7.Philharmonisches Konzert in Cottbus

Musik wird oft nicht schön gefunden                                                                             weil sie stets mit Geräusch verbunden.                                                                                                                        Wilhelm Busch                                                                        Am Sonntag waren wir im Konzert in Cottbus. Um es gleich vorweg zu nehmen: Wir sind nach der Pause abgehaun, weil es uns, besonders mir, nicht gefallen hat. Am meisten stört mich momentan die Einlasspolitik des Hauses. In den letzten Spielzeiten wurde die unausweichliche Urauffühung immer am Anfang des Konzertes gegeben. Die Leute haben sich dann angewöhnt, zu spät zu kommen. Das nenne ich „mit den Füßen abstimmen“. Meines Erachtens handelt es sich bei mindestens 80% der Kompositionen, die uns die „Komposers in residence“ da zumuten um „Stücke, die  die Welt nicht braucht“. Da aber das Orchester im letzten oder vorletzten Jahr eine Auszeichnung der Musikverlage für sein innovatives Programm bekommen hat, ist ein Ende des Elends nicht abzusehen. Zum Glück sind diese Stücke kaum länger als 5-10 Minuten, und in dieser Zeit hole ich dann meine imaginäre Tastatur heraus und übe Tippen auf den Knien.

Das Orchester bzw der GMD hat jedenfalls auf das Zuspätkommen reagiert und die Uraufführungen in die Mitte des Konzertes gelegt. Trotzdem kommen die Leute zu spät und werden dann mitten in einem Satz in den Saal gelassen. Sie haben dann nicht einmal den Anstand, sich still und leise auf die Stufen oder sonst auf einen freien Eckplatz zu setzten, nein, am Sonntag stellen zwei Herrschaften fest, dass sie an der falschen Seite in den Saal gekommen waren, gingen also nochmal hinaus und kamen an der anderen Seite wieder hinein, um dann auch noch ausgiebig, wenn auch lautlos ihre Freunde zu begrüßen. Mir fehlen dafür die Worte (bzw. das, was mir dazu einfällt, hat hier nichts zu suchen!). In der Berliner Philharmonie kann der Zuspätkommer von Glück reden, wenn er zwischen zwei Sätzen noch schnell in den Saal huschen kann, ich habe auch schon von Leuten gehört, die bis zur Pause warten mussten und das ist auch richtig so. Wenn man ins Konzert geht, heißt es „Mitgefangen-Mitgehangen“, dann muss man sich alles anhören, oder sich mental herausbeamen, wie ich es bei den Urauführungen meistens tue.

Nun aber zum eigenlichen Konzert: Da gibt es nicht viel zu sagen. Wir hörten Debussys Nocturnes. „Wolken“ und „Feste“ waren meisterhaft gespielt, besonders von den wirklich ausgezeichneten Holzbläsern. Seit der neue Generalmusikdirektor Evan Christ das Orchester leitet, hat das Niveau enorm zugenommen und wir sagen uns oft, dass man nicht mehr nach Berlin fahren muss, wenn man soetwas quasi vor der Haustür hat. Aber dann kam das Nocturn mit dem Titel „Sirenen“, geträllert von den Damen des Openchores. Es ist eine wirklich nicht einfach zu singende Angelegenheit, da kommt der Durchschnittssopran schnell mal an seine Grenzen. Nun, ich schätze, diese Sirenen würden wohl kaum ein Schiff vom Kurs abbringen, es sein denn, der Steuermann nimmt die Hände vom Steuerrad, um sich die Ohren zuzuhalten.

Das anschließende Klavierkonzert von einem gewissen György Ligeti, 1923-2006,  (nie gehört), fand ich in erster Linie laut. Dann kam die Pause und ich beschloss, dass ich nicht noch ein modernes Stück -sprich die Uraufführung- ertragen konnte. Debussys „La Mèr“ mag ich zwar sehr, aber irgendwie fand ich, dass ich den Abend lieber an der Nähmaschine beenden wollte.

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