend Stickstoffdünger zu produzieren und Kompost hat erstens keine so hohe Nährstoffdichte und außerdem braucht man dafür auch ausreichend organisches Material, das wiederum irgendwo wachsen muss.

Mich betrifft das natürlich nicht in meinem kleinen Garten. Ich habe reichlich Kompost weil ich reichlich Unkraut habe, ausreichend Rasenschnitt zum mulchen und vor allem Nachbarn mit Alpakas und Hühnern, die mich freundlicherweise im Tausch gegen Jungpflanzen oder auch Unkraut für die Hühner mit Mist versorgen. Aber natürlich ist davon auszugehen, dass Essen teurer wird, nicht nur wegen des Düngers sondern auch wegen der steigenden Transportkosten. Langer Rede kurzer Sinn: In diesem Jahr baue ich nicht weniger sondern sogar mehr an als in den Jahren davor.

Auf dem Foto oben sehr Ihr meine Gästedusche. In den Multitopfplatten wachsen vor allem Blumen, die ich ab Februar angezogen habe, um sie auf die freien Flächen im Gemüsegarten zu pflanzen. (Merke: Kein Gärtner wird freiwillig die mühsam der Wildnis abgetrotzten Flächen aufgeben, man könnte sie ja noch brauchen.) Beleuchtet wird alles täglich mit 14 Stunden Vollspektrum-LED, damit die Pflänzchen auch schön kräftig werden. Nur unten links und und oben rechts in den Ecken wächst Gemüse: Paprika, die eine sehr langsam wachsen und deshalb schon im Januar gesät werden und Salat, der bei der richtigen Sortenwahl sogar leichte Fröste aushält und ins Gewächshaus wandert.

Als ich übrigens die Pflanzleuchte im letzten Jahr auspackte, wurde ich im Begleitschreiben „in der Welt der Grower“ willkommen geheißen. Sollte mir das zu denken geben? Bislang stand die Drogenfahndung noch nicht vor meiner Tür, aber was nicht ist, kann ja noch kommen.

Zurück zu meinem Gemüsegarten. Es wurde warm, das Unkraut spross und bis zum 22.3. sahen die Beete so aus:

Im Gewächshaus wuchs inzwischen schon der erste ausgesäte Salat. Die Samen hatte ich im Vorjahr selber geerntet und hatte Sorge, dass sie nicht wirklich keimfähig sind. Darum habe ich sie ein bisschen sehr dicht gesät. Einen Teil in der Reihe, einen Teil im Schneckenkragen. Über die Sämlinge haben sich Nachbarn, Freunde und Kollegen sehr gefreut.

Ich habe dann vier Tage wie eine Galeerensklavin geschuftet um zumindest den Anschein wahren zu können. Im Vordergrund sind bereits die Erbsen ausgesät.

Der März verabschiedete sich dann nochmal mit ein paar eisigen Tagen. Dafür war der April warm und nass. Der Frühling kam mit Wucht, Kirschblüte, später Apfelblüte, die ersten Blumen. Späte Fröste töteten erst die Aprikosenblüten, dann fast alle Mirabellen. Kann man nichts machen.Die Pflanzen durften ins Gewächshaus umziehen und zum Ende des Monats sogar in die Beete. Erstmal nur der Salat und die Hälfte des Brokkolis, sicherheitshalber.

Ich habe wieder jede freie Minute im Garten genutzt und Voilà: Das erste Mal seit ich diesen Garten habe präsentiere ich fast unkrautfreie Beete am Anfang der Saison. Tatsächlich habe ich das noch nie zu keiner Zeit des Jahres hinbekommen. Nur die obere linke Ecke ist noch ungepflegt, aber da wachsen Gladiolen, die zählen nicht und sind vermutlich sowieso erfroren.

Zwischen dem Märzbild und dem April liegen drei Wochen. Was im Vordergrund so unkrautgrün daherkommt, ist frischer Mulch auf den Erbsen. Zwischen den Reihen ist das Gurkenspalier aufgebaut.

Wenn man die hintere Bildmitte etwas heran zoomt sieht man büschelweise Knoblauch zwischen unsichtbaren Erdbeerpflanzen und im Vordergrund das Mutterkraut, das im Sommer eine große Rolle in meinen Blumensträußen spielen soll.

Eva von Verfuchst und Zugenäht sammelt die 12-tel Blicke in diesem Jahr. Dort werde ich versuchen, diesen Post zu verlinken, wenn Inlinkz und mein Browser es erlauben :/.

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