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In der letzten Woche ist endlich der Winter eingekehrt. Montags begehe ich den Fehler, meine Dachflächenjalousie aufzumachen. Böser Fehler, sie friert fest und lässt sich nicht mehr herunterdrehen.
Nach drei kalten Nächten und Helligkeit am Morgen, wenn ich ausschlafen dürfte, reicht es mir und ich stelle mich mit dem Fön auf die Leiter. Lamelle um Lamelle wird aufgetaut, endlich wird es wieder dunkel im Schlafzimmer.
Donnerstag Abend herscht Katastrophen-Panik in der Stadt. Beim Tanzen hören wir Berichte von leeren Regalen im Kaufland. Hallo? Es ist Winter, es wird Schnee geben, das ist normal!
Ich habe natürlich den ganzen Tag die Wettervorhersage im Blick behalten, ich muss am Freitag früh arbeiten und habe eine halbe Stunde Anfahrt, das kann unschön werden. Aber die Vorhersage passt. Die Schneemassen sind für die Mittagszeit angesagt. Die Schneefront, die dann durchkommt, würde man da wo ich herkomme nicht einmal als Schnee bezeichnen, das ist kaum mehr als ein Hauch davon.
Ich besuche noch eine Freundin. Als es dunkel wird, setzt endlich auch der Schneefall ein und als ich nach Hause aufbreche, sind schon ungefähr drei bis vier Zentimeter gefallen. Ich kenne mich mit Schnee aus und weiß, was mein Auto kann. Auf der nicht geräumten Autobahn krieche ich deshalb mit 50 km/h nach Hause. Ein kleiner Bremsversuch hat gezeigt, dass die Bremsen bei dem Tempo noch einigermaßen greifen. Auf der Strecke werde ich laufend überholt, besonders von LKW’s . Na großartig, ich kann nur hoffen, dass sie nicht vor meiner Ausfahrt zusammenkrachen! Diese Ausfahrt ist inzwischen von ungefähr 20cm Schnee bedeckt.
Als ich endlich zu Hause ankomme, steht schon mein Mann mit einer Schneeschaufel in der Aufahrt. Ich schnappe mir die zweite und wir legen gemeinsam Gehweg und Auffahrt frei.
Samstag Morgen schaue ich in ein Wintermärchen. Die Einfahrt ist komplett zugeschneit, auch der Garten. Meine Strohtiere auf der Türschwelle sind ganz versunken und die beiden Pullis, die ich beim Lüften vergessen habe, sind jetzt eher nicht zum Anziehen geeignet. Ich schiebe schnell den Gehweg, dann laufe ich zu meiner Schwiegermutter. Die soll sich nicht mit dem Schnee abplagen. Zum Glück hat der Nachbar bereits ihren Gehweg geräumt. Der Wind hat den Schnee vom Feld auf ihr Grundstück geweht, vor allem auf der Einfahrt und dem Weg zum Briefkasten. Daneben ist ein fast kahles Stück Rasen. Hätter der Wind den Schnee nicht dort abladen können?
Nach anderthalb Stunden bin ich fertig. Nachmittags schnappe ich mir die Kamera und mache einen Spaziergang.
Kater Friday begleitet mich ein Stück, dann wird es ihm doch unheimlich. Nein, in den Tiefschnee sollte er mich nicht begleiten, zumal ich keine Hand frei habe, um ihn nach Hause zu tragen.



Es ist still am Flies. Auf dem Eis sehe ich Ski-Spuren. Das wäre vielleicht auch etwas für morgen.
Neben mir raschelt das Schilf im Wind. Mein Schatten ist riesig.
Ich laufe an einem kleineren Graben entlang. Die ganze Landschaft ist sepiafarben.
Durch den Schnee entstehen aus den Gräsern am Wegrand neue, spannende Strukturen. Und dort blitzt sogar etwas Farbe im braun der Zweige.
Ein Bauer hat mit dem Trecker tiefe Spuren im Schnee hinterlassen. Mein Glück, denn in den Verwehungen geht mir der Schnee bis zur Wadenmitte.
Die Kühe auf der Weide drängen sich frierend um das Heu.
Diese Esche ist umgestürzt. Als im Frühjahr die Senke, in der sie wuchs, wochenlang unter Wasser stand, sind die Wurzeln abgefault. Jetzt schiebt sich der Stamm Zentimeter um Zentimeter auf den Weg, wie ein Lindwurm sieht er aus. Zum Schluss wird die Krone abgesägt.

Am Ende meines Spazierganges entdecke ich noch eine Mistel. Mistletoe, Dich hätte ich für das Weihnachtsfreudenbingo brauchen können!

Sonntag schnalle ich mir dann die Ski unter und laufe für anderthalb Stunden. Ich bin eine ungeübte Läuferin, seit Jahren hat es nicht mehr genug Schnee gegeben und ich habe es ohnehin nie richtig gelernt. Nach und nach bekomme ich ein Gefühl für die Bretter unter mir. Heute sind auf dem Fließ auch die Spuren mehrerer Schlittschuhe. Das wäre mir zu gefährlich, mit all den Ästen unter dem Schnee.
Zurück nehme ich den gleichen Weg wie am Tag zuvor. Im schwindenen Licht lässt der Schnee die Grenzen verschwimmen. Ist diese Wiese, die so unendlich wirkt tatsächlich nur knappe 300 Meter breit?
Dieser Beitrag wurde verlinkt mit Antetannis Jahresbingo 2026 und füllt das Feld Winter.



























