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MMM: Lieblingskleid(ungsstück) 2017

Eine schöne Tradition beim MMM ist, das Lieblingskleidungsstück des Vorjahres am ersten Mittwoch des Jahres zu zeigen. Das birgt gleich mehrere Vorteile: Erstens sind alte Fotos erlaubt und für viele von uns ist das aktuelle Foto ja eine Hürde, die oft unüberwindlich zwischen uns und unserem Blogpost steht.

Zweitens, und viel wichtiger, erfordert die Entscheidung über das Liebling-Teil ein gewisses Nachdenken über das im alten Jahr Genähte und ist vielleicht auch Anstoß, um über das Nähen und Bloggen im allgemeinen und im besonderen nachzudenken.

Und dann ist da noch die Frage: Was macht ein Kleidungsstück denn überhaupt zu einem Lieblingsstück?

Die letzte Frage ist für mich relativ einfach zu beantworten: Ein Lieblingsstück ist bequem, hat eine Lieblings-Farbe, die mir gut steht, ist pflegeleicht, alltagstauglich und ich fühle mich darin schöner, besser angezogen und einfach toller, als in anderen Kleidungsstücken. Es versorgt mich mit Energie und guter Laune.

Im letzten Jahr hat genau ein Kleid alle diese Anforderungen erfüllt:MMM 10-05-17 (3)

Es ist aus der Januar-Fashion Style von  2017.

Allerdings gibt es noch ein weiters Kleidungsstück, das ich, seit es genäht habe, andauernd trage:MMM-08-03-17 (5)Diese Hose. Sie ist einfach ein Kleidungsstück, das ich dringend brauchte, um nicht nur in Jeans herumzulaufen. Allerdings ist sie einfach 2cm zu kurz. Das ärgert mich schon, seit ich sie die erste Woche getragen habe. Aber natürlich hatte sie sofort einen weißen Streifen an der Bruchkante, also konnte ich sie nicht einfach verlängern. Neulich machte sogar eine Kollegin eine boshafte Bemerkung darüber und da habe ich dann auch eine praktische Lösung für das Problem gefunden: ich werde einen Aufschlag annähen und damit die alte Bruchkannte verdecken. Jetzt dürfen die Stoffreste in jeder Wäsche mitschwimmen, damit sie den selben Auswaschungsgrad wie die Hose erhalten.

Wegen der Kürze ist fühle ich mich zwar nicht unbedingt besser angezogen oder toller darin, als in anderen Hosen, aber die Alltagstauglichkeit und der wirklich schöne Schnitt, der mir so gut gefällt, gleichen das aus, also : Lieblingsstück? Häkchen dran!

Beim durchsehen der Fotos in der Mediathek meines Blogs habe ich dann noch den Pyjama aus dem Januar gesehen. pyjamaparty-mmm-08-02-3Den hätte ich ja fast vergessen, dabei liebe ich ihn heiß und innig, und der einzige Grund dafür, dass ich ihn nicht morgens wasche, um ihn am selben Abend wieder anziehen zu können ist, dass ich ihn etwas schonen will, damit ich lange etwas davon habe.

Was mich zu den ersten Fragen bringt: Was habe ich überhaupt in diesem letzten Jahr genäht? Viel war es nicht, und das wenige fand auch größtenteils im ersten Halbjahr statt. Eine genaue Auswertung will ich noch machen, die gehört nicht an diese Stelle. Im Sommerurlaub habe ich zwar ganz viel zugeschnitten, aber nichts vernäht. Wie so oft, musste das Nähen hinter den Anforderungen des Alltages, der Familie, des Gartens und des Berufs zurückstehen. Ich bin nicht sicher, ob das O.K. ist, denn Näh-Zeit ist „Ich-Zeit“, also Zeit, in der ich mich um mich selber kümmere, und das ist im letzten  Jahr echt zu kurz gekommen. Das gleiche gilt für das Bloggen. Ich habe noch weniger gebloggt, als Kleidung gefertigt, denn ich habe mir zwei Jacken gestrickt, über die ich nicht eine Zeile geschieben habe, was schade ist, denn sie sind schön, und die eine davon schließt wieder eine Lücke in meinem Kleiderschrank.

Ich nehme mir für diese Jahr nur vor, mich besser um mich selber zu kümmern und mehr Sachen zu tun, die mir gut tun. Dabei wird dann vermutlich automatisch mehr Nähzeit anfallen und wenn ich, ohne mir Druck zu machen, auch noch darüber schreiben kann, werde ich das sicher tun.

Seit Mittwoch zeigen noch viel andere ihre Lieblinge aus dem letzten Jahr auf dem MMM-Blog. Ein schönes, erfolgreiches Näh-Jahr wünsche ich allen meinen Lesern und Leserinnen.

MMM: Fashion Style 1/2017 Kleid 24

Weil es einfach nicht warm werden will, habe ich mir noch schnell ein Kleid für die „Übergangszeit“ genäht:

Nr. 24 aus der Januar-Knip/Fashion Style. Aus einem Punto di Roma von Stoff und Stil entstand es in nur vier oder fünf Stunden.

Ein simples 3-Schnittteile Kleid, dessen Pfiff in dem aus dem Vorderteil hochgezogenen und dann umgefalteten angeschnittenen Stehkragen liegt. Durch eine kleine Drehung bilden sich beiderseits des V-Ausschnittes zwei Falten.Die scheinbare Taillennaht auf den Fotos ist eine optische Täuschung, hervorgerufen von den Taillengummis von  Strumpfhose und Unterrock. Im Schnitt ist eine unmotivierte vordere Mittelnaht vorgesehen, deren einziger Zweck zu sein scheint, dass man dann den Ausschnittbesatz auf der Nahtzugabe festnähen kann. Die habe ich gleich erstmal weggelassen und den Besatz unsichtbar mit zwei Stichen festgenäht. Im Rücken soll ein Reißverschluss sein, aber bei einem normal-stretchigen Jersey kann man getrost darauf verzichten und das Kleid einfach über den Kopf ziehen. Meinen Maßen nach Anleitung entsprechend habe ich unterhalb der Taille eine Gr. 38 und oberhalb der Taille eine Gr. 36 genäht und bin mit der Passform sehr zufrieden.

In der rückwärtigen Mitte wird die Naht zur Taille hin um einen Zentimeter eingestellt, um dann im Bereich des Gesäßes 1 1/4 cm ausgestellt zu werden. Das bedeutet in der Gesamtheit 2,5 cm mehr Weite über dem Po , die dann zum Saum hin wieder um einen cm verringert wird.

Dadurch, und durch die langen Abhäher, die durch die Taille gehen, schmiegt sich der Stoff im Rücken wunderbar an und dieser Hohlraum im Bereich der Lendenwirbel, den man so oft bei Kleidern findet, deren Rückenteil im Stoffbruch zugeschnittenen wurde,  entsteht hier nicht.

Konstruktionstechisch bekommt der Schnitt von mir also volle Punktzahl. Das gilt aber keineswegs für die Anleitung. Es gehört ja inzwischen fast schon zum guten Ton, sich über Burda-Nähanleitungen zu beschweren. Kann ich persönlich nicht so nachvollziehen, auch wenn ich zugeben muss, dass die früher tatsächlich mal besser waren, und dass es oft eine Herausvorderung für die bildliche Vorstellungskraft bedeutet, nur nach Text zu nähen. Die Schnitte sind halt oft etwas komplizierter als z.B. in der Ottobre und natürlich sind Abbildungen beim Nähen unschlagbar.

Allen, die sich immer besonders laut beschweren, kann ich jedoch nur dieses Kleid empfehlen. Was ich aber hier beim Ansetzen des Kragenteils am Rückenteil erlebt habe, war unglaublich, und nur mit Hilfe der technischen Zeichnung des Kleides überhaupt zu bewältigen. Jede Standard-Burda-Anleitung ist im Vergleich dazu betreutes Nähen für Anfänger. Also: Schnitt topp, Anleitung sechs, setzen!

Und weiter gehts zum MeMadeMittwoch, wo Nina heute einen sehr schönen französischen Schnitt vorstellt.