Archiv der Kategorie: Adventkalender 2013

Weihnachtsmarkt in Winkelhausen: 14. Dezember

14-12-13Als Ludwig am späten Vormittag des folgenden Tages in die Redaktion kam, empfing ihn der Chefredakteur mit einem Bündel von Zetteln.

„Da sind Sie ja endlich!“, rief er. „Was glauben Sie, was das ist?“ Er wartete gar nicht auf eine Antwort. „Das sind alles Reaktionen auf Ihren Artikel. Lauter Leute, die von Ihrem Bericht aufgerüttelt worden sind und den Obdachlosen helfen wollen. Das Telefon steht schon den ganzen Vormittag nicht still. Wir brauchen jemanden, der die Hilfsangebote koordiniert. Das machen Sie!“

„Ich?“, fragt Ludwig. Er fühlte sich überrumpelt.

„Natürlich Sie. Es war Ihr Artikel.“

Ludwig setzte sich an seinen Arbeitsplatz und begann die Zettel zu sortieren. Mehrere Leute boten Isomatten und Schlafsäcke an. Ein Umzugsunternehmen hatte noch Platz in einer Lagerhalle und bot sie zum Übernachten an. Eine Großküche wollte zum Selbstkostenpreis eine warme Mahlzeit am Tag kochen und zu den Leuten bringen. Und viele Leute wollten Kleider oder Geld spenden. Ludwig kümmerte sich um alles. Er arbeitet viele Tage bis spät in die Nacht um alles zu organisieren. Nie hätte er gedacht, was für ein Aufwand an Bürokratie nötig war, nur um ein paar Menschen zu helfen.

Es war einige Monate später. Der Winter war vorbei. Aus der spontanen Hilfsaktion für Obdachlose war ein Verein geworden, der sich auch um andere soziale Projekte kümmerte. Im Moment versuchte der Verein ein Haus mit Garten anzumieten, um Unterstände für Menschen mit Angst vor geschlossenen Räumen anbieten zu können. Außerdem wollten sie den Leuten die Möglichkeit zur Gartenarbeit zu geben, weil das eine gute Therapiemethode war für Menschen, die schlimme Wunden an der Seele hatten.

„Wir brauchen einen Artikel darüber in der Zeitung“, sagten Ludwigs Mitstreiter zu ihm. „Etwas, das an die Herzen der Leute rührt, so wie dein Bericht vor Weihnachten.“

Ludwig setzte sich an seinen Schreibtisch. Er machte den Computer an. Er starrte auf den leeren Bildschirm, aus dem Fenster, auf die Wand. Er stand auf und kochte Kaffee. Er setzte sich wieder an den Computer. Nichts. Keine einzige Idee tauchte in seinem Kopf auf.

Da erinnerte er sich an den Bleistift. Vielleicht konnte der ihm helfen.

Beim letzten Mal war der Strom ausgefallen gewesen. Ludwig schaltete also alle Lampen und den Computer aus. Er holte die Campinglampe und einen Schreibblock und nahm erwartungsvoll den Bleistift zur Hand. Er schloss die Augen. Nichts passierte. Ach ja, beim letzten Mal hatte er einen karierten Block gehabt. Aber auch mit einem karierten Block passierte nichts. Doch als Ludwig sich restlos albern vorkam und gerade aufgeben wollte, begann seine Hand zu zucken. Der Stift begann mitten auf der Seite. Er schrieb aber nicht, sondern zog gerade Linien. Ludwig öffnete die Augen und sah zu, was auf seinem Blatt geschah. Der Bleistift malte hin und her, nach rechts, nach links, nach oben, nach unten. Schließlich machte er einen schwungvollen Bogen nach rechts, malte noch zwei Zacken und kam mit einem letzten Bogen nach links zurück zu seinem Ausgangspunkt. Dann begann die Zeichnung in allen Regenbogenfarben zu schimmern.

„Was will mir dieser Stern jetzt sagen?“, fragte Ludwig laut in seine leere Wohnung hinein.

Er überlegte eine Weile.

Stern, Sternschnuppe, Komet, leuchtender Stern, Stern von Bethlehem. Das war es! Das war der Stern von Bethlehem, der die heiligen drei Könige zu Jesus geführt hatte. Die drei Könige hatten eine lange, gefahrvolle Reise unternommen, um einem kleinen Baby ihre Gaben in einen Stall zu bringen. Einem Baby, von dem sie glaubten, dass es die Welt zum Besseren wenden würde.

Auf einmal waren die Worte da. Ludwig schrieb: „Kurz vor Weihnachten habe ich über Obdachlose berichtet und die Bürger antworteten mit einer großen Welle von Hilfsbereitschaft. Aus dieser Welle ist etwas viel größeres geworden. Menschen haben sich gefunden, um für andere unsere Stadt zu einem besseren und lebenswerteren Ort zu machen. Wenn uns das gelingt, wenn wir alle diesen weiten Weg gemeinsam bis zum Ende gehen, dann ist jeden Tag ein bisschen Weihnachten für jeden von uns.“

Annegret hatte geendet. „Vielleicht ist der Schluss ja ein bisschen zu rührseelig“, sagte sie dann, als keiner etwas sagen wollte.

Die anderen schüttelten die Köpfe. „Die nehmen wir, genauso, wie sie ist.“

Klara seufzte. „Das Buch hätte ich schrecklich gerne. Gibt es noch mehr Geschichten?“

„Abwarten“, sagte der Weihnachtsmann, „Schau’n wir mal, wo wir als nächstes landen.

Weihnachtsmarkt in Winkelhausen: 13. Dezember

13-12-1315. Oktober

Sie waren wieder in dem Klassenzimmer. Annegret las, die anderen hörten gespannt zu.

„Ludwig wachte am nächsten Morgen ziemlich verkatert auf. Er erinnerte sich an einen Stromausfall. Währenddessen musste er eingeschlafen sein, denn er erinnerte sich an einen verwirrenden Traum, in dem ein Bleistift, der von alleine schrieb, vorkam. Bloß gut, dass er rechtzeitig aufgewacht war, um den Bericht für die Zeitung zu schreiben und abzusenden. Allerdings ließ ihm der Traum keine Ruhe. Er war so real gewesen. In Zukunft trinkst du besser gar nichts mehr auf solchen Veranstaltungen, wenn dich schon ein Glas Sekt dermaßen aus den Schuhen haut, dachte er bei sich. Dann ging er mit seinem Kaffeebecher in sein Arbeitszimmer. Er brauchte heute nicht in die Redaktion zu fahren. Er hatte Außendienst, das hieß, dass er irgendwo in der Stadt recherchieren musste und seinen Auftrag per e-Mail bekam. Als er jedoch an seinen Schreibtisch trat, stockte ihm der Atem. Da lag, mit Bleistift geschrieben, ein Bericht über die Obdachlosen unter der Autobahnbrücke. Das gab es doch nicht. Also war dieser wirre Traum wahr gewesen. Ludwig beschloss, der Sache auf den Grund zu gehen. In seiner Mail bekam er den Auftrag, am Nachmittag über den Weihnachtsmarkt zu schreiben und vormittags sich nach einer Story umzusehen.

Alles klar, dachte er, Obdachlose sind auch eine gute Story, vorausgesetzt, dass es sie wirklich gibt.

Es gab sie. Unter der Autobahnbrücke fand er sie alle, wie es der Bleistift beschrieben hatte. Menschen, die aus verschieden Gründen auf der Straße lebten und nicht in die Notunterkünfte gehen wollten oder konnten.

Martha, deren Haus abgebrannt war . Sie konnte sich nicht in geschlossenen Räumen aufhalten.

Tom, der Martha nicht allein lassen wollte.

Julia, die immer wieder laut schreien musste, niemand wusste, warum.

„Sie muss etwas schreckliches erlebt haben“, flüsterte Martha, „immer wieder hat sie Alpträume.“

Dann war da Markus, der immer wieder trank. „Weißt du, wenn ich trinke, ist diese beschissene Welt wieder schön“, nuschelte er und bot Ludwig etwas aus seiner Flasche an.

Und Ella, die die Nähe von Menschen nicht ertragen konnte. Selbst in dieser kleinen Gruppe hielt sie sich abseits.

Sie alle wirkten vernachlässigt und ungepflegt. Es waren Menschen, nach denen sich kaum jemand umdrehte,  ja, die man nach Möglichkeit übersah. Aber Ludwig hatte noch nie so viele erschütternde Schicksale auf einem Haufen gesehen. Sie taten ihm leid und gleichzeitig bewunderte er ihre Gemeinschaft, in der sie ihr Schicksal teilten und einander ohne Vorurteile annahmen. Er beschloss, dass die Geschichte aus dem Bleistift in die Zeitung musste.

„Das ist gar nicht dein üblicher Stil“, sagte der Chefredakteur, „aber die Geschichte ist gut. Wir werden sie ungekürzt abdrucken.“

Annegret brach ab. Alles schwieg. Dann sagte der der junge Mann mit der Diplomarbeit:

„Ich wusste nicht, dass so tolle Geschichten in Dir stecken! Das ist einfach Boah! Aber das kann doch jetzt nicht alles gewesen sein! Ich dachte, der Abend verändert Ludwigs Leben. Was passiert denn als nächstes?“

Annegret wurde über und über rot. „Ich hatte Angst, dass es schon zu lang ist. Aber ich habe noch mehr geschrieben.“

„Vorlesen, vorlesen, vorlesen!“, riefen alle.

Weihnachstmarkt in Winkelhausen: 12.Dezember

12-12-1314. Oktober

Der Weihnachtsmann und die Kinder befanden sich in einem Wohnzimmer. Die Möbel waren altmodisch, über den geblümten Sesseln lagen kleine Schondeckchen und jede freie Fläche war mit kleinen Figürchen vollgestopft. Zumeist waren es Kinder mit kurzen Kleidchen und runden Backen. Am Tisch saß die Frau im rosa Strickpulli, die im Schreibkurs nach den Engelchen und Wichteln gefragt hatte. Nur ihr Pulli war heute nicht rosa sondern grün mit glitzernden Streifen. Sie saß am Esstisch, vor sich einen Schreibblock, eine Tasse Tee und einen Teller mit Keksen. Eine CD mit Weihnachtsliedern lief.

„Das ist Annegret“, sagte der Weihnachtmann. „Die ganze Woche schon versucht sie, eine Geschichte mit Engelchen, Rehlein und Wichteln zu schreiben, aber es will ihr nicht gelingen. Ich glaube, ich sollte ihr mal ein wenig helfen.“

Er ging zum Tisch und gab dem Bleistift, der darauf lag, einen kleinen Stups. Er rollte zum Rand und fiel mit einem Klappern zu Boden. Annegret zuckte zusammen und sah dem Stift nach, der unter den Schrank rollte. Seufzend stand sie auf, ging zu einer Kommode, zog eine Schublade auf und holte einen Stift heraus. Dann stand sie eine ganze Weile da und starrte auf den Stift in ihrer Hand. Schließlich legte sie ihn wieder in die Schublade zurück. Sie schien sich einen Ruck zu geben und zog eine schmale Schachtel hervor. Damit in der Hand setzte sie sich wieder an den Tisch. Aus der Schachtel nahm sie einen  Zettel, den sie durchlas. Dann nahm sie aus der Schachtel einen Bleistift. Er war über und über mit glitzernden Hologrammstickern beklebt und schien im Lampenlicht zu funkeln. Annegret zog den Block zu sich und begann zu schreiben.

„Was ist das für ein Stift?“, fragte Klara. „Ist der magisch?“

„Alles ist magisch, wenn man es nur sehen will“, entgegnete der Weihnachtsmann. „Diesen speziellen Stift hat Annegret allerdings von ihrer Nichte geschenkt bekommen, und was es damit auf sich hat, kannst Du auf dem Zettel nachlesen.“

Klara ging auf Zehenspitzen zum Tisch. Sie hatte sich noch immer nicht völlig daran gewöhnt, dass sie für die Leute unsichtbar war. Thomas kam mit und sah ihr über die Schulter. Gemeinsam lasen sie:

Liebe Tante Annegret!

Dieser magische Bleistift wird Dir bei Deinen Geschichten helfen. Wenn Dir mal nichts einfällt, dann lass ihn die Geschichte aufschreiben, die in ihm steckt.

Deine Britta

Die Kinder sahen sich schulterzuckend an. Dann wandten sie sich Annegret zu, die emsig schrieb. Ihre Schrift war rund und gut zu lesen. Auf dem Schreibblock stand:

Ludwig war Journalist bei einer Tageszeitung. Die Zeitung war nicht groß, aber die Berichte waren sorgfältig geschrieben und recherchiert. Als Ludwig frisch von der Hochschule kam, hatte er vorgehabt, über große Politik in einer großen Tageszeitung zu schreiben und in ferne Länder zu reisen, um dort Missstände aufzudecken. Doch solche Stellen waren dünn gesät, und schließlich war er bei einer Zeitung in einer Kleinstadt gelandet. Die Zeitung war so klein, dass jeder Journalist über alle Themen schreiben musste, und große Missstände, die man aufdecken konnte, gab es auch nicht. Allerdings war die Arbeitslosigkeit in der kleinen Stadt außergewöhnlich hoch, weil eine große Fabrik, in der viele Menschen beschäftigt gewesen waren, geschlossen worden war.

Der Abend, der Ludwigs Leben entscheidend verändern sollte, begann damit, dass er über den Weihnachtsempfang des Bürgermeisters schreiben sollte. Alle wichtigen Leute in der Stadt würden anwesend sein: die Stadträte, der Direktor der Gesamtschule, der Leiter der Klinik, der Direktor der Sparkasse und so weiter und so weiter. Alle würden sich mit gutem Essen und gutem Wein voll stopfen und sich gegenseitig zu einem erfolgreichen Jahr gratulieren. Man würde Kontakte pflegen, Geschäfte vorbereiten, Sponsoren für Vereine und öffentliche Einrichtungen würden gesucht und gefunden werden. Am Ende würde man Geld für einen wohltätigen Zweck sammeln.

Ludwigs Arbeit bestand darin, zu berichten, wer da war, was der Bürgermeister in seiner Rede gesagt hatte, was es zu essen gab und wofür gespendet worden war. Ein Auftrag, der eine halbe Stunde auf dem Empfang und eine weitere halbe Stunde zu Hause am PC erforderte. Mürrisch zog er einen Anzug an. Er verabscheute diese Art von Empfängen, besonders, weil er sich dafür schick anziehen musste.

Am Rathaus fand er keinen Parkplatz und musste deshalb ein paar Straßen durch den Schneematsch waten. Auf einmal sah er im Licht der Straßenlaterne etwas auf dem Gehsteig glitzern. Er hob es auf, es war ein Bleistift, der mit einer Glitzerfolie bedeckt war. Wer den wohl verloren hatte? Gedankenverloren steckte er ihn ein. Als er sich auf dem Empfang Notizen machen wollte, stellte er fest, dass er seinen Kugelschreiber in seiner anderen Jacke vergessen hatte. Da kommt mir der Bleistift gerade recht, dachte er und begann mit der Arbeit.

Als er später zu Hause seinen Bericht schreiben wollte, fiel der Strom aus. Ärgerlich suchte sich Ludwig einen Schreibblock und eine Campinglampe. Dann nahm er seine Notizen und den Bleistift und wollte schon einmal anfangen. In der Redaktion gab es einen Scanner und ein Programm, mit dem handschriftliche Berichte in den Computer eingelesen werden konnten. Wenn man sauber genug schrieb, brauchte man nicht den ganzen Text nochmals abzuschreiben. Er musste dann zwar noch einmal zu Zeitung fahren, anstatt den Text per

e-Mail in die Druckerei zu senden, aber wenigstens konnte er so zu Hause arbeiten.

Aber was war das? Der Bleistift schrieb nicht! Ludwig sah die Spitze an. Er war spitz genug, nicht abgebrochen, scheinbar völlig in Ordnung. Aber warum schrieb des dumme Ding nicht? Eben hatte er doch noch seine Notizen damit gemacht! Er kritzelte ein paar Mal ohne hin zuschauen auf dem Blatt herum. Auf einmal zuckte seine Hand, die den Bleistift hielt. Dann begann sie, rasch über das Papier zu gleiten. Ludwig traute sich nicht, auf das Blatt zu schauen. Erst als seine Hand still hielt, wagte er, den Text zu lesen, den er mit dem Bleistift, oder besser der Bleistift mit ihm geschrieben hatte. Er handelte von Obdachlosen, die unter der Autobahnbrücke wohnten, was im Winter besonders schlimm war.

Ludwig runzelte die Stirn. Wie kam er dazu, einen solchen Text zu schreiben? Er hatte noch nie Obdachlose unter der Brücke gesehen.

Da ging der Strom wieder an. Ludwig schrieb seinen Bericht über den Weihnachtsempfang, mailte ihn in die Redaktion und ging dann zu Bett. Er war hundemüde und hatte vermutlich zu viel Alkohol getrunken, wenn er sich schon von selbst schreibende Bleistifte einbildete.

„Wow“, flüsterte Thomas, „so etwas Tolles kann die Pulli-Tante schreiben?“

„Können wir nicht noch bleiben? Ich möchte so gerne den Rest der Geschichte lesen, “ bettelte Klara, als der Weihnachtsmann Anstalten machte, weiter zu reisen.

„Keine Sorge, ihr sollt aber sehen, was die anderen im Schreibkurs davon halten. Kommt jetzt!“

Weihnachtsmarkt in Winkelhausen: 11. Dezember

11-12-13

8. Oktober

„Jetzt haben wir aber einen gewaltigen Sprung zurück gemacht“, bemerkte der Weihnachtsmann. „Aber das macht nichts. Ich glaube, hier erleben wir etwas sehr spannendes.“

„Wo und wann sind wir denn?“, fragte Klara.

Wir sind im Schreibkurs der Volkshochschule, und es ist der 8. Oktober.“

„Schreibkurs?“, wunderte sich Thomas. „Hier sitzen lauter Erwachsene. Die können doch schreiben. Das lernt man doch in der Schule!“

„Hier lernen sie auch nicht, wie man Wörter schreibt, sondern wie aus diesen Wörtern Geschichten werden, die Leute lesen wollen.“

„Das muss man lernen?“

„Im Allgemeinen schon. Probier doch selber mal, eine Geschichte zu schreiben, dann siehst Du, dass das nicht so einfach ist. Aber still jetzt, ihr sollt zuhören!“

Der Weihnachtmann und die Kinder standen in einem Klassenzimmer. An den Tischen, die im Kreis standen, saßen 15 Leute. Das Alter war gemischt, ein junges Mädchen saß da, genau wie ein alter Mann. Sie alle hörten einer jungen Frau zu, die einen Text vorlas.

Während die drei miteinander geflüstert hatten, hatte eine junge Frau ihren Text beendet. Nun diskutierten die Leute der Gruppe  über den Text, allerdings nicht so sehr über den Inhalt, sondern darüber, ob die Zeiten richtig gebraucht worden waren, ob die Dialoge natürlich klangen und sonst noch lauter Sachen, von denen Thomas noch nie etwas gehört hatte. Das klang alles mächtig kompliziert. Er hatte nicht gewusst, dass man bei einer Geschichte so viel beachten musste. Die Kinder begannen sich zu langweilen.

Aber da sagte die Leiterin des Kurses: „Bevor wir auseinandergehen muss ich noch etwas mit Euch besprechen. Ihr wisst vielleicht, dass es in diesem Jahr einen Weihnachtsmarkt zu Gunsten eines Kinderkrankenhauses in der Nähe von Tschernobyl geben wird. Was haltet ihr davon, wenn wir Weihnachtsgeschichten schreiben, aus denen wir ein kleines Buch machen? Meine Freundin leitet einen Malkurs, und die würden zu den Geschichten Illustrationen machen, falls Euch diese Idee gefällt. Was meint ihr?“

Sofort begann eine lebhafte Diskussion, und auch die Kinder waren wieder ganz aufmerksam. Beide mochten Geschichten und sie waren gespannt, was da wohl geplant würde.

„Ist das nicht schrecklich teuer, ein Buch zu drucken?“, fragte eine ältere Frau.

„Wenn man es wie ein Heft bindet, eigentlich nicht“, wusste ein junger Mann. „Ich habe gerade meine Diplomarbeit drucken lassen, und es war ziemlich erschwinglich.“

„Müssen es Weihnachtsgeschichten sein? So mit Engelchen, Wichteln und Weihnachtsmann?“, wollte eine Frau in einem rosa Strickpulli wissen.

„Sollen sie nur für Kinder sein, oder darf es auch etwas für Erwachsene geben?“, fragte der alte Mann. Diese Frage sorgte für Gelächter in der Gruppe.

„Das ist Herrmann, der schreibt am liebsten Krimi-Geschichten“, erklärte der Weihnachtsmann den Kindern, die ihn fragend ansahen.

Nach einigem Hin und Her war man sich einig.

„Wir werden Geschichten schreiben, die mit allem zu tun haben, was uns an Weihnachten wichtig ist: Familie, Freunde, Menschen helfen, Glück, Mitleid, Wichteln, Elfen, Geschenken und so weiter. Am Ende haben wir eine Sammlung von Geschichten für die ganze Familie. Und ja, Herrmann, wenn Du zu Weihnachten kriminelle Energie entwickeln kannst, dann nur zu. Eure Hausaufgabe zur nächste Woche ist damit klar.“

Die Leute begannen ihre Sachen zusammenzupacken und der Weihnachtsmann gab den Kindern ein Zeichen.

„Hier würde ich zu gerne in der nächsten Woche Mäuschen spielen“, seufzte Klara.

„Mal sehen, was ich tun kann.“, antwortete der Weihnachtsmann. „Kommt mit.“

Weihnachtsmarkt in Winkelhausen: 10.Dezember

Heute leider etwas spät, aber früh war einfach keine Zeit und gestern abend wurde es beim Weihnachtsliedersingen mit Freunden sehr spät. Hier also Teil 10 der Adventskaldendergeschichte. Unvorstellbar, in 2 Wochen ist ja schon Weihnachten!

10-12-133.November

„Wo und wann sind wir jetzt?“, fragte Thomas den Weihnachtsmann, als sie sich in einer warmen Küche wiederfanden.

„Wir haben den 3.November, und wir sind in der Küche von Familie Wolf.“

„Der Informatiklehrer?“, fragte Klara.

Der Weihnachtsmann nickte. „Und warum schubst du uns andauernd in der Zeit herum? Vorhin waren wir noch bei dem Internetblog vom 16. November, und jetzt sind wir wieder zurück am 3.November. Da kommt man kaum mit!“

„Die Zeit hat ihre eigenen Vorstellungen davon, wie sie vergehen will. Auch der Weihnachtsmann kann nicht immer so in der Zeit herumreisen, wie er will. Besonders nicht, wenn er zwei Menschenkinder mitnimmt. Aber still jetzt, hört zu, was hier passiert.“

Am Küchentisch saßen der Informatiklehrer und seine Frau. Er berichtete gerade von dem Computerspiel und den Schwierigkeiten, die es damit gab.

„Vielleicht solltest du jemanden fragen, der sich damit auskennt. Deinen Sohn zum Beispiel.“

„Frank?“

„Hast du sonst noch einen Sohn? Natürlich Frank. Der Junge ist Programmierer!“

„Aber er macht  Software für Flugzeuge.“

„Na und? Frag‘ ihn, wenn er dir nicht helfen kann, dann kennt er sicher jemanden, der es kann. Außerdem wird es ihm gut tun, wenn du ihn um Hilfe bittest. Und dir auch. Ihr seid euch viel zu fremd geworden in der letzten Zeit. Ich will, dass sich das ändert.“

„Kannst du ihn nicht anrufen?“

„Vergiss es! Das ist dein Problem. Bitte hilf mir, ich kann es nicht allein sind schwere Worte. Umso wichtiger, dass man sie von Zeit zu Zeit mal ausspricht. Abgesehen davon habe ich jetzt Chorprobe.“

Im nächsten Moment standen die Kinder und der Weihnachtsmann in einem kleinen Saal.

„Das ist der Gemeindesaal der Kirchengemeinde. Hier probt der Kirchenchor“, erklärte der Weihnachtsmann.

Die Sänger übten vierstimmige Weihnachtslieder. Es klang sehr schön. Dann gab es eine Pause. Frau Wolf stand mit ein paar Sängern und dem Chorleiter  zusammen. Sie erzählte von dem Computerspiel.

„So eine CD ist eine coole Sache“, sagte ein junger Mann. „Wir sollten auch eine CD mit Weihnachtsliedern machen. Die könnten wir auf dem Weihnachtsmarkt nach unserem Chorauftritt verkaufen.“

„Super Idee“, sagte eine junge Frau. „Ich habe doch da diesen Freund, der für das Stadtradio in Hannover arbeitet. Er ist Tontechniker. Vielleicht kann er die Aufnahmegeräte ausleihen und wir machen hier eine Aufnahme. Die Kirche hat eine gute Akustik.“

„So viele Lieder haben wir doch gar nicht im Programm, dass es für eine ganze CD reicht. Wir bekommen höchstens eine halbe Stunde Musik zusammen“, gab ein anderer Mann zu bedenken.

„Mir geht das Computerspiel nicht aus dem Sinn“, sagte Frau Wolf. „Ich meine, auf so einer CD ist doch viel Platz. Wenn man unsere Lieder, das Spiel und vielleicht noch ein paar Geschichten, Gedichte, Bastelanleitungen und Rezepte darauf speichert, hat man eine Weihnachts-CD für die ganze Familie.“

Der Chorleiter hatte die ganze Zeit schweigend zugehört. Jetzt sagte er: „Das ist eine gute Idee, Anke. Aber lasst uns erst mal die Aufnahme unserer Lieder klarmachen. Anja soll mal mit ihrem Freund reden. Vielleicht macht das Stadtradio ja auch eine kleine Sendung mit unseren Liedern, dann kommt der Weihnachtsmarkt auch ins Radio und wir bekommen eine gute Werbung. Wenn das mit der Aufnahme klappt, dann redet Anke mit ihrem Mann.“

„Geht klar“, sagte die junge Frau, die Anja hieß. „Ich werde meinem Freund auch gleich sagen, dass wir ihm nichts bezahlen können. Er muss das für den guten Zweck gratis tun. Aber sowas macht der auch.“

 „Die CD hätte ich auch gerne“, sagte Klara.

„Ich auch“, rief Thomas. „Hoffentlich schaffen sie es!“

Adventspost in Arbeit

Adventspost in Arbeit

Adventskalender von meiner Schwester

Adventskalender über Adventskalender

Weihnachtsmarkt in Winkelhausen: 9. Dezember

9-12-13Der Weihnachtsmann hatte auf einmal ein Tablet in der Hand und tippte eine Internetadresse ein. Die Kinder staunten. Der Weihnachtsmann bloggte?

Glasfees Blog

16. November

Jetzt dachte ich, mit dem Martinsmarkt in der letzten Woche wäre ich mit den Märkten für dieses Jahr durch. Aufträge habe ich ja noch genug, unter den Weihnachtsbäumen soll noch so das eine Kettchen oder das andere Armband liegen. Aber unser Dorf veranstaltet am ersten Advent einen Weihnachtsmarkt zugunsten eines Kinderkrankenhauses und einer Schule in der Nähe von Tschernobyl. In dem Krankenhaus werden Kinder mit Krebserkrankungen behandelt, und natürlich sind die finanziellen Mittel dort immer knapp. Klar, dass ich da mitmachen muss!
Ich sitze also ganz fleißig an meinem Perlenbrenner. Eine Serie Froschperlen ist schon fertig. Aber für einen Weihnachtsmarkt habe ich mir natürlich etwas Weihnachtlicheres ausgedacht. Gefallen sie euch?
Auf  Bildern sieht man kleine runde Anhänger mit roten Weihnachtsmännern, Rentiere auf grünem Grund und gelbe Sterne auf rotem Grund.
 Ich habe natürlich auch die bunten Ketten, die ihr alle kennt und liebt und Handyanhänger  oder Anhänger für den Reißverschluss.
Vielleicht sehe ich ja den einen oder anderen von euch auf dem Weihnachtsmarkt. Es wird dort viele  liebevoll gemachte Sachen geben, mit denen man anderen eine Freude machen kann. Also kommt zahlreich, es ist für einen guten Zweck!

Weihnachtsmarkt in Winkelhausen: 8.Dezember

8-12-1331.Oktober

„Sind wir wieder bei Peter?“, fragte Thomas.                                                            „Ja. Es sind zwei Wochen vergangen, seit Max bei Connie die Bilder bestellt hat.“       

„Hat sie denn nichts gemacht?“, fragte Klara. „Doch, aber höre selbst.“

„Ich kriege das nicht hin!“, rief Peter. „Immer, wenn ein Wichtel läuft, verschwindet der Hintergrund. Und im Internet finde ich auch keine Hilfe.“

„Vielleicht tröstet es dich, wenn ich dir sage, dass meine Wichtel ihre Pakete nicht einsammeln. Ich bekomme die Animation auch nicht hin“, sagte Kevin.       „Wisst ihr was? Ich glaube, dieses Spiel ist eine Nummer zu groß für uns“, ließ sich jetzt Max vernehmen.

„Wir  müssen wohl aufgeben“, sagte Peter.                                                          „Wenn selbst der Superhacker nicht weiter weiß, ist das wohl das Ende“, meinte nun auch Kevin.

„Nie im Leben!“, rief Max. „Ich werde diese Wette erst aufgeben, wenn wir alles versucht haben.“

„Wir haben doch schon alles versucht!“, sagte Kevin.

„Nein, eins bleibt uns noch. Wir werden uns Hilfe in der Schule holen. Herr Wolf, der Informatik-Lehrer ist total gut drauf, und in der Informatik-AG sind auch Schüler aus der Abi-Klasse, die mehr drauf haben, als wir, wenn man mal ehrlich

ist. Heute ist Montag. Die AG trifft sich genau jetzt. Also, worauf warten wir?“

„Kommt mit“, sagte der Weihnachtsmann. „Wir gehen zur Schule und sehen uns an, was dort passiert.“

Sie waren gerade in dem Raum voller Computer angekommen, als die Tür aufging, und Max, Peter und Kevin eintraten. Max begrüßte den Lehrer, die anwesenden Jungen uns das eine Mädchen, das auch an einem Computer saß.

„Leute, wir haben ein Problem. Wir brauchen Hilfe.“ Er berichtete von dem Spiel und der CD für den Weihnachtsmarkt. „Wir schaffen das nicht allein“, endete er.

„Oh Mann, das hat sicher weh getan. Max, der Superhacker muss um Hilfe bitten.“ Ein großer Junge schaute boshaft in die Runde.

Max sah ihm ins Gesicht. „Es ist für einen guten Zweck. Ich bin durchaus im Stande, dafür auch schon mal über meinen Schatten zu springen“, sagte er kühl.

„Lass ihn in Ruhe, Julian“, sagte ein andere Junge. „Ich finde es ganz schön mutig von ihm, zu uns zu kommen. Wie weit seid ihr denn schon gekommen?“

„Schließ doch mal deinen Laptop an den Beamer da vorne an“, sagte der Lehrer. „Dann können wir alle sehen, wo wir ansetzen müssen.“

Kurze Zeit später schwirrten lauter Ausdrücke durch den Raum, die die Kinder noch nie gehört hatten. Alle Schüler und der Lehrer diskutierten miteinander.

Am Ende sagte der Lehrer: „Ich denke, wir helfen euch.“ Zustimmendes Gemurmel. „Ich erwarte euch am Donnerstag zum nächsten Treffen. Bis dahin lässt sich jeder etwas einfallen. Euer Ansatz ist gar nicht so schlecht, da können wir etwas draus machen.“

Weihnachtmarkt in Winkelhausen: 7.Dezember

7-12-1317.Oktober

Der Weihnachtsmann stand mit den Kindern in einem anderen Jugendzimmer. Es gab zwei Betten, zwei Schränke und zwei Schreibtische. An den Wänden hingen Poster mit Bildern, die Klara aus dem Kunstunterricht kannte. An jedem Schreibtisch saß ein Mädchen. Die eine schnitt Tannenbäume aus Tonpapier aus, verzierte sie mit goldener Kordel und Pailletten und klebte sie auf Briefkarten. Die andere schnitt mit einem kleinen Cuttermesser und einem Lineal Linien in weißem Tonkarton.

Es klopfte an der Tür und Max steckte den Kopf ins Zimmer. „Hallo Connie, hallo Tessa. Darf ich `reinkommen?“

„Hallo Max. Klar, komm rein. Was führt dich denn zu uns?“, fragte das Mädchen mit dem Cutter.

„Ich komme, um deine Schulden einzutreiben. Hey, was machst du denn da?“ Er trat neugierig an den Schreibtisch.

„Wir machen Karten für den Weihnachtsmarkt. Warte, ich zeige dir eine, die schon fertig ist.“ Sie gab Max eine Karte. Sie war rot und als Max sie aufklappte, kam ihm ein Schloss aus Papier entgegen.

„Wow, das ist ja der Wahnsinn. Ist das nicht eine irrsinnige Arbeit?“

„Geht so. Wir machen immer ein paar Karten jeden Tag, dann hält sich die Arbeit in Grenzen. Wir haben ja noch ein paar Wochen Zeit. Aber was möchtest du denn von mir? Und von was für einer Schuld sprichst du?“

„Erinnerst du dich an dein kaputtes Zeichenprogramm? Ich habe es repariert und ich glaube deine Worte waren: „Was auch immer du von mir willst, du kriegst es“. Schon vergessen?“

„Ich war verzweifelt. Ein Gentleman würde das nicht ausnutzen!“

„Dann hättest du einen Gentleman um Hilfe bitten sollen. Pass auf, ich brauche folgendes…“ Und Max erzählte von dem geplanten Computerspiel. Nur die Sache mit der Wette ließ er aus.

„Und du meinst, ich kann das.“

„Niedlich und gewaltfrei, das ist was für Mädchen. Außerdem “, fügte Max schnell hinzu, als Connie unwillig die Stirn runzelte, „außerdem bist du die Beste.“

„Spar dir die Schmeichelei, ich mache es. Zum einen, weil wir dann quitt sind, zum anderen, weil mich das echt reizt. Habt ihr schon eine Idee, wie die Wichtel aussehen sollen?“

„Na ja, wie Wichtel halt so aussehen. Klein und so.“                                             Tessa lachte. „Das ist mal wieder typisch Junge. Klein und so. Mit Bart oder ohne, mit spitzen Ohren und abstehenden Haaren, wie denn nun?“

Connie hatte zu einem Skizzenblock gegriffen und zeichnete eifrig mit dem Bleistift herum. Schließlich hielt sie ein Bild hoch. „Gefällt dir das?“

Ein kleines Männchen mit einem spitzen Bart und spitzen Ohren war zu sehen. Es trug geringelten Strümpfen, Schnürstiefel und eine lange Zipfelmütze.

„Der ist perfekt.“ Max war begeistert.                                                                       „Alles klar. Gebt mir eine Woche Zeit und ihr bekommt eure Wichtel, Geschenke und den Winterwald mitsamt Weihnachtsmann.“

 

Zum Weiterlesen:

Adventskalender 2012: Als der Weihnachtsmann verhaftet wurde

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Als der Weihnachtsmann verhaftet wurde

Adventspost in Arbeit

So hat alles angefangen: 1. Dezember

So hat alles angefangen:
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Weihnachtsmarkt in Winkelhausen: 6. Dezember

6-12-1315. Oktober

„Wo sind wir denn jetzt gelandet?“, fragte Thomas.

Beide Kinder sahen sich in einem Zimmer um. Kleidungsstücke lagen auf dem Fußboden, neben dem Bett lag ein Stapel Computerzeitschriften und an der Wand klebte ein Fußball-Poster. Es waren drei Jungen, so um die 15-16 Jahre, in dem Zimmer. Einer lag auf dem Bett und blätterte in einer der Computerzeitschriften, einer lümmelte sich in einem Sessel herum und der dritte saß an einem Schreibtisch und tippte auf einer Computertastatur.

Auf einmal rief der Junge am Computer: „Yes! Isch bin drin!“

Sogleich kam Leben in den Jungen auf dem Stuhl. „Im Ernst? Hast du die Kindersicherung geknackt?“

„Jawoll! Ich bin der Superhacker! Soll ich mal „Heiße Miezen“ in die Google-Bildersuche eingeben?“

„Mensch Max, lass den Mist!“, rief jetzt der Junge auf dem Bett. „Wenn meine Eltern das ‚raus kriegen, dann hat es sich ausgehackt für uns.“

„Deine Eltern sind nicht da“, sagte der mit Max angesprochene.

„Aber Carolin, und die ist die größte Petze unter der Sonne. Sie müsste sowieso gleich hier auftauchen, wenn sie nicht schon längst am Schlüsselloch lauscht.“

„Ich finde es ohnehin eine Zumutung, dass wir auf sie aufpassen müssen. Wir sind eine Hacker-Zelle und kein Babysitter-Verein“, erklärte Max.

„Wenn wir nicht auf sie aufpassen, dürfen wir uns nicht hier treffen. Meine Mutter hat sich da ganz klar ausgedrückt. He, Kevin, was machst du da?“

Der Junge aus dem Sessel hatte sich leise an die Tür herangepirscht. Jetzt riss er sie mit einem Ruck auf. Ein kleines Mädchen segelte in das Zimmer hinein und landete unsanft auf dem Fußboden. Sie schien um die sechs Jahre alt zu sein. Sie verzog das Gesicht und fing an zu weinen. „Das sag ich alles Mama!“

Kevin sah sie spöttisch an und sagte völlig ungerührt: „Nein, tust du nicht. Denn dann müsstest du auch sagen, dass du am Schlüsselloch gelauscht hast. Ganz schön dämlich übrigens, sich dabei an der Türklinke festzuhalten. Dabei kann man böse Unfälle erleben.“

Die Kleine schniefte weiter. Ihr Bruder ging zu ihr und hob sie vom Boden auf. „Kevin hat vollkommen recht, du bist selber schuld. Hast du dir weh getan?“

Anscheinend war alles in Ordnung mit ihr. Auf die Frage, was sie denn von den Jungs wollte, druckste sie ein wenig herum. „Mama hat gesagt, du sollst uns in Ruhe lassen. Sie hat dir extra erlaubt, ein Computerspiel zu spielen. Also, was ist denn so wichtig?“

„Ich komme bei Shrek nicht weiter. Ihr seid doch so tolle Computerfreaks, könnt ihr mir nicht helfen?“ Sie guckte die Jungen mit großen Augen von unten herauf an.

„Süße, dein Charme verfängt bei uns nicht“, sagte Max. „Und gegen deinen „Littlest-Pet-Shop-Blick“ bin ich immun. Ich habe auch eine kleine Schwester. Mit deinem Shrek-Spiel musst du alleine klarkommen. Gemogelt wird nicht.“

„Das sagst du nur, weil ihr das nicht könnt. Ihr seid gar keine Hacker!“

„Sind wir wohl!“

„Ach ja? Und wo ist dann das Computerspiel, das Peter mir zum Geburtstag versprochen hat? Da warte ich schon seit dem Sommer darauf! Ihr könnt gar nichts.“

„Zufällig arbeiten wir gerade an einem Computerspiel für den Weihnachtsmarkt, Fräulein „Ich-weiß-ja-so-gut-Bescheid“. Ich wette mit dir, dass wir das bis dahin fertig bekommen.“

„O.K. Wenn ihr gewinnt, lasse ich euch in Zukunft in Ruhe und erzähle niemandem, was ihr macht. Wenn ich gewinne, müsst ihr mir immer mit den Computerspielen helfen.“

Und Carolin und Max besiegelten die Wette mit einem Handschlag.

Als Carolin das Zimmer verlassen hatte, sah Peter seinen Freund entgeistert an.

„Sag mal Max, bist du eigentlich von allen guten Geistern verlassen? Computerspiel für den Weihnachtsmarkt. Wie kommst du denn auf so etwas?“

„Ich musste deiner neunmal klugen Schwester doch den Mund stopfen.“

„Weißt du eigentlich, wie kompliziert es ist, ein Computerspiel zu entwerfen? Ich beiße mir schon seit dem Sommer daran die Zähne aus. Und wir haben noch nicht mal eine Spielidee. Und überhaupt, Weihnachtsmarkt. Was soll man denn da mit einem Computerspiel.“

Jetzt mischte Kevin sich ein. „Meckern nützt jetzt auch nicht. Wir hängen alle mit drin. Wenn wir deine kleine Schwester nicht bis in alle Ewigkeit am Hals haben wollen, müssen wir liefern. Und sei ehrlich. Besonders intensiv hast du ja nicht an deinem Spiel gearbeitet.

Außerdem ist die Idee mit dem Weihnachtsmarkt gar nicht so dumm. Meine Mutter liegt mir andauernd in den Ohren, dass ich nicht nur am Computer sitzen, sondern auch mal was Soziales tun soll. Mit dem Spiel schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe. Wir brennen es auf eine CD und verkaufen es für den guten Zweck.“

„Genau“, sagte Max. „Kann man dein Spiel, also das, was du schon geschafft hast, nicht weiter verwenden, wenn man die Grafik etwas weihnachtlich aufpeppt?“

„Welche Grafik? Ich hatte die Idee, dass kleine Männchen Äpfel aufsammeln und in einen Korb packen. Ich kann gerade mal ein Strichmännchen über den Bildschirm bewegen.“

„Das ist doch super. Aus den Männchen machen wir Wichtel und aus den Äpfeln machen wir bunte Pakete, die der Weihnachtsmann vom Schlitten verloren hat. Das Ganze wird auf Zeit gespielt, damit alle Kinder zu Weihnachten Geschenke bekommen. Niedlich und gewaltfrei.“

„Genau“, sagte Kevin. „Und sie müssen nicht nur einfach aufsammeln, sondern im verschneiten Wald suchen.“

„Sonst noch ’nen Wunsch? Und wer entwirft die Grafik dafür? Von uns kann keiner so gut zeichnen.“

„Wir nicht. Aber ich weiß jemanden, der das für uns machen wird“, erklärte Max.

„Und wer?“

„Connie!“.

„Connie? Du meinst doch nicht etwa Kunst-Kurs-Connie? Connie-Rembrandt-Friedrich? Wie willst du denn die dazu bringen, mit uns zusammenzuarbeiten?“ Kevin war völlig perplex.

„Sie schuldet mir was. Ich habe vor ein paar Wochen ihr Zeichenprogramm von diversen Viren befreit und sie hat mir ewige Dankbarkeit geschworen.“

„Gut, das Problem wäre gelöst. Und den Rest schaffen wir schon. Bis zum ersten Advent sind es noch sechs Wochen. Notfalls holen wir uns Hilfe aus dem Internet. Kannst du gleich morgen mit Connie reden?“

„Geht nicht“, antwortete Max. „Morgen ist Sonntag und Connie ist am Wochenende nicht im Internat sondern bei ihren Eltern. Aber am Montag spreche ich sie in der Schule an.“

„Gut“, sagte Peter. „Dann sollten wir keine Zeit verlieren und an die Arbeit gehen.“

 

„Wow, das ist ja so was von cool!“, sagte Thomas. „Ein Computerspiel! Werden sie es schaffen?“

„Das wirst du noch erfahren“, antwortete der Weihnachtsmann. „Erst mal sehen wir uns an, was am Montag in der Schule los ist.“

Weihnachten in Winkelhausen: 5. Dezember

5-12-1314. November

 

Die Montagsgruppe der Winkelhausener Patchwork-Gilde traf sich heute bei Rosemarie Müller. Der Esstisch im Wohnzimmer war ausgezogen worden. Jetzt hatten fünf Frauen aller Altersgruppen ihre Nähmaschinen dort aufgebaut und waren eifrig dabei, kleine Stoffstücke aneinander zu nähen. Dabei unterhielten sie sich vergnügt.Es klingelte.

 

„Das wird Marianne sein.“ Rosemarie Müller erhob sich und ging zur Tür. Man hörte Stimmen im Eingagnsflur und dann stand Marianne Jäger in der Tür.

 

„Schaut mal, wen ich euch mitgebracht habe.“ Sie schob eine ältere Frau ins Zimmer. „Für alle, die sie nicht kennen: Das ist Elke Schneider. Sie heißt nicht nur Schneider, sie ist auch eine Schneiderin. Elke möchte für den Weihnachtsmarkt mitnähen.“

 

„Allerdings keine Flickendecken“, sagte nun Frau Schneider. „Ich dachte mehr an Puppenkleider. Frau Jäger – Marianne – lud mich ein, bei ihnen mit zu nähen. Sie sagte, in Gesellschaft nähte es sich viel netter. Ich habe etwas mitgebracht.“ Aus einem Korb zog sie eine kleine Puppe. Sie trug eine bestickte Latzhose mit passender Bluse. Die anderen Frauen gaben bewundernde Kommentare von sich.

 

„Ist das nicht eine entsetzliche Fummelarbeit?“, fragte eine jüngere Frau. „ich wollte immer schon etwas für die Puppen meiner Mädchen nähen, aber ich habe mich nie daran getraut. Außerdem habe ich gar keine Schnittmuster.“

 

„Also, wenn man ein paar Tricks kennt, ist das nicht schlimmer, als ihre kleinen Drei- und Vierecke zusammenzunähen, eher sogar leichter, glaube ich. Ich zeige ihnen das gerne. Und die Schnittmuster sind einfache Basisschnitte. Mein Neffe hat sie mir in den Computer gescannt, und ich kann einfach die Größe, die ich brauche, ausdrucken.“

 

„Also, stellen sie ihre Nähmaschine auf den Tisch. Zuschneiden ist in der Küche“, erklärte Rosemarie.

 

Als Elke und die jüngere Frau in der Küche verschwunden waren, wandte sie sich an Marianne. „Wie hast du es nur geschafft, sie mitzubringen ? Seit ihr Mann tot ist, habe ich Elke so oft in den Ohren gelegen, sich uns anzuschließen, aber sie wollte nie.“

 

„Sie kam auf mich zu. Sie sagte aber gleich, dass Patchwork nichts für sie sei. Irgenwie kann sie mit der Idee, große Stoffe in kleine Schnipsel zu zerschneiden, um dann wieder ein großes Stück Stoff zusammenzunähen, nicht allzuviel anfangen. Aber das macht ja nichts, die Puppenkleider sind bezaubernd.“ Die beiden gingen an die Arbeit.

 

In der Küche wurden indessen eine lange Hose und eine kleine Jacke zugeschnitten. Jana, die jüngere Frau, ließ sich die Stoffreste geben und zerschnitt sie zu lauter kleinen Dreicken.

 

Als Frau Schneider am Ende des Nachmittages mit Jacke und Hose fertig war, hielt Jana ihr eine kleine Umhängetasche, genau passsend zur Puppenkleidung, hin. „Das Muster heißt Kinder bekommen Flügel. Ich dachte mir, das könnte passen.“

Eine andere Frau hatte eine kleine Decke für ein Puppenbett gefertigt.

 

„Im Fussballverein basteln sie Puppenmöbel, dafür ist sie gedacht. Das Muster heißt übrigens Geburtstagskuchen.“

 

Klara war ganz aufgeregt. „Das ist ja meine Puppe! Also sie hat diese süßen Kleider genäht. Macht sie noch mehr?“

 

„Ja. Und nicht nur sie. Diese Patchwork-Gilde, was soviel heißt, wie Patchwork-Club, ist sehr groß. Fast jeden Tag trifft sich eine kleine Gruppe in einer Wohnung. Es gibt sogar einen Mann dabei. Einige von ihnen werden Puppenkleider und kleine Decken für den Markt machen, andere machen Kissen und Topflappen und eine große Gruppe näht gemeinsam ein paar ganz große Decken. Das schönste hier ist aber, das Frau Schneider wieder unter Leute kommt und eine Aufgabe hat.

 

Aber kommt mit, es gibt noch viel mehr zu sehen.“