Kraut: Rosenkrieg

Heute geht es der Bobbie James an den Kragen. Diese Rose ist einfach zuviel von allem: Zu groß, zu stark wüchsig, zu stachelig. Gegen Stacheln habe ich grundsätzlich ja auch nichts. Ich weiß, dass es kein Licht ohne Schatten gibt. Aber diese Rose kriegt andauernd Mehltau, der Duft ist mäßig, der Wuchs übermäßig. Bei der Blüte in diesem Jahr war sie außerdem auch noch sehr unterdurchschnittlich.

Letzteres ist natürlich meine Schuld, sie hätte schon vor drei Jahren einen Verjüngungsschnitt bekommen müssen, und das Totholz habe ich auch schon seit Jahren nicht mehr herausgeholt. Ich will aber auch keine Rose auf der 3,50m hohen Pergola alle zwei Jahre schubkarrenweise von Totholz befreien müssen. Also wech mit, wie man so schön in meiner Heimat sagt.

Wie ich bereits an anderer Stelle erwähnte, bin ich zu 98% sicher, dass Dörnröschen von seiner bösen Fee hinter einer Bobbie-James-Rose versteckt wurde. Bei Grimms weichen die Ranken dann zum richtigen Zeitpunkt vor dem richtigen Prinzen ganz von selber zur Seite. Ich bin aber kein Prinz und hundert Jahre will ich schon gar nicht warten.

In der hinreißenden, witzigen deutsch-englischen Kauderwelsch-Fassung, die mir meine ebenfalls hinreißende und geistreiche Schulfreundin vor vielen Jahren geschrieben hat, heißt es: „The prince took out his Geheimwaffe, a Black&Decker-vorwarts-rückwartz-Hieb-and-Stich-Säg“, um erfolgreich die Rosenhecke zu bezwingen. So etwas Feines habe ich leider nicht, aber ich bewaffne mich mit einer handelsüblichen Heckenschere und für die dicken Zweige einer Astschere. Meinem gequälten Ellenbogen (reiche Leute sagen Tennisellenbogen, der Mediziner nennt es Epicondylitis humeri radialis) möchte ich die Rosenschere nicht mehr als unbedingt nötig zumuten. (Wen’s interessiert: Ich habe Himbeeren gepflanzt und im großen Stil Boden ausgetauscht. Also eher ein Spaten-Ellenbogen.)

Ich fuchtele also mit meiner Heckenschere wie Red Sonja mit ihrem Schwert in der Rose herum. Nach anderthalb schweißtreibenden Stunden sieht das ganze so aus:

Der Unterschied zu vorher scheint mir nicht allzu groß. Aber nach weiteren anderthalb Stunden am Häcksler (Notiz an mich: unbedingt schärfen lassen), habe ich erstaunliche zwei Schubkarren voller Häcksel, die schnellstmöglich auf die Blumenbeete verteilt werden sollen.

Ich sage ja: Diese Rose ist einfach zuviel.

Eine Nachfolgerin ist übrigens bereits fast ausgesucht. Auf dem Rückweg von unserem Urlaub waren wir im Europa-Rosarium in Sangerhausen mit der größten Rosensammlung der Welt und haben dort vier Kandidatinnen für die engere Wahl gefunden.

Nachtrag: So hübsch kann die Bobbie James übrigens aussehen, wenn sie mit einer Mauer im Rücken ihre Blütenpracht präsentiert ( und keinen Mehltau hat). Dieses Exemplar bleibt übrigens drin.

2 Kommentare

  1. Auch wenn der Kampf mit Bobbie James vermutlich anstrengend war, ist die Vorstellung, wie Du mit einem Schwert aka Heckenschere vor einer Rose wild herumfuchtelst, ziemlich erheiternd. You made my day. Gegoogelt sieht das Ungetüm übrigens ganz hübsch aus… Ich hoffe, es geht Dir gut und Ihr hattet einen schönen Urlaub. Lieben Gruß Manuela

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    • Stell Dir das ganze in 3 Metern Höhe auf der Leiter vor, dann hast Du das ganze Bild. Eigentlich ist sie wirklich hübsch, ich muss noch mal ein Bild suchen. Der Urlaub war sehr schön, eine Woche ein bisschen Wandern, eine Woche Kammermusikfestival „Fließen“ im Spreewald.:)
      Liebe Grüße, Stefanie

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