



Ich habe vier zugelaufene Katzen, reinrassige Scheunenkatzen. Falls Ihr von dieser Rasse noch nichts gehört habt: Es gibt sie in jedem Dorf mit mehr oder weniger Besitzern. Meine haben mich adoptiert, als die Nachbarin, in deren Scheune sie gelebt haben, verstorben ist. Irgendjemand muss sich ja darum kümmern. Mit dem Kümmern habe ich tatsächlich schon viel früher begonnen, als ich sie eine nach der anderen mit der Katzenfalle der Gemeinde eingefangen und zur Kastration geschafft habe. Die Nachbarin hat sie nämlich nur gefüttert und sich sonst nicht gekümmert.

Damals waren sie auch noch richtig wild, daher die Falle. Nur der kleine schwarze Kater ließ sich von der Nachbarin anfassen, ich hatte da gar keine Chance.
Während ich dies hierschreibe, liegt er übrigens auf meinem Schoß und schläft, schon lange ist er nicht nur zahm sondern überaus anhänglich. Heute darf er mal in die Küche, für eine kleine Weile. Eigentlich wohnen die vier draußen und dürfen nicht ins Haus, ich bin stark allergisch. Aber es ist kalt, und Friday hat sich erkältet. Er hat noch nicht genug Speck angesetzt und das Fell ist auch noch nicht dicht genug, da setzen ihm die kalten Nächte ganz schön zu.

Friday heißt übrigens nicht so, weil er schwarz ist. Als wir alternative Namen für „Mohrchen“ und „Schneewittchen“ gesucht haben (welche Katze mit einem Funken Selbstrespekt möchte wohl so heißen?), haben wir Namen gesucht, die für Jungs und Mädchen gleichermaßen passen, weil wir das Geschlecht der Katzen nicht kannten. “ Monday“, „Tuesday“ und „Thursday“ klingen doof und „Wednesday“ ist eindeutig ein Mädchenname. Der mögliche Bezug zu Robinson Crusoe oder dem „black Friday“ fiel uns erst viel später auf.
Friday war immer schon recht zugänglich. Rchtig zahm wurde er vor zwei Jahren im Februar, als er -krank- eine Woche in der Küche bleiben durfte, um sich auszukurieren. Nachdem ich 70€ beim Tierarzt gelassen hatte, wollte ich nicht riskieren, dass er nicht pünktlich zur Medikamentengabe auftaucht. Nach ein paar Tagen ging es ihm so gut, dass er tagsüber nach draußen konnte ( es war ungewöhnlich mild in jenem Jahr). Aber Nachts kam er zum Schlafen nach Hause. Seitdem kommt er , wenn ich ihn rufe und fordert abends seine Streicheleinheiten ein, indem der an der Scheibe kratzt.
Obwohl er so zart ist, klein und relativ zierlich, so frech ist er. Er ist der Chef des Katzenrudels und das macht er auch allen anderen klar. Wehe, wenn Peter, vermutlich sein Vater und mehrere Jahre älter, aufmüpfig wird. Zack, bekommt er eine gelangt, manchmal mit einem langen Vorspiel aus gejaule, geknurre und gefauche.


Seine ein Jahr jüngere Schwester Kohaku ( das ist Japanisch und bedeutet Bernstein, sie ist eine kleine Glückskatze) lässt sich nicht von ihm gefallen und straft ihn regelmäßig mit Verachtung. Überhaupt ist unser Garten eindeutig nicht ihr Lebensmittelpunkt. Sie beehrt uns mit ihrem Besuch, wenn sie Futter und Milch haben möchte, lässt sich manchmal ein paar Zärtlichkeiten gefallen und geht dann ihrer unbekannten Wege. Nur beim Milchtrinken möchte sie gestreichelt werden, das ist unser gemeinsames Ritual, das sie laut maunzend einfordert.




Am schwersten hat es Ginny mit ihrem Bruder. Sie ist unglaublich scheu, in den fünf Jahren, die sie nun schon hier gefüttert wird, habe ich es gerade einmal geschafft, dass sie nicht gleich davon rennt, wenn ich die Küchenterrasse betrete und sie gerade dort frisst. Anfassen geht nur, wenn ich mal Dosenfutter herausrücke oder wenn es Leberwurstpaste zum schlecken gibt, und selbst dann nicht immer. Das ist natürlich ein Problem, wenn es um den Zechenschutz im Sommer oder die Wurmkur im Herbst geht. Und beim Fellwechsel im Frühjahr sieht sie monatelang völlig zottelig und mottenzerfressen aus. Sie hat unglaublich dichtes, weiches Fell, und wenn sie sich sauber leckt, dann hat sie sofort das Maul voller Haare, spuckt herum und lässt es bleiben. Dabei ist ihr das Fell durchaus unangenehm. Ich sehne mich dann immer danach, sie mal kräftig durchzubürsten, aber mehr als zwei, drei Bürstenstriche sind nicht drin.



Sei es, weil ich mich so sehr bemühe, ihr Vertrauen zu gewinnen, sei es weil sie weiß ist, oder vielleicht, weil sie eine kleine Angeberin ist und die gefangenen Mäuse immer laut maunzend in die Nähe des Hauses trägt, so dass wirklich jeder mitbekommt, was für eine tolle Jägerin sie ist, Friday kann sie nicht leiden. Er jagt sie ständig davon und mobbt sie nach Kräften. Sein neuester Trick ist es, sich vor der Küchentür auf die Fußmatte neben die Futternäpfe zu legen, und Ginny erbarmungslos fort zu jagen, wenn sie zum Fressen kommen will.

Peter ist ein Fall für sich. Ich denke, er ist einsam. Er war der Liebling der Nachbarin und ich habe lange Zeit gebraucht, bis er einigermaßen zutraulich wurde. Wenn Friday in der Nähe ist, komme ich nicht an ihn heran. Er war eng befreundet mit Minouche, der Mutter der anderen Katzen, aber die ist vor ein paar Monaten vor ein Auto gelaufen, ein Schicksal, dass sie mit den drei Brüdern von Friday aus dem selben Wurf teilt. Das ist meistens das Schicksal von Streuner-Katzen, selbst wenn sie so vorsichtig und erfahren sind wie Minouche. Peter und Minouche steckten ganz viel zusmmen, lagen aneinander gekuschelt in der Sonne oder fraßen nebeneinander, mit umschlungenen Schwäzen. Als Minouche starb, war Peter tagelang nicht ansprechbar und hat elend gelitten. Jetzt scheint er sich ein bisschen mit Ginny anzufreunden, zumindest jagt er sie eher selten.



Der Schläfer auf meinem Schoß hat sich umgebettet, jetzt liegt er halb auf dem Rücken, eine Pfote in meinen Ärmel gekrallt. Ich bearbeite noch ein paar Fotos, leider habe ich kein gutes Teleobjektiv für richtig gute Aufnahmen und dann geht der Post zu Antetanni unter der Bingo-Rubrik: Tierisches. Morgen beginnt schon die Zeigewoche für den Sommer und ich habe nicht ein einziges Feld ausgefüllt. Im Sommer ist immer soviel zu tun, dass ich keine Zeit finde, auch noch darüber zu schreiben.
