Archiv der Kategorie: Als der Weihnachtsmann verhaftet wurde

Adventskalender für Kinder: 24.Dezember

Während also der Weihnachtsmann und der arme Arne es sich so gut es ging auf dem schimmeligen Stroh im engen Verlies bequem machten, liefen am Nordpol die Vorbereitungen für eine Rettung des Weihnachtsmannes auf höchsten Touren.

Eisbart hatte am späten Vormittag, als der kurze Polartag am hellsten war, mit dem alten Schlitten und den jungen Rentieren einen Erkundungsflug über die Trollgebiete gemacht. Bald war er auf den notgelandeten  Schlitten gestoßen und aus den Spuren, die er im Schnee sah, konnte er sich ohne allzu große Schwierigkeiten die Ereignisse aus der Sturmnacht zusammenreimen.

Zurück am Nordpol rief er die Wichtel zusammen.

„Wir werden den Weihnachtsmann befreien. Wir verwenden die gleichen Methoden, wie damals, als wir an den Nordpol geflohen sind und als wir den Weihnachtsmann bei den Menschen befreit haben. Was damals geklappt hat wird auch heute funktionieren.

Die wesentlichen Merkmale von Trollen sind ihre Gier und ihre Dummheit. Wir manchen also folgendes…“

Es war später Nachmittag, als eine Trollpatrouille  auf den Hundeschlitten stieß. Die Hunde bellten, und das Gebell verstärkte die Kopfschmerzen der verkaterten Trolle. Sie näherten sich dem Schlitten vorsichtig von hinten, und ihre schlechte Laune hob sich schlagartig, als sie sahen, was auf dem Schlitten war: Ein junges Wichtelmädchen und ein großes, hölzernes Fass. Das Fass enthielt zweifellos besten Wichtelschnaps, und mit dem Mädchen konnte man sicherlich eine Menge Spaß haben. Die Hunde bellten aufgeregt und das Mädchen drehte sich um. Sie stieß einen Angstschrei aus und ließ die Hunde losrennen. Beim Anfahren gab es einen Ruck, und das Fass fiel vom Schlitten. Die Hunde waren schnell und die Trolle zögerten. Lohnte sich eine Verfolgung? Die schmerzenden Köpfe und das Fass, das da so einladend im Schnee lag, entschieden die Frage. Sie nahmen das Fass und brachten es zur Festhalle. Auf die Idee, dass das Wichtelmädchen etwas mit den Gefangenen zu tun haben könnte, kamen sie nicht.

Svea kam zufrieden beim alten Rentierschlitten und den anderen Wichteln an. Der erste Teil des Plans war gut gelaufen. Das lose auf dem Schlitten befestigte Fass hatte sie leicht mit einem Fußtritt herunter befördert  und die Trolle hatten diesen Köder bereitwillig geschluckt. Zwei weitere Wichtel stiegen zu ihr auf den Hundeschlitten. Gemeinsam würden sie zu dem neuen Schlitten fahren, der in einiger Entfernung stand und nach den Rentieren suchen. Den Spuren nach hatten die Trolle sie nicht mitgenommen, also ging man davon aus, dass Arne sie in den Wald getrieben hatte, bevor man ihn und den Weihnachtsmann gefangen genommen hatte.

Die anderen Wichtel schlossen zu den beiden Kundschaftern auf, die den Trollen in sicherer Entfernung gefolgt waren. Das einzige Risiko an dem Plan war, dass die Patrouille möglicherweise das Fass alleine austrinken würde. Am Langhaus angekommen, erfuhren sie aber, dass es ganz brav abgeliefert worden war. Also begannen sie mit der Vorbereitung des zweiten Teils des Planes.

Im Langhaus diskutierten die Trolle, ob man den Schnaps trinken sollte. Ein alter Troll hatte nämlich Bedenken.

„Schnaps von den Wichteln ist gefährlich. Denkt nur daran, wie sie uns damals ausgetrickst habe, als sie verschwunden sind“, zeterte er.

Die anderen Trolle konnten sich aber nicht daran erinnern, es war viel zu lange her. Die meisten von ihnen hatten ja zu der Zeit nicht einmal gelebt. Also beschloss man, das Fass zu leeren und nicht auf den alten Troll zu hören.

Als das Gegröle lauter wurde, wussten die Wichtel, dass die Trolle sich über den Schnaps hergemacht hatten. Es wurde Zeit für den zweiten Teil der Befreiungsaktion.

Ein gewaltiger Knall ließ das Langhaus erbeben. Er scheuchte die Trolle aus ihrer weinseeligen  Feierlaune und weckte Arne und den Weihnachtsmann aus ihrem schmerzenden Schlaf. Draußen begann es zu zischen, pfeifen und zu heulen.

Das sind unsrer Leute“, flüsterte Arne. „Das ist Wichtelfeuerwerk.“ Er hätte genauso gut schreien können, bei dem Tumult, der draußen vor ihrer Tür einsetzte, achtete ohnehin keiner auf die Gefangenen. Plötzlich rüttelte es an ihrer Tür.

„Arne, seid ihr da drinnen?“ Es war Eisbarts Stimme. Sekunden später öffnete sich die Tür und sie waren frei. Arne konnte kaum laufen und auch der Weihnachtsmann musste gestützt werden. Trotzdem erreichten sie relativ schnell die Tür. Vor ihnen standen alle Trolle uns starrten mit offenen Mündern in den Himmel, an dem ein atemberaubendes Feuerwerk zu sehen war. Farbig Blumen und Schmetterlinge glühten in der dunklen Nacht und Raketen versprühten ihren Sternenregen.

Die Wichtel schlichen sich an der Wand entlang um das Haus herum. Als sie um die Ecke bogen, wurden Rauchbomben gezündet, damit man sie nicht sehen konnte. Eine überflüssige Maßnahme, denn die Trolle waren so gebannt von dem Schauspiel am Himmel, dass sie direkt vor ihnen  hätten vorbeispazieren können, ohne dass man sie bemerkt hätte. Die Flucht mit den beiden Schlitten war dann nur noch ein Kinderspiel. Svea lenkte den alten Schlitten mit Arne, den Wichteln,  den Hunden und dem Hundeschlitten zum Nordpol zurück und Eisbart brachte den Weihnachtmann mit den Geschenken einmal mehr zu den Menschen.

Ende

Allen meinen Lesern, die auch heute geduldig auf das Ende der Geschichte gewartet haben wünsche ich Frohe Weihnachten.

Adventskalender für Kinder :23.Dezember

Wie war es Arne und dem Weihnachtsmann inzwischen ergangen?

Als der Schlitten notgelandet war, hatten  die Trolle das natürlich gemerkt. Sie waren es gewesen, mit Fackeln näher gekommen waren. Es war eine ganze Horde von ihnen, und sie waren gelangweilt und schlecht gelaunt. Im Winter passierte in Lappland nicht allzu viel, und einen langen Schneesturm brachten sie in der Regel mit Trinken und Raufereien hinter sich. Nun aber versprach der vom Himmel gefallene Schlitten einen guten Zeitvertreib.

Arne hatte sich blitzschnell einen Plan zurecht gelegt. Wie alle Wichtelkinder kannte er die Geschichte der Troll-Überfälle und wusste, dass die Trolle seit fast siebzig Jahren weder den Weihnachtsmann noch einen Wichtel zu Gesicht bekommen hatten. Rasch sagte er zum Weihnachtsmann:

„Wir versuchen, die Trolle zu täuschen. Sie dürfen auf keinen Fall mitbekommen, dass sie den Weihnachtsmann in ihrer Gewalt haben. Wir tun so, als ob du ein Wichtel wärst und ich dein Enkel. Mit ein bisschen Glück erinnern sie sich nicht, dass Wichtel in Wirklichkeit viel kleiner sind. Pass bloß auf, was du sagst.“

„Ich werde gar nicht viel sagen. Ich tue so, als ob ich sehr schwerhörig wäre und überlasse das Reden dir.“

Dann waren die Trolle auch schon da. Sie schienen die Großvater-Enkel-Geschichte zu schlucken und begannen sofort die üble Sorte Scherze und Spott mit ihnen zu treiben, die man halt von Tollen so erwarten kann. Sie schubsten sie, taten so, als ob sie ihnen aufhelfen wollten und warfen sie stattdessen durch die Luft. Besonders Arne, der ja klein und leicht war, hatte viel auszustehen. Zum Glück war er gewandt und schnell, so dass es ihm gelang, die meisten Stürze gut abzufangen. Trotzdem war er voller blauer Flecke, als sie endlich an dem großen Langhaus ankamen, in dem die Trolle hausten.

Fast die ganze Trollhorde saß in einer großen Halle am Feuer und trank Schnaps und grölte unanständige Lieder. Als die Patrouille ihre Gefangenen hereinbrachte, war die Freude groß. Der Weihnachtsmann und Arne hatten eine ähnlich schlimme Behandlung zu ertragen, wie schon auf ihrem Hinweg.  Aber da die Trolle sich bereits seit Stunden betranken, verloren sie bald das Interesse an ihren Opfern. Erst begannen sie, sich gegenseitig zu verprügeln, und  Arne und der Weihnachtsmann hofften schon, dass sie sich unbemerkt davonschleichen könnten. Aber ein Troll, vermutlich der Anführer, der deutlich mehr Alkohol vertrug als die anderen, bemerkte sie und ließ sie einsperren.

In einer Ecke des Verlieses lag ein Haufen angeschimmeltes Stroh. Arne ließ sich darauf sinken. Er fühlte sich am ganzen Leib wie zerschlagen. Draußen in der Halle wurde der Lärm immer leiser und ging schließlich in lautes Schnarchen über. Ein mächtiger Troll lag direkt vor der Tür ihres Gefängnisses. Selbst wenn sie das Türschloss aufbekommen hätten, wäre es ihnen unmöglich gewesen, sie zu öffnen. Sie waren Gefangene der Trolle, und ein Entkommen war unmöglich.

Adventskalender für Kinder: 22.Dezember

Eisbart lehnte sich zurück. Seine  Geschichte war zu Ende. Er blickte in die Runde. Die Wichtelkinder saßen oder lagen auf Kissen um ihn herum auf dem Boden. Sie waren müde. Es war ein langer Tag gewesen. Draußen heulte der Sturm noch immer um das Haus herum. Aber jemand, der wie Eisbart sein ganzes Leben lang den Stürmen gelauscht hatte, konnte hören, dass seine Kraft nachließ. Über Nacht würde er sich legen. Svea kam herein.

„So ihr kleinen Wichtelgestalten, die Geschichte ist zu Ende und ihr gehört ins Bett, aber flotti!“ Sie scheuchte die Kinder vor sich her und verteilte sie dann auf ihre Familien.

Als sie zurückkam, sagte sie: „Der Sturm flaut ab. Wenn alles gut geht, können der Weihnachtsmann und Arne schon morgen zurück sein. Aber was tun wir, wenn sie nicht  zurück kommen?“

„Wir starten natürlich eine Suche. Ich habe immer noch den alten Schlitten und die Rentiere, die ich diesen Sommer eingefahren habe, können ihn  auch gut ziehen. Sie sind zwar etwas jung und unerfahren, aber wenn der Sturm vorbei ist, werden wir ein paar Tage gutes Wetter haben. Eine etwas längere Fahrt wird diesen ungebärdigen Rüpeln von Jungtieren nur gut tun…“

„Meinst du, sie haben es bis hinter die Trolle geschafft?“

„Svea, Kind, ich will ehrlich zu dir sein. Wenn sie es geschafft haben, dann nur ganz knapp. Genauso gut können sie durch den Sturm mitten im Trollgebiet gelandet sein. Ich habe genau so keine Ahnung wie du. Aber ehrlich gesagt befürchte ich das Allerschlimmste. Ruh dich aus, die Nacht bringt Rat. Wenn wir etwas unternehmen wollen, dann müssen wir gut ausgeschlafen sein.“

Wiederstrebend ging Svea zu Bett. Sie machte sich große Sorgen, und wie recht sie damit hatte, sollte sich bald herausstellen.

Adventskalender für Kinder 21.Dezember

21.Dezember

Am Morgen sagte Lenas Mutter:

„Liebes, die Station hat gerade angerufen. Ich muss heute Nachmittag arbeiten. Schade, ich wollte so gerne mit dir Plätzchen backen. Jetzt ist das geplatzt.“

Na großartig, dachte Lena. Nicht dass sie Zeit zum Plätzchenbacken gehabt hätte, aber ihre Mutter kannte Markus. Jetzt konnte er nicht bei der Befreiungsaktion mitmachen. Das war bitter. Emma und die Wichtel waren vollständig auf sich gestellt.

Am Nachmittag trafen sich alle wie verabredet im Gartenhaus. Eisbart war auch da. Die Wichtel hatten wieder alles aufgeräumt, nichts erinnerte an ihren Aufenthalt. Lena berichtete kurz, was geschehen war.

„Das ist vielleicht gar nicht so schlimm. Es wäre ohnehin nicht so gut, wenn jemand Menschen mit dieser Angelegenheit in Verbindung bringen kann. Außerdem sind die Rentiere ziemlich unruhig. Sie haben zu lange gestanden und spüren, dass etwas in der Luft liegt. Es ist besser, wenn Markus hilft, auf sie aufzupassen“, meinte Eisbart.

„Also dann los“, sagte Arne, „brechen wir auf“.

Der Schlitten stand draußen. Alle stiegen ein und fuhren zur psychiatrischen Klinik.

Es war verabredet, dass Markus und Lena den Rentierschlitten bewachen sollten. Dafür hatten sie sich Elfenkostüme zuammengestellt. Markus montierte die spitzen Ohren, die eigentlich von einem Star Trekk Kostüm stammten, an Lenas Ohren. Sie trug rote Hosen und eine Grüne Jacke. Markus hatte seine Ohren bereits aufgesetzt. Er hatte einen roten Skipulli mit Norwegermuster an.

„Ich hoffe, damit kommen wir durch. Und vor allem der Tierschutzverein erwischt uns nicht. Es ist sicherlich verboten, mit Rentieren Schlitten zu fahren.“

Es war geplant, dass er und Lena unten vor der Klinik warteten, während die Wichtel Emma besuchten und dabei den Weihnachtsmann befreiten. Markus und Lena würden so tun, als ob sie Werbung für den Weihnachtsmarkt machten. Svea hatte behauptet, je auffälliger die Tarnung sei, desto weniger Beachtung würde man ihnen schenken. Und später würde niemand zugeben, er habe den Weihnachtsmann in einem Schlitten mit Rentieren fliehen gesehen, das klang viel zu absurd.

Emma begrüßte „Onkel Eisbart“ und  die „Großnichte“ und den „Großneffen“ entzückt. Sie stellte ihnen  den Weihnachtsmann vor, der sogleich eine Geschichte erzählte.

Nach einer halben Stunde brachen die drei wieder auf. Der Weihnachtsmann und Emma begleiteten sie zur Tür der Station. Dann ging plötzlich alles ganz schnell. Man hörte einen scharfen Knall und aus einer Ecke des Raumes quoll dunkler Rauch. Ein Feuermelder begann schrill zu piepen und Panik brach aus. Emma klammerte sich kreischend an den Pfleger, der gerade die Tür der Station aufgeschlossen hatte.

„Schnell!“, sagte der Weihnachtsmann. Er nahm Svea kurzerhand auf den Arm und eilte mit ihr die Treppe herunter. Die anderen folgten. Die Treppe begann sich mit Menschen zu füllen. Das Gebäude wurde evakuiert.

Der Weihnachtsmann und die Wichtel stürmten aus der Tür auf den wartenden Schlitten zu, Eisbart packte die Zügel und schon fuhr der Schlitten los. Markus und Lena, die die Rentiere festgehalten hatten, konnten nur beiseite springen. Sie sahen dem Schlitten nach, wie er die Straße herabfuhr. Mit einem Mal hob er ab und flog davon.

Schweigend gingen die beiden Kinder nach Hause. Sie fühlten sich merkwürdig leer und es gab ja auch nichts zu sagen.

Am Heiligabend fanden beide ein zusätzliches Geschenk unter dem Tannenbaum, von dem keiner sagen konnte, woher es kam. Lena fand außerdem einen kleinen Brief.

Liebe Lena, stand darin, den Engel im Paket für deine Mutter hat der Weihnachtsmann in einer eurer Zeitschriften entdeckt. Ich dachte mir, du würdest vielleicht die verschwundenen Gipsbinden erklären müssen.

Auch Emma fand einen Brief. Als auf der Station Ruhe eingekehrt war, verzog sie sich in ihr Zimmer, um ihn zu lesen.

Liebe Emma,

wenn Wichtel ein Geschenk anfertigen, dann können sie es immer wieder finden. Auf diese Weise habe ich deine Puppe gefunden. Ich dachte mir, du würdest gerne wissen, was aus ihr geworden ist. Sie wurde an eine Familie gegeben, die nach Deutschland geflohen war und buchstäblich nichts außer ihrer Kleidung am Leib besaß. Das kleine Mädchen, das sie bekam, war so glücklich darüber und die Puppe wurde ihr liebster Besitz. Heute schenkt sie sie an ihre Enkelin weiter, die sich sicher auch sehr darüber freuen wird.

Alles liebe, dein Freund, der Weihnachtsmann

Adventskalender für Kinder: 20.Dezember

20.Dezember

„Natürlich dürfen Sie bei unserem Schneemann mit bauen“, sagte Lena höflich. „Wir dachten, dass wir den Leuten hier eine Freude machen und einen schönen Schneemann bauen. Wo wohnen Sie denn genau?“

„Oh, da oben im zweiten Stock. Seht ihr, da wo der Mann am Fenster winkt. Das ist nämlich mein Freund, der Weihnachtsmann“, sagte die Frau. Und in einem verschwörerischen Tonfall fügte sie hinzu: „Wisst ihr, er ist nämlich der echte Weihnachtsmann!“

Svea sah zu dem Fenster hinauf. Dann sah sie die bunte Frau an und sagte langsam:

„Entschuldigen Sie bitte, wir haben uns gar nicht vorgestellt. Ich bin Svea Eisblume und das ist Arne Schneesturm. Die beiden da sind Lena und Markus.“ Während sie sprach, ließ sie Emma nicht aus den Augen.
„Svea Eisblume? Arne Schneesturm? Ihr seid Wichtel und hier, um den Weihnachtsmann zu befreien! Er hat mir ganz viel von euch erzählt. Ich werde euch dabei helfen!“

„Aber wie denn?“

„Ich sage dem Weihnachtsmann, dass ihr da seid und dann kommt er heute Nacht herunter und ihr fahrt mit dem Schlitten davon. Ihr habt doch Eisbart und den Schlitten dabei, oder?“

„Und wie soll er einfach herunterkommen?“, fragte Svea.  „Er ist doch auf der geschlossenen Station!“

„Ich dachte der Weihnachtsmann kommt überall ohne Probleme hinein und heraus“, wunderte sich Emma.

„Das kann er nur am Heiligabend“, erklärte Arne. „In dieser Nacht hat er die Magie, um alle Türen der Welt zu öffnen. An allen anderen Tagen ist ein ganz normaler Mann, der einen Schlüssel baucht, um eine abgesperrte Tür zu öffnen.“

„Wir brauchen also einen Plan“, sagte Lena. Und zwar einen, der mich außen vor lässt, denn die meisten vom Personal in der Klinik kennen mich wegen meiner Mutter. Sie arbeitet hier.“

„Kannst du sie nicht einfach mit deinen Freunden besuchen?“, fragte Emma.

„Geht leider nicht. Sie darf keinen Dienst haben, wenn wir den Weihnachtsmann befreien, denn sie kennt auch Markus, und sie würde sofort Verdacht schöpfen, wenn er mit den Wichteln aufkreuzt.“

Sie arbeiteten eine Weile schweigend am Schneemann weiter. Plötzlich sagte Emma:

„Ich habe eine Idee. Ihr besucht mich. Und weil sie Kinder nicht alleine hier hereinlassen, werdet ihr mit meinem Onkel Eisbart kommen, der leider kleinwüchsig ist. Er wird meine Großneffen und Großnichte mitbringen. Ich erzähle, dass ich euch heute im Park getroffen habe, und dass ihr gerne sehen wolltet, wie es hier so ist. Und wegen Eisbart, der heute nicht kann, verschieben wir den Besuch auf morgen am späten Nachmittag.“

Als der Schneemann fertig war, war es der Fluchtplan auch. Alle verabschiedeten sich und gingen nach Hause, um ihre Vorbereitungen zu treffen.

Adventskalender für Kinder: 19.Dezember

„Hallo, ist jemand zu Hause?“ Lena stampfte den Schnee von ihren Stiefeln und betrat das Gartenhaus. Markus folgte gleich hinter ihr. Das Häuschen war leer. Nichts deutete darauf hin, dass hier gestern ein Bein eingegipst worden war, dass jemand Suppe gegessen oder Milch getrunken hatte.

„Svea, Arne?“, fragte Lena. Sie wandte sich Markus zu: „Sie sind weg!“

„Nicht ganz.“ Svea erhob sich mühsam hinter dem Sofa, wo sie sich versteckt hatte. „Ich war nicht sicher, dass ihr es seid, als ich eure Stimmen gehört habe. Daher habe ich mich lieber versteckt.“

„Aber hier ist es so aufgeräumt“, sagte Lena. „Man könnte denken, hier ist seit Monaten keiner gewesen.“

„Genau das ist ja auch der Plan. Jemand, der sich über Fußspuren an der Hütte wundert, soll nicht mitbekommen, dass wir hier sind.“

„Um Fußspuren braucht ihr euch im Moment keine Sorgen zu machen, so wie das schneit“, sagte Markus. „Wo ist denn Arne?“

„Der hat Eisbart gesucht und gefunden, um mit ihm zu überlegen, wie wir den Weihnachtsmann befreien können“, sagte Arne, der in diesem Moment zur Tür hineinkam. „Habt ihr schon einen Plan?“

„Wir dachten, dass wir mal zur Klinik gehen und uns dort ein wenig umsehen. Vielleicht finden wir einen Weg hinein.“

„Das ist ja noch nicht so viel an Plan“, seufzte Arne, aber weil niemand einen besseren Vorschlag hatte, zogen die Vier los.

In der Klinik stand Emma am Fenster und sah den wirbelnden Schneeflocken zu.

„Ich liebe Schnee!“, rief sie und drehte sich zum Weihnachtsmann um. „Ich gehe jetzt in den Park hinunter und werde einen Schneemann bauen. Ich baue ihn da unten auf dem Rasen, damit du ihn auch sehen kannst“.

„Wie, du kannst einfach in den Park hinunter gehen?“

„Natürlich. Ich bin freiwillig hier, weißt du? Ich habe mich selbst eingeliefert. Manchmal, wenn ich das Leben nicht so ertragen kann, dann komme ich hier her. Ich bleibe ein paar Wochen bis es mir wieder besser geht und dann gehe ich zurück nach Hause. Ich bin nur deshalb auf der geschlossenen Station, weil hier die Schwestern besonders nett sind und weil ich hier Freunde habe.“

Sie ging zur Stationsschwester, wechselte mit ihr ein paar Worte und verließ dann die Station.

Lena, Svea, Markus und Arne waren inzwischen an der Klinik angekommen. Sie musterten das Gebäude sorgfältig.

„Seht ihr dort oben, auf der linken Seite, im zweiten Stock die Gitterfenster? Da ist die geschlossene Station“, sagte Lena.

„Wir können da nicht so hinauf starren, das fällt auf“, sagte Markus.

„Kommt, wir bauen einen Schneemann!“, sagte Arne plötzlich.

„Bist du jetzt übergeschnappt?“ fragte Markus. „Wie kannst du jetzt an Schneemänner denken?“

„Er hat völlig recht“, rief Lena, die verstanden hatte, was Arne wollte. „Was könnte denn unauffälliger sein als vier Kinder, die im Park einen Schneemann bauen? Und während wir die Schneekugeln herum rollen, können wir die Klinik total unauffällig ausspionieren.“

„Das ist gut.“ Gemeinsam begannen sie, drei Schneekugeln zu rollen, während Svea auf ihren Krücken herumlief und unter den Bäumen Tannenzapfen aufsammelte, um den Schneemann zu verzieren.

Da trat auf einmal eine Frau auf sie zu. Sie war etwas älter als Markus‘ und Lenas Eltern und war unglaublich bunt gekleidet.

„Ich heiße Emma Freitag und wohne hier. Wie heißt ihr, und darf ich bei eurem Schneemann mit bauen?“

Adventskalender für Kinder: 18.Dezember

Eisbart hatte ein Problem. Er hatte den Schlitten fast fertig repariert. Die zerbrochenen Teile hatte er mit Brettern aus den Sitzen geflickt. Es würde halten, davon war er überzeugt, zumindest eine Reise lang. Sie würden es zwar sehr unbequem haben, aber das war auszuhalten.

Den Rentieren ging es gut, er hatte sie auf einer Weide untergebracht, auf der auch Kühe waren, denn dort gab es Heu, das sie fressen konnten. Sie waren kluge Tiere und versteckten sich zwischen den Kühen, wenn sich ein Mensch der Weide näherte.

Eisbarts Problem waren Arne und Svea. Er hatte keine Idee, wie er sie finden sollte. Bei der Aufregung nach der Bruchlandung hatten sie vergessen, einen Treffpunkt auszumachen. Eisbart hatte den Schlitten natürlich nicht an der Absturzstelle gelassen, da hätte ihn jeder finden können. Er hatte die Teile in jener Nacht mühsam von den Rentieren in ein kleines Gehölz auf der Wiese ziehen lassen und erst am nächsten Tag die verfallene Scheine am anderen Ende dieser Wiese entdeckt. Zum Glück waren im Winter die Tage kurz und so hatte er im Schutz der frühen Dunkelheit alles dorthin gebracht. Als die Kinder in den Eisregen gerieten, hatte er gerade mit der Reparatur begonnen. Mit seiner verletzten Schulter war das eine Tortur gewesen und für die letzten Teile der Reparatur brauchte er unbedingt  Arnes Hilfe. Er konnte nur hoffen, dass der Junge oder das Mädchen sich auf die Suche nach ihm machten. Er würde so gut es ging die Absturzstelle im Auge behalten, damit er Arne bemerkte, wenn der ihn suchte. Aber leider war der arme Eisbart von der Arbeit am Schlitten, den Schmerzen und all der anderen Aufregung so erschöpft, dass ihm nach kurzer Zeit die Augen zufielen.

In der kleinen Gartenlaube schliefen auch Arne und Svea den Schlaf der Erschöpften. Arne hatte zwar vorgehabt, in der Nacht zur Absturzstelle des Schlittens zu gehen, um Eisbart zu suchen und über die neuesten Entwicklungen aufzuklären, aber auch bei ihm war die Müdigkeit stärker. Er wurde am nächsten Morgen von der Sonne geweckt, die hell durch einen Spalt zwischen den Vorhängen schien. Es hatte in der Nacht auf das Eis geschneit und nun glitzerte der frische Schnee wie Diamanten. Arne machte erst ein Frühstück aus Lenas Vorräten, dann weckte er Svea. Der ging es schon viel besser. Die beiden beschlossen, dass Arne versuchen sollte, Eisbart zu finden, während ihre beiden menschlichen Freunde in der Schule waren. Man würde zwar seine Spuren im Schnee sehen, aber da konnte man eben nichts tun. Arne ging aus der Hütte durch das Gartentor zum Eingang der Kleingartensiedlung. Dann kehrte er um und ging wieder zur Hütte zurück. Schließlich ging er den gleichen Weg ein drittes Mal, aber dieses Mal ging er vorsichtig in seinen Spuren von der ersten Strecke. Am Eingang der Siedlung drehte er sich noch einmal um. Man sah zwei Spuren, eine, die zu dem Gartenhaus hin und eine, die wieder davon wegführte. Jeder würde denken, dass jemand zu dem Häuschen hin- und dann wieder weggegangen war.

Wichtel können sich so schnell und unauffällig bewegen, dass sie fast unsichtbar sind, wenn sie es wollen. Und so schaffte Arne es auch, unbehelligt von Kindern oder Erwachsenen zum  nahen Stadtrand zu kommen. Auf der Wiese, auf der sie gelandet waren, fand er natürlich keine Spur von einem Schlitten. Eisbart hatte alle Spuren sorgfältig verwischt und der Schnee hatte ein Übriges getan. Allerdings fiel ihm die verfallene Scheune gleich ins Auge. Er schlug einen weiten Bogen, um niemanden auf direktem Weg dorthin zu führen und schlich dann gebückt von dem hinteren Ende der Wiese auf die Scheune zu. Plötzlich packte ihn von hinten ein starker Arm und eine Hand hielt ihm den Mund zu. Eine Stimme flüsterte an seinem Ohr:

„Junge bin ich froh, dich zu sehen. Ich habe mir schon riesige Sorgen gemacht.“

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Adventskalender für Kinder: 17.Dezember

In der Klinik kam die bunt gekleidete Frau auf den Weihnachtsmann zu.

„Soll ich dir wieder vom Wichteldorf erzählen?“

„Ich weiß nicht. Bist du der echte Weihnachtsmann?“

„Du bist Emma, nicht? Als Kind hättest du lieber Emily geheißen, also nanntest du deine Puppe so.“

„Woher weißt du das?“

„Ich weiß sogar noch mehr. Als du elf Jahre alt warst, wünschtest du dir ein Kleid für Emily. Deine Eltern, besonders deine Mutter, fanden, dass du schon zu alt für Puppen bist.“
„Ich sollte mich mehr auf die Schule konzentrieren. Aber ich malte ein Bild von dem Kleid, dass ich mir wünschte, und legte es auf mein Fensterbrett.“

„Es war dunkelblau mit Sternen. Mala Eisblume hat es damals für dich genäht. Sie hat übrigens eine Enkelin, die ist fast genauso alt, wie du es damals warst.“

„Mala Eisblume…das ist ein wunderschöner Name. Wie heißt denn die Enkelin?“

„Svea. Svea Eisblume. Was wurde denn eigentlich aus dem Kleid und deiner Emily?“

„Eigenartigerweise haben meine Eltern gar nicht lange gefragt, wo das Kleid denn herkam. Obwohl meine Mutter sonst immer so lange herum gebohrt hat, bis sie jedes Rätsel lösen konnte.“

„Das ist immer so mit Geschenken, die der Weihnachtsmann bringt. Wenn die Leute nicht an den Weihnachtsmann glauben, vergessen sie einfach, Fragen über ein solches Geschenk zu stellen.“

„Ein Jahr später sind wir umgezogen. Meine Eltern haben sich getrennt und meine Mutter ist mit mir in eine kleinere Wohnung gezogen. Sie hat so lange auf mich eingeredet, bis ich Emily an die Spielzeugsammlung weggeben habe.“

Emma machte eine Pause und fügte dann erstaunt hinzu: „Ich habe sie dafür gehasst, das war mir gar nicht klar! Ich habe Emily so geliebt und sie hat sie mir weggenommen!“

Der Weihnachtsmann machte sich in Gedanken eine Notiz.

Herausfinden, wo Emmas Puppe heute ist. Die Wichtel konnten alle Geschenke, die der Weihnachtsmann jemals gemacht hatte, wieder aufspüren. Durch das Kleid würden sie die Puppe finden. Er fragte:

„Weißt du, was das für eine Spielzeugsammlung war?“
„Die Sachen waren für Flüchtlingskinder bestimmt. Ich habe mir später immer wieder gesagt, dass Emily dort sicher ein anderes Kind glücklich gemacht hat, aber viel geholfen hat das nicht.“

Eine andere Frau hatte den beiden aufmerksam zugehört. Jetzt kam sie näher und sagte:

„Wir hätten die Mütter tauschen müssen! Meine Mutter hat mir permanent Barbie-Puppen geschenkt, obwohl ich doch einen Baukasten haben wollte. Und dann lag eines Weihnachten einer unter dem Tannenbaum. Er war richtig toll, so einen hatte ich nirgendwo gesehen. Ich habe mit ihm Modelle von Brücken und Türmen gebaut. Später habe ich Architektur studiert und den Baukasten habe ich immer noch in meinem Büro. Bevor ich anfange zu zeichnen, mache ich immer damit ein Modell. Ich wollte schon oft einen nachkaufen, aber ich konnte nie einen Markennamen entdecken.“

„Den hat Olof Eisbart gebaut. Es war glaube ich sein letzter Baukasten überhaupt, denn er war damals schon sehr alt. Sein Sohn fährt übrigens meinen Schlitten und kümmert sich um die Rentiere.“ Und kommt mich hoffentlich bald holen,  fügte er in Gedanken hinzu. Oh Eisbart, wo um alles in der Welt bleibst du nur?

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Adventskalender für Kinder: 16.Dezember

Der Weihnachtsmann saß im Aufenthaltsraum geschlossenen Station in einem Sessel und las wieder in einer Zeitschrift. Interessant, was die Menschen für Bastel-Ideen hatten. Einer der Männer kam auf ihn zu.

„Als Weihnachtsmann kommst du doch viel herum“, sagte er. „Wie feiert man denn in anderen Ländern Weihnachten?“

„Nicht alle Menschen glauben, dass ich die Geschenke bringe. Und überall gibt es zusätzlich noch viele Bräuche zu Weihnachten.

In den italienischen Familien ist das Wichtigste die Krippe, die jede Familie aufstellt. Angeblich hat der Heilige Franz von Assisi diesen Brauch eingeführt. Am 6.Dezember bringt der Nikolaus kleine Geschenke. Dann, eine Woche später, kommt die heilige Lucia mit kleinen Geschenken. Richtig Weihnachten ist dann am 25. Dezember. Dann gibt es auch einen Tannenbaum, unter den das Jesuskind Geschenke legt. Und am 6. Januar kommt die Hexe Befana mit Geschenken. Sie hat in der Weihnachtsnacht die Botschaft von der Geburt Christi gehört, hat das Kind aber nicht gefunden. Seitdem irrt sie umher auf der Suche nach dem Jesuskind. Dabei bringt sie in jedes Haus Geschenke in der Hoffnung, irgendwo auf Jesus zu treffen. Aber nur zu den braven Kindern. Unartige Kinder bekommen stattdessen auch schon mal Kohlestückchen.“

„Man, die kriegen aber viele Geschenke!“, rief eine Stimme. Etliche Pateinten hatten sich zum Weihnachtsmann und seinem Gesprächspartner gesellt.

Er fuhr fort:“ In Mexiko wird ein großer Topf aus Ton oder Pappmaché, der ganz bunt verziert ist, aufgehängt. Man nennt ihn Pinata. Der muss mit verbundenen Augen und einem Stock zerschlagen werden. Darin sind dann lauter Süßigkeiten für die Kinder.

In Polen wird am 24. Dezember den ganzen Tag über nichts gegessen. Erst wenn der erste Stern am Himmel zu sehen ist, gibt es ein großes Festessen. Dabei gibt es große, eckige Weihnachtsoblaten, die man als Zeichen der Versöhnung und der Liebe in Stücke bricht und in der Familie miteinander teilt.

In Finnland nennt man mich „Joulupukki“ Dort glaubt man, dass ich die Geschenke mit den Elfen und meiner Frau auf einem Berg in Lappland mache.

In Brasilien gibt es ein Feuerwerk und Kracher, so wie bei euch zu Silvester. Aber Geschenke bekommen nur die reichen Kinder.

Und ein letzter Brauch wäre aus Sri Lanka. Dort gehen die Christen in ihren armseligsten Kleidern zum Gottesdienst, weil Jesus auch in Armut geboren wurde. Danach gibt es ein Festessen zu dem man auch Freunde aus anderen Religionen einlädt. Das gefällt mir besonders gut. Zum Abschluss zündet man ein Freudenfeuer an. Die Geschenke hängen dann am Weihnachtsmorgen im Baum.

Adventskalender für Kinder: 15.Dezember

Der Weihnachtsmann saß im Aufenthaltsraum der geschlossenen Station und blätterte in einer Zeitschrift. Da trat eine junge Frau auf ihn zu.

„Weihnachtsmann, kannst du mir eine Geschichte erzählen?“

Er war nicht sicher, ob sie ihm glaubte oder nicht. Das war hier auch egal. Die Patienten auf dieser Station akzeptierten die Eigenheiten der anderen. Wenn jemand der Meinung war, er sei der Weihnachtsmann, dann war er eben der Weihnachtsmann und Schluss. Keine Fragen, keine Diskussion. Diskutieren musste man mit den Ärzten, die Mitpatienten ließen einen in Ruhe.

„Warum möchtest du eine Geschichte hören?“

„Meine kleine Tochter kommt mich heute besuchen, und sie liebt Geschichten. Aber ich weiß keine mehr.“

„Warum bist du hier?“ Eigentlich war das eine verbotene Frage. Man fragte so etwas hier nicht. Die junge Frau zögerte. Dann sagte sie:

„Ich bin dick und hässlich.“

Der Weihnachtsmann musterte die ausgemergelte Gestalt. „Ich kann dir eine Geschichte erzählen. Sie handelt von einer sehr hungrigen kleinen Maus. Ist das in Ordnung für dich?“

„Das ist schon O.K. Meine Tochter liebt Mäuse.“

„Gut. Es ist eine Geschichte, die ich selber vor einigen Jahren erlebt habe.“

Und er begann zu erzählen:

Der Weihnachtsnussbaum

Tief im Wald steht ein alter Nussbaum. Alle Leute nennen ihn den Weihnachtsnussbaum, aber kaum jemand weiß, wo man ihn finden kann, denn er steht weitab von allen Wegen. Nur die Förster, die den Wald kennen, wie ihre Hosentasche, kommen ab und zu bei ihm vorbei. Woher hat der Baum aber seinen merkwürdigen Namen? Dazu erzählt man sich die folgende Geschichte:

Vor vielen Jahren ging der Weihnachtsmann durch den tief verschneiten Wald. Er war im Forsthaus gewesen und hatte für die Kinder Geschenke da gelassen. Der Schnee lag so hoch zwischen den Bäumen, dass er mit dem Schlitten nicht durchgekommen war. Also hatte er ihn am Waldrand zurückgelassen und war zu Fuß gelaufen. Nun stapfte er zurück und merkte gar nicht, dass er verfolgt wurde. Eine kleine, hungrige Maus hatte mit ihrer empfindlichen Nase die Äpfel, die der Weihnachtsmann in seinem Sack mit sich herumschleppte, gerochen. Wie gerne hätte sie jetzt in so einen Apfel gebissen!

Da auf einmal schien es, als ob sie Glück haben sollte. Erschöpft vom Laufen durch den tiefen Schnee, machte der Weihnachtsmann auf einer Lichtung halt und setzte sich auf einen Baumstumpf, um sich kurz ein wenig auszuruhen. Den Sack stellte er neben sich in den Schnee. Sofort huschte die Maus herbei und begann, ein Loch in den Sack zu nagen. Aber ach, bevor sie noch an die Köstlichkeiten aus dem Sack gelangen konnte, stand der Weihnachtmann schon wieder auf, um weiter zu gehen. Und schlimmer noch, er bemerkte das Loch und die Maus. Sie war so erschrocken, dass sie nicht einmal davonlaufen konnte. Blitzschnell wurde sie gepackt und hoch gehoben. Die Maus kniff ihre Augen fest zusammen.

Eine freundliche Stimme sagte: „Na, du kleiner Kerl, was machst denn du mit meinem Geschenksack? Du hast wohl Hunger, was? Aber deshalb kannst du mir trotzdem keine Löcher hinein knabbern. Na, ja, zum Glück ist das Loch so klein, dass wohl nichts herausfallen wird. Warte mal.“

Damit setzte der Weihnachtmann die Maus wieder zu Boden. Sie hatte immer noch die Augen fest geschlossen. Sie hörte, wie der Weihnachtsmann mit seinem Sack herum hantierte und dann, wie er durch den Schnee davon stapfte. Schließlich war nichts mehr zu hören, nur der köstliche Apfelduft hing noch in der Luft. Vorsichtig öffnete die Maus die Augen. Da lag direkt vor ihr ein dicker, roter Apfel im Schnee. Weil sie vor lauter Angst die Augen zugekniffen hatte, hatte sie nicht gesehen, wie der Weihnachtsmann den Apfel aus dem Sack geholt und ihr hingelegt hatte. Sie hatte ebenfalls nicht bemerkt, wie aus dem Loch im Sack eine Nuss heraus in den Schnee fiel, als er die Lichtung verließ.

Während des ganzen Winters wurde diese Nuss von keinem einzigen Tier gefunden, und als der Frühling kam, keimte diese Nuss aus. Im Laufe der Jahre entwickelte sie sich zu einem mächtigen Nussbaum, der jedes Jahr voller Nüsse hing. Das Besondere an diesem Baum jedoch war, dass diese Nüsse nie im Herbst abfielen. Erst am Heiligabend fielen sie immer herunter und ernährten alle die kleinen Tiere, die sich unter dem Baum einfanden. Darum wurde er der Weihnachtsnussbaum genannt.

Auch heute könnt ihr in den Kommentaren einen Link auf eine Weihnachtsaktivität mit Kindern setzen. Im gestrigen Adventskalender findet ihr eine tolle Anleitung für Engel, die Januarkleider beigesteuert hat.