MMM im Bürzelrock (Burda 115 -01-17)

Willkommen bei „Vom Winde Verweht im Spreewald“.Ich zeige heute den Bleistiftrock aus der Januar-Burda, hier  noch einmal ohne Haare im Gesicht.Der Rock mit den interessanten Faltenpartien im eingesetzten Seitenkeil und dem Godet im Rücken hat mich vom ersten Blick an fasziniert. Insgesammt dreimal ist er im Heft und kein einziges Mal wird die Kehrseite gezeigt, das gab mir dann doch zu denken. Wohlmöglich sah das Godet wie ein Bürzel aus?

Ute hat dann  bei der Annäherung den Rock genäht und siehe da, es gab keinen Bürzel. Sie hatte einen grünen Karo-Stoff dafür verwendet, und ein Rest eines ähnlichen leichten Flanells lag auf dem Tauschtisch. Also habe ich frech ihren Rock kopiert. (Merke: Nachahmung ist die höchste Form der Schmeichelei).Hier die windige Rückansicht. Leider hatte ich Ute nicht so genau zugehört, als wir über die Größe sprachen und mir irgendwie etwas von „enger machen“ gemerkt. Ich habe dann munter in Größe 36 zugeschnitten und genäht und den fertigen Rock kaum über die Hüften bekommen! Nachdem ich alle Nähte wieder aufgetennt und auch den letzten halben Zentimeter herausgelockt habe, passt der Rock aber perfekt. Das (oder der?) Godet wird mit einem Stück Futter unterlegt, das nur so breit ist, wie die Lücke im Rock, so dass der Rock seine Form behält. Das Futterstück endet aber eine Handbreit oberhalb des Saumes, so dass man sich im Rock sehr gut bewegen kann. Mit dem Schnitt könnte ich mich glatt an enge Röcke gewöhnen. Die interessante Faltenpartie an der Seite gefällt mir auch, und ich würde gerne mit dem Rock in Serie gehen, dann müsste ich aber erst einmal den Schnitt aufs neue auskopieren, dafür fehlt mir gerade die Zeit und Lust. Stoff hätte ich ja schon noch da…Nett ist, dass man wegen der vielen schrägen Nähte sich kaum Gedanken um die Karoverarbeitung an den Seiten machen muss, nur die Rückwärtige Mitte ist halt etwas tricky. Burda sieht eine höhergesetzte Taille und eine Länge unter das Knie vor, ersteres mag ich nicht, für letzteres war ohnehin nicht genug Stoff da. Der Reißverschluss ist verdeckt eingesetzt, und oben gibt es einen Haken mit einer genähten Schlaufe, ganz so, wie man es vor Erfindung von Nahtreißern gemacht hat. Ich habe noch alte Reißverschlüsse, die ich auf diese Weise gut verbrauchen kann. Eigentlich steht er auch nicht so ab, das sieht auf dem Foto nur so aus.

Der Rock ist das erste Teil meiner neuen Kollektion passend zur roten Strumpfhose und wird heute beim Me Made Mittwoch gezeigt.

Dort zeigt Sibylle ihre neue Latzhose und es gibt wie immer tolle selbstgenähte Kleidung zu bewundern.

Pussy-Hat am Frauentag

Hier im Osten ist heißt der 8. März „Frauentag“. „Früher haben wir immer Fresien im Betrieb bekommen“, erzählte mir einmal eine ältere Kollegin. Als im Westen der Republik Aufgewachsene bekam ich damals große Augen.

Ich begehe den Weltfrauentag heute mit einem nigelnagelneuen Pussy-Hat, schnell gestrickt an den letzten drei Abenden.Dazu trage ich noch zwei weitere Strickstücke, die gänzlich unverbloggt (!) sind , lauter Premieren. Der 1960’s Coat ist ein bereits mehrfach gezeigter Freund. Es liegt halt in der Natur von Jacken und Mänteln, dass man sie quasi in Dauerschleife trägt. Die Lace Stola ist im Sommer gstrickt worden, und im Anschluss zeige ich eine Art Mini-Tutorial für die garstigen Noppen, aus denen sie zum größten Teil besteht. Das Muster „Soft Spring“ von Drops ist natürlich so schön, dass sich die ganze Mühe gelohnt hat, aber das mache ich nie wieder!

Der Pussyhat passt prima zum Innenleben des Mantels und auch zum vor ein paar Wochen während einer Grippe fertiggestellten Herbstjäckchen. Letzteres ist wohl doch ein bisschen zu kurz zur Hose und ich sollte es besser nur zu Kleidern tragen, bei denen dann keine Bauchröllchen blitzen können.

hier kann man das Gladiolenmuster etwas besser erkennen

Bleiben nur noch die Hose und das weiße Shirt zu nennen. Als ich fertig angezogen war, stellte ich fest, dass alles bis auf Unterwäsche und Strümpfe selbst genäht ist, das fühlte sich schon echt gut an!

 

„Schöne Mütze“ sagte eine Kollegin zur Begrüßung. „Das ist keine Mütze, sondern ein politisches Statement“, war meine Antwort. Ein Zeichen gegen Sexismus, böse Präsidenten und der Solidarität mit allen Frauen, denen es in jeglicher Hinsicht schlechter geht, und deren Rechte (im wahrsten Sinne des Wortes) mit Füßen getreten werden.

Aber es ist eben auch eine Mütze, und ich freue mich total, dass etwas, das eigentlich als nicht  ganz ernst gemeintes Kleidungsstück gedacht war, mir so gut steht. Endlich mal ein Mützenschnitt, den ich tragen kann!

Ich habe die Brigitte-schnell-schnell-Anleitung genommen, aber aus Zeitmangel das Rechteck kürzer gestrickt und dann statt die Längs-Kanten unten bzw oben zu verwenden, sie als Seitennähte genommen. Weil ich sehr locker abkette, war es kein Problem, die kurzen Kanten unten zu haben, es dehnt sich alles prima. Im Gegensatz zur Anleiltung liegt die Mütze schön eng am Scheitel an, nur die Öhrchen stehen ab, so gefällt es mir. Es werden mit Sicherheit noch Mützen nach diesem Schnitt mit anderen Farben und anderen Strickmustern folgen.

Beim heutigen MMM kann man jede Menge Pussy-Hats mit den dazugehörigen Gesamtoutfits sehen.

Hier kommt nun das versprochene Mini-Tutorial zu den Noppen:

In der Anleitung steht, dass man mit abwechselnden rechten Maschen und Umschlägen aus der selben Masche 7 Schlaufen von ca. 1cm Länge stricken soll. Wie das mit den dünnen Nadeln und dem dünnen Garn mit einem vertretbaren Aufwand hinbekommen soll, ist mir ein Rätsel. Ich bin bereits an der ersten Test-Noppe verzweifelt. Und dann habe ich mir folgenden Trick ausgedacht:

Um genügend lange Schlaufen zu bekommen, verwende ich eine Hilfsnadel (hier eine Zopfnadel)

Dann fädele ich die sieben Maschen auf eine Büroklammer. Das geht ganz leicht, weil ich sie zwischen den beiden Nadeln durchschieben kann.Das sieht dann so aus.

Auf der Rückreihe kann ich das Maschenbündel mit der Büroklammer (im Bild schwarz nachgezeichnet) etwas aufziehen, so dass ich die Nadel zum links stricken hindurchschieben kann. Der Faden wird durchgezogen und am Ende wird die Büroklammer entfernt.

Noppe fertig

Danke an meinen lieben Mann, der diese Phasen-Fotos im Urlaub gemacht hat.

Ich verabschiede mich in die Nacht und zum MMM.

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FJKA: Vorstellung

Kaum habe ich es geschafft, meine Pläne aufzuschreiben, ist auch schon der nächste Termin des FJKA herangeeilt. Am Freitag habe ich noch schnell meinen Beitrag gepostet, aber schon am Samstag ist die Entscheidung gefallen: Bei strahlendem Sonnenschein und gelb leuchtenden Krokussen auf dem Beet konnte ich ja nur die gelbe Wolle mit dem Anemonen-Muster auswählen.

Krokus

Ich habe mich dann auch gleich vor der Gartenarbeit eine Stunde lang in die Sonne gesetzt und eine Maschenprobe angefangen, die ich gestern fertiggestellt habe.Maschenpobe Dabei habe ich nicht nur ausprobiert, wie ich die Blüten verteilen will, strickschriftim Buch sind sie mir nämlich zu dicht. Vier Maschen und vier Reihen wie unten in der Probe finde ich jedoch zu weit, also habe ich mich für zwei Maschen und zwei Reihen entschieden. Außendem habe ich noch getestet, wie ich die Kanten stricken will. Ich werde die Knopfleisten gleich anstricken, um keine Angst haben zu müssen, dass die Wolle am Ende nicht reichen könnte. Zum Einfassen der Maschenprobe habe ich also rechts und oben kraus-rechte Maschen und unten und links Perlmuster verwendet. An der Seite macht das Perlmuster einen stabileren Eindruck, deshalb nehme ich es für die Knopfleisten, aber unten werde ich den Rand kraus rechts stricken, das sah irgendwie gleichmäßiger aus.

Dann gab es noch eine kleine Mathe-Stunde: Ich habe einen Jackenschnitt herausgesucht bzw aus diversen Schnitten von Drops und aus der Rebecca zusammengestellt und dann die Quadratzentimeterzahl grob überschlagen = knapp 6500 cm^2 bei großzügiger Berechnung.Der EntwurfDann habe ich die Maschenprobe ausgemessen und gewogen. Wenn ich nichts falsch gemacht habe, sollte ich für das Jäckchen ungefähr 166g Wolle brauchen. Ich habe 210g, also wird es reichen. Jetzt muss ich nur noch die Maschenzahl für die Jacke berechnen, die Höhe wird während des Strickens gemessen, dann kann es losgehen.

Luise und Sylvia haben schon ganz viel gestrickt und auch gerechnet. Was sie und die andern stricken und wie weit sie schon sind kann man auf dem MMM-Blog nachlesen.

FJKA – Frühlingsjäckchen 2017

Nachdem ich gerade vor vier Wochen im Bett mit Erkältung mein Herbstjäckchen fertig gestrickt habe, stürze ich mich gleich wieder in ein betreutes Strick-Projekt und nehme teil am Frühlings-Jäckchen-Knit-Along. Heute geht es um Inspirationen, eventuelle Wollauswahl und einen Plan. Pläne finde ich immer gut, und bei Inspirationen darf man einfach mal unrealistisch herumträumen, das ist auch gut.

Wenn ich realistisch an die Sache herangehe, sollte ich als ausgewiesenen Langsam-Strickerin wohl besser das angefangen Alpaka fertigstellen. Es ist ein Re-Knitt einer Jacke, die ich vor einem Jahr verloren habe,

und ich habe auch schon stolze 12 cm von Vorder-und Rückteil (ich stricke beides in einem und teile erst bei den Armlöchern) fertiggestellt. Dann habe ich die Arbeit unterbrochen, um einen dicken Pulli aus dem Rowan-Magazin anzufangen,dsc_0162 bei dem eine Reihe einen halben Zentimeter hoch ist, um einen schnelleren Erfolg zu produzieren. Wenn ich die Jacke wieder aufnehme, ist sie sicher zum Herbst fertig, wenn sie gebraucht wird, bei der Frühlings-Jacke habe ich gewisse Zweifel, ob ich das Projekt im Zeitrahmen bis zum 16. April fertig bekomme.

Aber hey, realistisch sein ist ja so langweilig! Außerdem habe ich das perfekte Muster für eine Frühlingsjacke gefunden. inspiration

Das Magazin habe ich zwar nicht, aber einen passenden Schnitt zu finden und dann zu berechnen ist ja keine große Kunst. Das Muster habe ich auch schon identifiziert, im heiligen Schachenmayr-Lehrbuch von 1939 heißt es „Anemone“ .strickschrift

Ich habe aus den niedergeschriebenen Reihen eine Strickschrift erstellt, und so sieht es gestrickt aus:nadelstarkentest

Für die Wolle hatte ich keine Banderole, daher habe ich verschiedene Nadelstärken getestet, von unten nach oben: 4; 3,5 und 3, und das oberste Maschenbild gefällt mir am besten. Sie  stammt aus dem Fundus meiner Mutter und war bereits einmal verstrickt. (hier wickele ich sie gerade auf) Koffer Rock 2

Das Garn ist ein ziemlich kratziges Mohairgarn, ich hoffe, dass ich die Jacke am Ende auch noch tragen will. Morgen werde ich die Probe einmal auf einer genauen Waage auswiegen, dann kann ich berechnen, wieviele Quadratzentimeter ich aus meinen etwas über 200g Wolle bekomme und den Schnitt entsprechend entwerfen. (soviel zum Thema träumen!)

Ich hätte durchaus auch Lust, eine Hetty zu stricken, für die Mohair-Wolle hat sie mir aber zu viele Löcher. Ich habe aber noch eine hellrosa Drops Love You aus recycling-Baumwolle da, dsc_0160die ich in einem Anfall von geistiger Umnachtung gekauft habe, denn rosa passt eigentlich überhaupt nicht in meinen Kleiderschrank! Aber für eine Hetty würde die gerade reichen und sehr hübsch sein.

Ich denke aber, dass es die gelbe Jacke wird, die Wolle liegt jetzt schon so lange aufbereitet da und eine Verwendung habe ich auch für eine gelbe Jacke.

Danke an Luise und Sylvia, die diesen Knit-Along , dieses Mal auf dem MMM-Blog moderieren. Der HJKA war schon eine so nette Angelegenheit, das wird es in diesem Frühjahr sicher auch lustig werden.

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MMM: Weite Hose und Shirt mit Schärpe

Heute trage ich eine weite Hose und ein Burda-Shirt, in das ich mich sofort, als ich die November-Burda im letzten Jahr sah, schockverliebt habe.mmm-22-02-17-5

Über die Entstehung des Shirts (Burda 11/16, Nr. 105) habe ich bereits geschrieben. Als ich es in der Zeitschrift sah, dachte ich : Ausschnitt-Schlitz -ja, Schärpe und Schlitze in der Raglannaht – nein. Die Schärpe wollte ich aber dann doch mal probieren, der Stoff reicht, und ausgetrennt ist so etwas ja auch ganz schnell. Letztendlich durfte sie bleiben, und er Ausschnitt-Schlitz, den ich zunächst weglassen wollte durfte auch dazukommen. So einen Schlitz nachträglich in ein gefälteltes Oberteil zu nähen, ist keine Freude, allerdings war es ein Vorteil, die Schlitzlänge vor dem Spiegel festlegen zu können. Constanze fragte, wie das Shirt sich mit Strickjacken verträgt – ich würde sagen: Geht so, optimal ist es nicht.

mmm-22-02-17-3Das könnte aber an der Jacke (gekauft) liegen, der Kragen ist doch sehr merkwürdig. Ein Jäckchen wie aus der aktuellen Fashion-Style wäre da vielleicht besser.

Seit ich Kompressions-Strümpfe trage, sind enge Hosen nicht mehr wirklich geeignet für mich, denn die Beine krabbeln gerne an den Strümpfen hoch und kommen dann nicht mehr runter. Außerdem bin ich durch die wunderbare Krimi-Serie  „Miss Fishers mysteriöse Mordfälle“ von der Mode der End-20-er Jahre angefixt und für weite Hosen hatte ich schon immer eine Schwäche.

Über die Hose habe ich ebenfalls bereits geschrieben. Der Stoff von Marc Aurel in Verl war ursprünglich für eine ganz schmale Hose gedacht und ist für eine weite Hose nur bedingt geeignet, denn er ist relativ steif. Durch das Elasthan hat er sich nach 3 Tagen tragen auch noch ein Stück geweitet. Aber bis ich nicht weiß, ob die Kilos, die ich durch diesen Erkältungs-Winter verloren habe, nicht wieder zurück kommen, bleibt die Hose wie sie ist.

Der Schnitt ist übrigens auch von Burda, Nr. 6/2016, Modell 119. Die Taschen habe ich selber dazukonstuiert, das Anpassungs-Drama könnt ihr hier lesen.mmm-22-02-17-6

Mit dem Outfit reihe ich mich heute auf dem MMM, der Plattform für selbst eingekleidete Frauen und Männer, ein.

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Wintermantel Sew Along Finale der Herzen

Aktuelle Projekt: Einen Hosenschnitt abwandeln und anpassen

Aktuell befinde ich mich in einem regelrechten Näh-Rausch. Ich bin ungeheuer produktiv. Den Stoff, der gerade seiner Bestimmung zugeführt wurde, habe ich letztes Jahr bei der Annäherung bei Marc Aurel in Verl gekauft. Gedacht war er eigentlich für eine ganz schmale Hose, ein jeansartiger Jaquard mit reichlich Elasthan ( Elastizität 20%). Seit dem Sommer weiß ich aber sicher, dass meine Venen Kompressionsstrümpfe zwingend erfordern. Unter Hosen reichen zum Glück die Kniestrümpfe, aber enge Hosen krabbeln daran immer recht unschön hoch und kommen dann nicht wieder runter. Also sind weite Hosen künftig Pflicht (nicht dass mich das stören würde!)

Der Schnitt, den ich mir dafür ausgesucht habe, ist Burda 119-062016, eine Taillenhohe Schlaghose mit aufgesetzten Taschen, nicht jedoch ohne ettliche Änderungen daran vorzunehmen.

Als erstes habe ich den Schlag begradigt, der Schnitt ist ab den Knien ein wenig ausgestellt. Aufgesetzte Taschen fand ich schon immer doof für mich, alles, was man hineinstopft, drückt sich durch, und obendrein passt sowieso nichts hinein. Die gibt es nur in Ausnahmefällen. Da die Hose obenherum eng anliegen soll, verbieten sich Nahttaschen, also habe ich Hüftpassentaschen in den Schnitt konstruiert. Dabei habe ich gleich den Abnäher vorne in die Tasche verlegt.

hosenschnitt-anpassen-1

als erstes den Tascheneingriff markieren

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Dann wird der Abnäher an den Eingriff angezeichnet (rot). Das ist jetzt die Seitenkante des Vorderteils.

Beim Auskopieren habe ich auch gleich die Schnittänderungen, die ich bei meiner engen Jeanshose gemacht habe, übertragen. Die rote Linie in der vorderen Schrittnaht ist die Anpassung gegen die „Katzenbart“-Zugfalten, die sich sonst bei mir bilden.

Als letztes wird der Taschenbeutel konstruiert. Dazu wird die ursprüngliche Seitennaht kopiert (rosa) und dann der erste Tascheneingriff als Anstoßlinie eingezeichnet (rot). Jetzt wird die Anstoßlinie über die neue Tascheneingrifflinie geschoben und die Oberkante der Hose wird kopiert (schwarze Linie, die Abnäher sind bereits abgezogen.

hosenschnitt-anpassen-5 Wenn man den Taschenbeutel bis zur vorderen Mitte ziehen will (hatte ich ursprünglich vor) ist die Oberkante jetzt stärker gekrümmt, wie ein Formbund.

Die verwirrenden Linien unterhalb der Abnäher sind für eine einseitige Paspeltasche, mit der ich geliebäugelt habe und für die der Abnäher verlegt werden musste. Sie interssieren nicht für die beschriebene Schnittänderung.

Ich hatte auch beim rückwärtigen Hosenteil Schnittänderungen übertragen und dann einfach alles durchgenäht. Die Hose saß bei der ersten Anprobe fast perfekt, ein bisschen habe ich  noch an den Seiten abgenäht, voilà.

Bei einem unelastischen  Stoff hätte ich an dieser Stelle mit der Anpasserei aufgehört. Hier habe ich aber diese 20% Elastizität und hatte das Gefühl, dass die Hose etwas rutscht. (Die Falten unter dem Po kommen von den zu langen Beinen. Auf dem Bild scheint die Seitennaht oberhalb der Hüfte abeknickt zu sein, das ist aber der Tascheneingriff.) Ich nahm also in den Seitennähten und in der vorderen Mitte insgesamt 3cm weg. Dann nähte ich den Bund an, der natürlich durch die Einlage nur noch eine Elastizität von 10% hatte.

Ihr könnt Euch denken, was folgte: Alles wieder aufgetrennt! Dann habe ich die (zusammengeheftete, bin ja lernfähig) Hose einen halben Tag getragen und und die Seiten wieder abgehäht. Bin ich froh, dass ich bei Mema über den an den Seiten geteilten Hosenbund gelesen hatte. So genial!

Ehrlich gesagt sieht man auf dem Foto den Unterschied zu oben nicht wirklich.

Den Bund habe ich dann doch noch einmal mit elastischem Stich festgenäht und dann die Heftfäden und die erste, feste Naht entfernt. Merkt man sofort. Ich habe ihn vorne in der Mitte, zu den Seiten auslaufend, auch noch einen Zentimeter tiefer gelegt. Dadurch kommt der Schritt nach oben und das runterrutsch-Gefühl ist weg. Auf dem oberen Foto kann man ja auch sehen, dass meine Taille vorne etwas absackt. Im Spiegel war das anders!

Die zur Mitte durchgezogenen Taschenbeutel habe ich wieder abgeschnitten. Das Futter ist unelastisch, das funktioniert hier nicht. Auf dem Foto kann man auch den Grund für den etwas merkwürdig aussehenden Schritt sehen: Als faule Socke habe ich erst die Mittelnähte und dann in einem rutsch die inneren Beinnähte genäht. Was bei Pyjamahosen geht, klappt hier natürlich nicht, die Nahtzugaben ziehen und das Ganze wirft Falten. Also doch beim nächsten Mal das eine ins andere Bein stecken und sauber arbeiten.

A propos faul: Diese Hose ist mit dem Nahtreißer in der Seitennaht das perfekte Modell für die faule Schneiderin. Wenn man auf stundenlange überflüssige Anpassungen verzichtet ist sie unheimlich schnell genäht. Zum Glück ist dieser Stoff so robust, dass er mehrfaches nähen, auftrennen und wieder nähen problemlos verziehen hat. Nur das Schleudern nach der Wäsche ist ihm nicht so gut bekommen, ich hoffe, dass die weißen Streifen in der nächsten Wäsche verschwinden, wenn ich die Hose tropfnass aufhänge.

Heute, nachdem ich die Hose seit Sonntag trage, ist sie noch ein bisschen weiter geworden, das wird sich in der Wäsche sicher wieder geben. Ich lasse das erst einmal so, bei den vielen Erkältungen in diesem Winter habe ich Gewicht verloren, das sicher wieder dazukommen wird.  Dann will ich nicht gleich wieder auftrennen müssen!

 

EeMerken

Aktuelles Projekt:Burda 11/2016 Shirt 105

Nachdem ich bei der Annäherung und danach so viel Zeit auf meine Caban-Jacke verwendet hatte, ist bei mit der Wunsch nach schnellen Erfolgserlebnissen aufgekommen. Die schnell genähten Pyjamas der letzten beiden Wochen ( 2 1/2 , einer davon schon verbloggt) haben mir gezeigt, dass Shirts das perfekte Projekt dafür sind. Bei einer bestehenden Oberteilschwäche sowieso.

Aktuell nähe ich also ein Shirt aus der letzten November-Burda.burda-105-112016-1

Schon beim ersten Durchblättern war ich davon begeistert, wollte aber die Schlitze in den Raglannähten und das Schärpengedöns weglassen. Stoff dafür gab es auch, ein weicher wollweißer mittelschwerer Interlock aus Viskose mit Elasthan.

Es lohnt sich übrigens auf den Link zu Burda zu klicken, denn dort ist das Shirt noch einmal viel besser fotografiert. Möglicherweise sollte man  immer bei Burda nachsehen, wenn ein Modell im Heft so unmöglich abgebildet wird, dass man gar keine Details sehen kann, ich werde das einmal beobachten!

 

 

burda-105-112016-2Das ist der aktuelle Stand. Ich hatte mich zuerst auch noch gegen den Schlitz am Ausschnitt entschieden, das Bindebandgedöns aber probeweise mit eingeheftet.

Eigentlich gefallen mir die Bindebänder ganz gut, aber selbst bei einem Doppelknoten sind sie auf jeden Fall 5-10 cm zu lang. Der Schlitz darf doch in den Aussschnitt einziehen, sonst sieht das ganze zu langweilig aus. Endgültige Entscheidungen wegen der Bindebänder werde ich aber erst treffen, wenn ich den Ausschnitt fertig gemacht und die Ärmel gesäumt und das Gummiband eingezogen habe.

Ich kann mir den Schnitt auch gut als Bluse aus einer leichten Viskose vorstellen, dann vermutlich aber ohne die Bindebänder und in den Rockbund gesteckt.

Frühling auf dem Fensterbrett

Draußen ist alles Wintergrau. Nicht einmal Schnee haben wir, wenn man mal von den zusammengeschobenen Haufen absieht, die nicht aufgetaut sind. Die Wiesen und Felder sind kahl, das Gras hat eine ungesunde beige Farbe und es herrscht Dauerfrost, der unangenehm unter den Mantel kriecht.

Als ich im letzten Jahr mein Staudenbeet umgestaltet habe, habe ich eine Menge Krokuszwiebeln ausgegraben, um sie an einen neuen Standort zu versetzen. Leider kamen der Frost und eine Grippe, bevor ich alles in der Erde hatte. Der Rest gammelt im Schuppen als Eisklumpen vor sich hin und wartet auf einen sonnigen Tag, um aufgetaut und in die Erde versenkt zu werden. Letztes Wochenende gab es einen solchen Tag, und da habe ich einige Zwiebeln in einen Topf gepflanzt. fruhlingsboten

Auf dem Fensterbrett meines Arbeitszimmers sind sie flugs aufgeblüht. Morgen hole ich mir die nächsten herein, damit es weiter blüht, wenn diese vorbei sind.

Pyjamaparty am MeMadeMittwoch

Letzte Woche war ich krank. Nicht nur das banale Husten-Schnupfen-Halsweh-Geröchel, mit dem ich mich mehr oder weniger seit Anfang Dezember herumschlage, sondern richtig echt mit Im-Bett-Liegen und Tabletten schlucken, damit die Bettdecke nicht so weh tut.pyjamaparty-mmm-08-02-4

Meine alten, ausgeleierten Pyjamas waren nach 3 Tagen des Elends alle in der Wäsche, mir ging es etwas besser und da dachte ich : Der Stoff liegt doch schon gewaschen bereit, näh‘ dir doch endlich deine neuen Pyjamas. pyjamaparty-mmm-08-02-3

Schnitt auskopieren ging gerade so, dann war ich K.O. Aber jetzt bin ich wieder gesund, und zumindest ein Pyjama ist auch fertig. Ich hatte eigentlich nur Stoff für Hosen gekauft, aber mit geschickter Stückelung habe ich auch noch zwei Ärmel aus dem Stoff bekommen. Der restliche Stoff wurde mal für ein Tochter-T-Shirt gekauft, das nie genäht wurde. Die Bündchen stammen von der Annäherung, danke der Spenderin.

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Die Schitte für beide Teile stammen aus der Ottobre. Die Hose ist Nr.5 Loungers aus Ottobre 5/2011. Sie hat Taschen, weil sie als Freizeithose gedacht ist, aber das finde ich bei Pyjamas total praktisch. Für eine Schlafanzughose ist mir der Bund etwas zu niedrig, ich habe die gerne auf der Taille und ein bisschen lose im Schritt, darum habe ich oben 3cm dazugegeben (bzw ein Bündchen angesetzt). Die Weite gefällt mir bei diesem Pyjama gut, aber bei weiteren, die noch folgen sollen, werde ich ein paar cm in den Beinen zugeben. Unten am Saum habe ich für das Bündchen etwas eingekürzt, grundsätzlich wäre die Länge aber gut gewesen, sogar für meine langen Beine. Ich kann mir den unveränderten Schnitt glaube ich auch ganz gut aus Sweatshirt-Stoff vorstellen, als bequeme Lümmel-Hose.

pyjamaparty-mmm-08-02-5Das Oberteil ist die 4 aus der Ottobre 5/2013 und heißt „Basic Monday“. Es ist die Shirt-Variation des Schnittes, der auch als Kleid ausgelegt ist. Für einen Pyjama ist mir der Ausschnitt deutlich zu weit, deshalb habe ich mit Nahtzugabe zugeschnitten und ein Halsbündchen angesetzt. Mehr Zugabe ist bei einem Raglan-Schnitt nicht ganz unproblematisch, denn dann muss die Raglan-Naht angepasst werden, oder der Halsausschnitt steht wohlmöglich ab. Besonders bei diesem Schnitt ist das Risiko recht hoch, denn auf dem Ärmel sind Abnäher, die die Schulter extra ausformen. Im Schulterbereich sitzt das Shirt auch ausgesprochen gut. Im Original ist es deutlich tailliert, aber das mag ich bei Schlafanzügen nicht, also habe ich die Seitennaht begradigt. Der Schnitt hat aber deutliches Potential, und ich bin nicht abgeneigt, das eine oder andere Raglan-Shirt meinem Kleiderschrank zuzufügen.

pyjamaparty-detailsVon dem fast schwarzen Jersey hatte ich übrigens nicht genug, also habe ich im Rücken getrickst und ein Stück angesetzt. Innen habe ich dann von dem bunten Stoff etwas gegengesetzt, jetzt weiß ich auch ohne Brille, wo vorne und hinten ist. Leider hat meine Ovi (Babylock) beim Covern Stiche ausgelassen, daher ist die Ziernaht nicht so professionel geworden, wie ich es mir gewünscht hätte. Weiß irgendjemand, woran das liegen könnte?

Beim heutigen MeMadeMittwoch gibt Meike ihre „Abschiedsvorstellung“ als „Vortänzerin“. Nachdem ich sie 2015 in dieser unsäglichen Nähsendung erlebt habe, war ich sehr froh, sie auf der Annäherung 2016  im persönlichen Gespräch näher kennen zu lernen und festzustellen, was für eine tolle Frau sie doch ist. Sie hat den MMM wunderbar mit moderiert und wird mir dort sehr fehlen. Wie gut, dass man sie ( und auch Karin und Constanze, um die beiden mit zu erwähnen) immer noch auf ihren Blogs lesen kann.

Wintermantel-Sew-Along: Finale der Herzen

cabanjacke-1

Gestern ist sie endlich fertig geworden: Meine Cabanjacke. Zur Erinnerung: Ich habe Modell 104 aus Burda 9/2015 genäht. auswahl-der-schnitmuster

Wie man unschwer auf dem Bild erkennen kann, ist das Modell eher als Kostümjacke gedacht, und deshalb habe ich sie ein Paar Nummern größer genäht:

  • eine Größe für den dicken Pulli, der drunter passen muss
  • eine Größe für die Membranwattierung
  • eine Größe, weil es eine Winterjacke ist

und so wurde aus einer Größe 38 eine Größe 44. Im Nachhinein würde ich sagen, dass eine Größe 42 wohl gereicht hätte, ich habe die Knöpfe 2,5 cm versetzt, damit die Jacke doch etwas schmaler wird.

Genäht habe ich auf der Annäherung in Bielefeld, nachdem ich vor Weihnachten absolut nicht dazu gekommen bin. Am Sonntag war die Außenjacke genäht und gesäumt, die Ärmel waren bereit wieder an den Teilungsnähten aufgetrennt, weil sie mir zu eng erschienen und das Futter war auch schon fertig.

Trotzdem habe ich noch zwei Tage gebraucht, um alles fertig zu bekommen!

Die maximal weit gemachten Ärmel waren dann doch zu weit, die Tochter verglich mich mit Momo in ihrer zu weiten Jacke, also habe ich sie noch einmal aufgetrennt, und statt sie 2,5cm weiter zu machen, habe ich sie nur um 1cm erweitert. Aber dieser eine Zentimeter macht den Unterschied zwischen „beweglich“ und „eingeschnürt“ aus, man sollte das kaum glauben.

Die Schulterpolster mussten auch noch eingepasst werden, und dann entdeckte ich eine Falte in der Kragenansatznaht, die auch mehrfaches Trennen und Zusammennähen erforderlich machte. Das Futter selber war dann relativ schnell drin. Ich hatte die Jacke in der Mitte der Saumzugabe mit Blindstichen und der Nähmaschine gesäumt, und auf die überstehende Nahtzugabe wurde dann das Futter aufgesteppt. Dadurch brauchte ich nur wenige Handnähte im Bereich des Schlitzes und der vorderen Besätze zu machen. Ich hasse Handsäumen!

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Einen Innenknopf habe ich auch angebracht, bei doppelreihig geknöpften Jacken und Mänteln ist das einfach schöner, weil dann der Mantel besser sitzt.

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Die Knopflöcher hat die Maschine nach einigen Kämpfen auch ganz tadellos genäht. Allerdings ging das nicht mit der Automatik, und so habe ich nach 18 Jahren, die ich diese Maschine schon habe zum ersten mal halbautomatische Knopflöher gearbeit. In Zukunft werde ich das wohl öfter machen, denn dann kann ich die Stichdichte bestimmen, das wusste ich noch nicht. (merke: es lohnt sich, eine Bedienungsanleitung immer mal wieder zur Hand zu nehmen!)

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Die Membranwattierung  hat mich beim Nähen an den Rand der Weißglut getrieben. So schön mollig, weich und angenehm sie zu tragen ist, so besch…eiden ist sie zu verarbeiten. Hätte ich die  alle Flüche auf der Annäherung laut ausgesprochen, die ich stumm vor mich hingedampft habe, hätten die Mitnähereinnen an meinem Tisch sicherlich ein paar neue Wörter in ihrem Wortschatz mitgenommen!

Das Zeug fasst sich so klebrig an, wie Spinnweben, sammelt jeden Fussel ein,

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und sieht nach drei Tagen herumschieben auf dem Schoß zum Nähen aus, wie ein mehrfach benutzter Billig-Wattepad. In dem Zustand hinterlässt es dann auch klebrige Fäden und Krümel, die man nur mit der Fusselrolle abkriegt.

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Habe ich noch etwas vergessen? Ach ja, bügeln kann man es nur unter einem (feuchten) Tuch, bei direktem Kontakt mit dem heißen Eisen schnurrt die Wattierung schneller zuammen, als man auch nur “ Huch“ denken kann. Dabei bleibt die Folie interessanterweise ganz, die Membran ist also deutlich unempfindlicher. Erfreulich war, dass weder die Nähmaschine, noch die Ovi, mit der ich die Membranwattierung und den Oberstoff zusammengenäht habe, Transportschwierigkeiten mit dem Zeug hatten. Ich habe beide Stoffe als eine Lage verarbeitet, nur im Bereich der Saumzugabe und bei dem Teil des Vorderteils, der zum Revers umgeklappt wird, habe ich die Wattierung weggelassen. Sollte ich sie nochmal verarbeiten, und das werde ich mit Sicherheit, denn ich habe noch fast 2 Meter übrig von dem stinkiteuren Zeug, dann werde ich noch eine dritte Lage Wirkfutter spendieren, das ich auf die Wattierung lege, um eine unempfindliche, gut anfassbare Oberfläche zu erhalten. Das kann ich auch nur jedem anderen empfehlen. Keine so gute Idee wäre es vermutlich, die Watteseite auf den Oberstoff und die wetterdichte Membran auf der Futterseite zu haben. Der Hersteller empfiehlt, die Membran so weit nach außen wie möglich zu bringen, und wenn es regnet, wäre sonst die Wattierung voller Wasser und würde nicht mehr wärmen.

Insgesammt bin ich unheimlich zufrieden mit der Jacke. Ich liebe den Schnitt, die rote Farbe, und den ersten Kältetest hat sie auch schon bestanden: 1 1/2 Stunden draußen mit wenig Bewegung, bei 4° minus und nur einem dünnen BW-Rolli drunter ohne zu frieren. Auch der Aktivitätstest verlief zufriedenstellend: eine gute Viertelstunde Holzhacken in der gleichen Versuchsanordung ohne zu schwitzen.

Einige Finalistinnen haben sich schon bei Chrissy auf dem MMM-Blog eingefunden, hoffentlich bekommen die restlichen Herzens-Finalistinnen ihre Mäntel auch noch fertig, kalt genug ist es ja für eine warme Jacke.

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