Herr: Es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
So beginnt eines meiner Lieblingsgedichte: Herbsttag von Rainer Maria Rilke.
Und in der Tat, dieser Sommer war sehr groß. Er war auch sehr lang, sehr heiß und sehr trocken. In meinem Teil Deutschlands ging es mit der Trockenheit, wir hatten durchaus auch Regen, manchmal sogar genau dann, wenn wir ihn gebraucht haben.
Ich liebe den Sommer. Aber das sage ich, glaube ich, über jede Jahreszeit.
Sommer ist die Jahreszeit, in der man dünne Kleider tragen kann,







in der alles wie verrückt wächst (leider auch das Unkraut),

in der man aus Erdbeeren lauter fabelhaft leckere Sachen macht, die man dann gemütlich zum Frühstück auf der Terrasse genießt.



Im Sommer blüht alles wie verrückt:







Die Glockenblumen vor dem Haus, die Rosen am Zaun, Akelei, Schwertlilien und die Kornblumen im Garten und auf dem Feld.
Im Gemüsegarten kommt man mit der Ernte kaum hinterher.






Aber jetzt ist der Sommer vorbei.
Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
Aus: Das Buch der Bilder, Rainer Maria Rilke
Tschüss, Sommer! Nächstes Jahr sehen wir uns wieder!

Und dieser Beitrag Sommerliebe ist Teil des Jahresbingo 2026, das Antetanni erfunden hat.