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Sonntagstagebuch 26.06.2016

Frühmorgens: Regen, also umgedreht und weiter geschlafen. Dann: strahlender Sonnenschein und Wind – Wäsche gewaschen – wie schaffen 4 Personen es nur, solche Schmutzwäscheberge zu produzieren?!  *** aus dem Hackfleisch-Überschuss vom Mittagessen 3 Sorten Hackbällchen für Bentos gemacht *** „nur mal eben kurz“ im Garten Erbsen und Bohnen gesät – am Ende 3 Stunden draußen gearbeitet *** am 2. Rock für den Sommerrock-Sew-Along gearbeitet

Landleben oder Thermodynamik im Garten

Das Bedürfnis nach dem ruhigen, beschaulichen Leben auf dem Land in idyllischer Natur im Gegensatz zum als hektisch empfundenen Leben in der Stadt scheint enorm zu sein. In meinem Sommerurlaub hatten wir einen kleinen Aufenthalt auf einem Bahnhof und in der Bahnhofsbuchhandlung entdeckte ich sage und schreibe zwanzig Zeitschriften mit „Land“ im Titel, nicht gezählt die Kochzeitschriften. Vermutlich gibt es noch viel, viel mehr. Beim oberflächlichen Blättern entdeckte ich romantische Gärten, Leute in Baumwollkleidern und hübsche Arrangements von Gießkannen, Spaten und Blumensträußen auf baumbeschatteten Terrassen.

Woher kommt diese Sehnsucht? Ich habe den Verdacht, dass es sich hier um eine Sehnsucht nach etwas handelt, das es in Wirklichkeit gar nicht gibt. Wo sind in diesen Hochglanzzeitschriften die Raupen auf dem Kohl? Wo die Krautfäule in den Tomaten? Erwähnt irgend jemand in diesen Magazinen die Stunden, die man auf den Knien liegt, um das Unkraut aus dem Bio-Garten zu entfernen? Blumensträuße auf Gartentischen fliegen beim ersten Windstoß um, Spaten rosten im Regen und die romantische Gießkanne aus Zink ist viel zu schwer, um mit ihr zu gießen.16.19 (640x425)

Mein Garten sieht nicht so aus, wie in den Magazinen. Mein Garten zeigt auf 2000 m² den Kampf mit der Entropie, dem Chaos, dem Zustand, den jedes System unweigerlich anstrebt, wenn man von außen keine Energie hineinsteckt. Angewandte Physik bzw. Thermodynamik (2. Hauptsatz, für alle, die das schon immer nicht wissen wollten) oder eben das wahre Leben.16.19c (640x425)

Heute will ich euch einladen, diesen Kampf einmal hautnah zu erleben. Auf dem Foto seht ihr die kleine Terrasse vor dem Geräteschuppen. Genauer gesagt seht ihr, was von dieser Terrasse nach einem Jahr der Vernachlässigung übrig ist. In der Mitte zwischen zwei kleinen Beeten ist eine Terrasse aus Feldsteinen , die bis zum frühen Nachmittag Schatten und am späten Nachmittag Sonne hat. Im Winter, wenn der Apfelbaum kein Laub hat, ist sie sonniger. Sie war auch noch viel sonniger, als der Apfelbaum noch klein war.

16.20 (640x425) Jetzt bekommt das rechte Beet kaum noch Sonne, eine Strafe für die englische Rose, die dort vor sich hin mickert. Aus dem rechten Fenster ist im letzten Jahr eine Scheibe herausgefallen, und seither liegt sie dort. Ich habe mich endlich aufgerafft, diese Terrasse samt der Beete in den romantischen Ort zurückzuverwandeln, als der sie mal geplant war, und ihr dürft mir dabei über die Schulter schauen. Vorige Woche hatte ich etwas Zeit. Also gibt es erste Resultate.

16.19a (640x425) 16:20 Uhr: der Urzustand. Erster Schritt: Die Rose im linken Beet von den toten Zweigen befreien, Verblütes abschneiden und Schöllkraut und Brennesseln entfernen.

So sieht es nach 50 Minuten aus:17.08 (640x425) 17.08a (640x425)

Das habe ich alles herausgeholt!17.08b (640x425)

Noch einmal eine halbe Stunde später: Aus der Schubkarre voller Unkraut ist ein halber Sack Häcksel für den Komposthaufen geworden.17.38 (640x425)

Damit war dann auch schon Schluss für den Tag, denn dieser Haufen wartete auch noch auf den Häcksler.17.39 (640x425)

Nach zwei weiteren Stunden ist wieder Ordnung auf dem Kompostplatz und ich habe Feierabend.

In den nächsten Wochen könnt ihr hier auf dem Blog die weitere Geschichte der kleinen Terrasse mitverfolgen.

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Leben auf dem Dorf

Heute jätete ich vor unserem Haus an der Straße das Unkraut, als eine meiner „Lieblingsnachbarinnen“ von ein paar Häusern die Straße rauf auf mich zu trat. Sie wollte zu meiner direkten Nachbarin ( das ist die, mit der ich praktisch kein Wort mehr rede), die aber nicht öffnete. Es entspann sich folgender Dialog, den ich simultan übersetze:

Sie: Ich hätte sie heute fast nicht erkannt (Du siehts heute aus, wie der letzte Mensch (Ich hatte mückendichte Sachen an, Jeanslatzhose, Outdoorhemd,alter Lederhut, Stiefel))

Ich: Tach Frau X ( mich ostentativ dem Unkraut zuwendend)

Sie: Viel Unkraut, was? (Sieht echt schlampig aus, dein Beet)

Ich: Nein (ohne aufzublicken) (Lass mich bloß in Ruhe, mit dir rede ich nicht)

Sie: Das Gras ist ganz schön lang (Du musst hier mal mähen)

Ich: (keine Antwort, über das Unkraut gebeugt)

Sie: Das Gras ist ganz schön lang ( Mäh gefällgst!)

Ich:  (nachdem ich kurz über „Was geht sie das bitte an?“ nachgedacht habe):

Kann schon sein (ohne aufzublicken)( Geht dich gar nichts an, zieh Leine)

Letzteres tat sie dann auch , ihr Glück.

Dann erwischte mich meine Nachbarin am Komposthaufen, der einzigen Ecke im Garten, wo nur ein Maschendrahtzaun die Grundstücke trennt. Ich sah sie,  drehte mich sofort wieder um und fing an, Grasschnitt zum Mulchen auf die Schubkarre zu häufen.

Sie: Du musst das Zeug da vom Zaun abmachen, das ist giftig. Ich komme da ja nicht ran (Bilde dir ja nicht ein, du könntest mich ignorieren)

Ich (zu gut erzogen, um mich taub zu stellen, aber mit dem Rücken zu ihr) : Ich weiß.

Sie: Ich weiß, ich weiß, warum machst du es dann nicht?! (Schau mich an, wenn ich mit dir rede und gehorche gefälligst)

Mir reißt die Geduld. Zwei von der Sorte an einem Tag ist mehr, als ich verkraften kann. Ich: Mein Unkraut, mein Problem! (Du kannst mich mal!) Sie: Werd ja nicht frech mit mir!

Ich : —

Leider habe ich ihr nicht hinterher gelacht.