Kraut: Spätwinter/Vorfrühling

Der phänologische Kalender, das ist der Kalender, der die Jahreszeiten nach dem Pflanzenwachstum einteilt, sagt, dass wir Spätwinter oder den Beginn des Vorfrühlings verzeichnen. Der phänologische Kalender hat in jeder Region unterschiedliche Daten, so beginnt in der Rheinebene der Frühling gute 14 Tage früher als im Osten der Republik. Es ist auch der Kalender, nach dem sich die Gärtner richten, logisch, bei Dauerfrost kann ich zum Beispiel keinen Salat ins Freiland säen.

Für jede Jahreszeit gibt es Zeigerpflanzen, und das Ende des Winters zeigen die Christrosen und der Winterjasmin, während den Beginn des Vorfrühlings die Haselsträucher zeigen, die aufgrund der milden Witterung bereits die Allergiker der Region erfreuen (reicht mir mal ein Taschentuch!).

An der Küchenterasse blühen die Christrose und ein Jasminum nudiflorum, der mit den Forsythien verwandt ist. Der Jasmin stammt noch aus meinem Elternhaus, als ich diesen Garten anlegte, gab mir meine Mutter einen Ableger mit. Die Christrose ist eine Mogelpackung: Viele Jahre stand an dieser Stelle eine Christrose, die sich sogar ausgesamt hatte, ich war ganz stolz. Dann, im letzten Jahr, war sie auf einmal verschwunden. Ich kaufte in diesem Jahr einfach einen Ersatz, und da ich die Katzen als Ursache für das Verschwinden im Verdacht habe, wurde sie gleich in einen Weidenkäfig gesperrt, einfach einige Ruten drumherum gesteckt und oben zusammengebunden. Vielleicht flechte ich im Frühsommer mit frische Ruten etwas stabileres mit einer kleinen Kante unten.

Die milde Witterung macht es möglich: In der letzten Woche konnte ich mehrere Stunden im Garten arbeiten. Sonntag begann es allerdings just in dem Moment zu regnen, als ich rausgehen wollte. Macht nichts, das Gewächshaus ist oben dicht und unten voller gammelnder Tomantenreste.

Geschützt durch die Schneckenkragen wächst hier auch noch etwas Salat und außerdem haben hier die Buschbohnensamen nachgetrocknet. Die Sorte, die ich letztes Jahr gekauft habe, hat mir von Wachstum und Geschmack her so gut gefallen, dass ich an jeder Pflanze eine Hülse habe ausreifen lassen, um Saatgut zu gewinnen.

Anderntags, auf dem Weg zum Gemüsegarten, dort gibt es jede Menge Unkraut zu beseitigen, kam ich am Sauerkirschbaum vorbei. Das tue ich eigentlich immer, er steht halt da so rum. Aber dieses Mal sah ich etwas Pinkes blitzen. Das muss ich erklären. Durch Zeitschriften wie der Flora oder der Landlust habe ich Zwangsvorstellungen über blühende Baumscheiben entwickelt und darum vor Jahren unter die Sauerkirsche eine Lenzrose gepflanzt. Seither mickert sie dort vor sich hin. Im letzten Jahr habe ich immerhin ein bisschen Dünger und ein paar Kannen Wasser darauf gekippt, und das dankt sie mir dieses Jahr mit deutlich mehr Blütenknospen, als zuvor. Das habe ich zumindest festgestellt, als ich sie freigelegt hatte.

Ursprünglich wuchsen dort auch ein paar Akeleien, die waren aber verschwunden. Gefunden habe ich noch ein Büschel Narzissen, eine Staudenwicke, die ich nicht dort plaziert habe und einige Perlhyazinthen. Dummerweise habe ich beim Abstechen des Beetes den Leitdraht unsers Rasenmähers getroffen, den muss ich dann demnächst mal ordnungsgemäß flicken.

Die fehlenden Akeleien habe ich ergänzt, sie haben sich zwischen den Erdbeeren ausgesät, und auch von der Gemüsegarten-Primel, die seit Jahren in einem kleinen, nicht weiter nutzbaren Winkel zwischen zwei Wegen bewohnt und sich dort munter vermehrt, konnte ich einige Pflänzchen ausgraben. Außerdem habe ich eine Rinne mit 10cm Abstand zu dem Draht gezogen, bis hier hin und nicht weiter darf gewachsen werden, damit ich mir keinen weiteren Ärger mit der Leitungsdraht einhandele.

Am Wochenende verkündete meine wunderbare Schwiegermutter, dass sie jetzt die Vogelmiere aus dem Garten als Salat ist. Ich weiß, dass man das kann, aber die beste Vogelmiere in unserem Garten wächst just in dem Kübel, den die Katzen im Sommer als Lagerplatz erobert haben. Das mag mein Mann nicht essen. Braucht er auch gar nicht, denn mein Feldsalat hat wie Unkraut den halben Garten erobert. Im alten Tomatenbeet, zwischen den Erdbeeren, im ganzen Gemüsegarten hat er sich ausgesät, sogar in der Blumenrabatte konnte ich in den letzte Jahren mindestens eine Mahlzeit ernten. Es hat eben nicht nur Nachteile, wenn man nicht ständig alles porentief rein ausjätet.

Wenn ich dann noch zu meinem Pulled Porc die eigenen Kartoffeln und den eigenen Rosenkohl essen kann, letzterer erst unmittelbar vor dem Kochen geerntet, dann erlebe ich die reinsten Allmacht-Phantasien. Es ist ja auch ein umwerfendes Gefühl, unabhängig von den Launen des Supermarktes bzw. den Wünschen der anderen Verbraucher (von deren Wünschen ja zum Teil auch das Angebot in den Läden abhängig ist) zu sein. Ich bestimme, wie die Kartoffel auf meinem Teller schmeckt und ob meine Kohlrabi lila oder grünlich-weiß sind. Auch wenn ich zugegebnerweise auf die Werbung in den Gartenzeitschriften immer wieder hereinfalle.

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