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Warum brauchen wir eine Datenschutzverordung?

Bei Sandra habe ich heute etwas über die neue Dateschutzverordung gelesen. Ich fiel aus allen Wolken. Das sollte uns kleine private Blogger betreffen?

Ich kenne das Datenschutzdilemma teilweise aus dem Beruf und finde es auch richtig, dass man die Leute aktiv darauf aufmerksam machen muss, dass ihre Daten gesammelt werden. Wem ist z. B. schon bewusst, dass man mit einer Mitgliedschaft bei Whatsapp erlaubt, dass sämtliche Handy-Daten ausgelesen werden? Diverse Verwandte und Bekannte  haben also durch Whatsapp meine Telefonnummer weitergegeben, ohne mich zu fragen, ohne dass ihnen das bewusst gewesen wäre. Ich selber kann so verantwortungsvoll mit meinen Daten umgehen, wie ich will, auf FB, Google oder Whatsapp verzichten und sensible Daten von mir landen trotzdem dort, wo ich es nicht will. Das stinkt mir ganz gewaltig!

Zum Kommentieren im Netz habe ich eine eigene e-mail-Adresse und bekomme jede Menge Spam, der nichts mit Nähblogs zu tun hat. Wer verkauft hier meine Adresse?
Ich bin gerne bereit, einen Hinweis zum Datenschutz auf das Kommmentar-Formular zu setzen, denn wer bei WP kommentiert, muss eine e-mail-Adresse angeben, die ich dann sehen kann. Das finde ich auch O.K., wer nicht bereit ist, von mir kontaktiert zu werden, von dem möchte ich auch keine Kommentare.
Allerdings finde ich auch, dass jeder selber dafür verantwortlich ist, welche Daten er im Netz preisgibt. Das Netz vergisst nichts, das sollte inzwischen wohl jeder wissen. Ein Hinweis zu den Datenschutzbedingungen meines Bloganbieters, das der hoffentlich bald zur Verfügung stellt, sollte da genügen. Das Netz ist kein Kindergarten und ich fühle mich auch nicht dafür verantwortlich,  andere daran zu hindern, ihre Daten überall verstreuen.

Den meisten ist Datenschutz ohnehin völlig egal, die werden sich auch nicht durch Datenschutzhinweise belehren lassen. Solange die Leute für 3% Bonusrabatte ihre gesamten Einkaufs-, Bewegungs-, Gesundheits- und Verhaltensdaten an wer weiß wen verkaufen, sehe ich für den Schutz ihrer Daten sowieso schwarz. Gerade hier in den neuen Bundesländern, in denen die Menschen doch wissen, wie es ist, wenn Fremde dich bis in das Schlafzimmer ausspionieren, ist mir diese Gleichgültigkeit vollkommen unbegreiflich! Das berühmte „Ich habe ja nichts zu verbergen“ habe ich schon so oft gehört, das ich das Thema gar nicht mehr anschneiden mag. Davon wird mir nur schlecht. Nur weil kein ekeliger Stasi-Mitarbeiter, der seine Macht und sein Wissen missbraucht um einen zu drangsalieren, hinter der Spionage steht, sondern große Konzerne, die uns anonym und viel raffinierte manipulieren, als es der Staat damals konnte, stört das die Leute nicht im geringsten. Die Manipulation macht ihnen keine Angst, weil sie sie nicht bemerken. Dass z.B. die Anzeigen in der Suchmaschine genau auf ihr Kaufverhalten zugeschnitten sind und die Informationen, die sie bekommen, bereits vorselektiert wurden, merken sie gar nicht. Wie denn auch?

Grundsätzlich soll uns diese neue Datenschutzverordung darauf aufmerksam machen, dass wir unsere Daten im Netz verstreuen und uns die Möglichkeit geben, uns davor zu schützen. Dumm nur ist, dass die Währung, mit der wir die Dienste im Netz bezahlen, unsere Daten sind. Wollen wir nichts preisgeben, dürfen wir nicht mitspielen, also nicht am Austausch von Informationen teilhaben. Insofern nutzt die Datenschutzverordnung nichts. Wir bekommen nur noch einmal deutlich gesagt, was wir ohnehin schon wissen sollten und mit jedem Kommentar, jeder Link-Party und jedem Besuch einer Webseite durchnicken.

Wer liest denn schon die AGB, wenn er etwas online bestellt? (Sollte man übrigens. Im Sommer hörte ich im Radio von einem Laden, dem Du bei einer Bestellung die Rechte an Deinem Erstgeborenen versprichst!)
Schade nur ist, dass gewiefte Abmahn-Anwälte diese neuen Regelungen nutzen werden, um sich ein goldenes Näschen zu verdienen an harmlosen privaten Bloggern wie uns, während die Menschen, die geschützt werden sollen sich einen Dreck darum scheren.