In der Weihnachtbäckerei

Zugegeben, Rolf Zuckowski gehört nicht zu meinen Lieblings-Liedermachern, und das gilt doppelt für sein Lied In der Weihnachtbäckerei. Aber wenn man hier in der Gegend Kinder groß gezogen hat, kommt man um dieses Lied nicht herum, darum kenne ich es natürlich.

Aber was ich beim Stollen dieses Jahr fabriziert habe, könnte mühelos aus diesem Lied stammen.

Alles fing ganz harmlos an, ich wollte das Rezept für den Erzgebirge-Weihnachststollen von Lutz Geißler nachbacken. Der verwendet ein Mehlkochstück, das ist so etwas wie ein Brandteig, der sehr viel Flüssigkeit speichern kann und den Stollen schön saftig macht. Das Mehlkochstück wird am Vortag angesetzt, ebenso die Trockenfrüchte, die in Rum eingelegt werden. Auch die Butter wird am Tag zuvor mit Zucker und den Gewürzen vermischt, das ist sinnvoll, denn so können sich die ätherischen Öle gut verteilen. Und ein kleiner Vorteig mit wenig Hefe, der lange reift, das kenne ich schon von den Sonntagsbrötchen.

Soweit, so gut. Die erste böse Überraschung erlebe ich, als ich die ganzen vorbereiteten Zutaten am nächsten Tag mit noch etwas Mehl und ziemlich viel Milch zusammen in meine Rührschüssel gebe. Die Menge – ich habe das Rezept auf 1,6kg heruntergerechnet, das reicht für einen kleinen Stollen für meine Schwester und mich, denn unsere Familien schätzen dieses wunderbare Gebäck nicht, selber Schuld! – die Menge also ist für meine große Küchenmaschine viel zu gering, der Knethaken versagt komplett und in der Schüssel entsteht anstelle eines „sehr weichen Teiges“ eine kaum gemischte Matschepampe. Ich hole also das Rezept meiner Mutter hervor, passe die Mehlmenge der zugefügten Milch an ( nicht ganz, ich habe da ja das Mehlkochstück). Dann fällt mir ein, dass ich auch die Buttermenge sowie die Hefe erhöhen sollte, und ein paar mehr Trockenfrüchte wären auch nicht verkehrt. Nach Gefühl und Augenmaß ergänze ich die Butter, ungefähr 70g sollten reichen, werfe noch eine Handvoll Rosinen und Zitronat zu denen, die bereits im Rum baden dürfen und gebe den Rest der Hefe dazu. Die Mandelmenge entspricht der, die meine Mutter immer genommen hat, Geißlers Rezept hat da im Verhältnis mehr drin. Der Teig hat eine gute Konsistenz, so wie ich es von Stollenteig kenne, er verträgt noch etwas Milch, dann darf er gehen.

Die Früchte knete ich von Hand unter. Die Stollen lassen sich gut formen, zerlaufen im Ofen aber ziemlich. Jetzt wird der noch heiße Stollen großzügig mit zerlassener Butter bepinselt. Nach der dritten Schicht bleibt genug Butter auf der Oberfläche stehen, dass ich ihn mit Zucker und etwas Vanillezucker bestreuen kann. Butter und Zucker bilden eine Schicht, die den Stollen am austrocknen hindert. Zu spät fällt mir ein, dass ich auch die Unterseite hätte buttern müssen. Egal, ich gehe ohnehin davon aus, dass der Stollen dieses Jahr eher eine Shortbread-Konsistenz haben wird.

Am nächsten Tag wird er dick mit Puderzucker eingestäubt. Statt zwei kleinen sind durch meine „Rezepterweiterung“ drei mittlere Stollen entstanden, sie werden in Frischhaltefolie und Alufolie verpackt und einer macht sich gleich auf die Reise zur Schwester.

Ich kann mich nicht zurückhalten und probiere einen kleinen Kanten, bevor ich meine Stollen einpacke. Lecker, aber zu trocken.Was habe ich auch erwartet?! Egal, kommt beim Essen noch mehr Butter drauf, und im Notfall wird getunkt. Ein bisschen enttäuscht bin ich trotzdem und hoffe auf ein Stollenwunder. Er muss nämlich noch eine Woche liegen, um durchzuziehen.

Nachtrag: Es ist der zweite Advent und der Stollen wird angeschnitten. Und was soll ich sagen: Locker, relativ saftig und sehr lecker, genau so wie ich ihn mag.

Damit darf ich erfolgreich das Feld In der Weihnachtbäckerei von Antetannis, Ingrids und Starkys Weihnachtsfreuden-Bingo ankreuzen.

8 Kommentare

  1. Ach Du meine Güte! Stollenbacken mit Hindernissen…. Aber wenn es zum Schluss doch schmeckt ist ja alles gut.

    Ich gestehe: ich backe keine Stollen. Könnte ich ja mal versuchen.

    LG

    Elke

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  2. Stollen zählt jetzt nicht unbedingt zu meinen Favoriten an Weihnachten, außerdem bin ich gegen die ganzen Nüsse oder Mandeln da drinnen allergisch, weshalb auch die meisten Makronen von vornherein ausscheiden. Aber: Was ich liebe, sind Kokosmakronen, von denen habe ich heute gleich 80 Stück gebacken, nach zwei unterschiedlichen Rezepten.

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  3. na.. Ende gut alles gut 😉
    ich habe früher immer Stollen von meinem Cousin aus Leipzig geschickt

    bekommen.. und einmal habe ich selber einen gebacken.. das war mir aber zu viel Arbeit .. daher blieb es bei dem einen

    adventliche Grüße

    Rosi

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  4. Stollen backt hier mein Mann, allerdings hat er den letzten vor Jahren gebacken. Gelernt habe ich von ihm, dass man Geduld braucht, weil der Stollen eben durchziehen muss. Schön, dass deine Stollen beim Anschneiden also doch saftig waren.
    Liebe Grüße
    Anita

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  5. Bei deinem Post musste ich ein bisschen grinsen. Manchmal läuft es einfach nicht 🙂 Aber wie schön, dass es ein happy End gab. LG Starky

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